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Interview
Silberner Bär für beste Darstellerin: Paula Beer

Berlinale, Preisverleihung: Paula Beer steht mit ihrem erhaltenen Silbernen Bären für die Beste Darstellerin vor dem Berlinale Palast.
Berlinale, Preisverleihung: Paula Beer steht mit ihrem erhaltenen Silbernen Bären für die Beste Darstellerin vor dem Berlinale Palast. © Foto: Jens Kalaene/dpa
Barbara Breuer / 01.03.2020, 09:00 Uhr
Berlin (MOZ) Der deutsche Regisseur Christian Petzold holt die Sage vom weiblichen Wassergeist auf die Leinwand. Paula Beer verkörpert "Undine". Im Interview spricht die Schauspielerin (25, "Bad Banks") über den Reiz der Rolle, weibliche Vorbilder und die Zusammenarbeit mit dem Filmemacher.

Frau Beer, Sie spielen Undine, die nur Mensch sein kann, wenn Männer sie rufen und sie ihnen die perfekte Frau ist. Sobald ihr aber ein Mann das Herz bricht, muss sie ihn töten und wieder ins Wasser zurück. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Ich fand es spannend, diesen Mythos in das heutige Berlin zu versetzen. Erzählt wird ja die neue Geschichte von Undine, die nicht mehr in diesem Kreislauf aus Wiederkehren und Töten stecken möchte. Diese Undine will Mensch sein und bleiben, auch weil sie sich zum ersten Mal verliebt und erlebt, wie toll das ist.

Sie haben "Undine" mit demselben Team gedreht wie "Transit", der vor zwei Jahren auf der Berlinale zu sehen war. Wie hat es sich angefühlt, wieder mit demselben Regisseur und demselben Filmpartner zu arbeiten?

Gut, denn Vertrauen und Gelassenheit sind da, wenn man die Leute schon kennt. Es braucht immer Zeit, sich an einen neuen Kameramann oder eine Kamerafrau zu gewöhnen. Die sind nah an einem dran. Und wenn man sich in den Szenen öffnet, dann ist diese Arbeit wahnsinnig intim.

War es schwer, wieder eine emotionale Bindung zu Franz Rogowski aufzubauen?

Es war für mich eine neue Erfahrung, so schnell hintereinander wieder miteinander zu drehen – und auch wieder ein Paar zu spielen. Dadurch, dass wir uns kennen, mögen und vertrauen, ist es recht einfach.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Wir hatten Tauchunterricht. Da ging es darum zu schauen, wie man sich unter Wasser bewegen kann. Oder zu erfahren, wie anders Wasser ist von der Geschwindigkeit. Indem ich mich mit Undines Elementen beschäftige – auch mit Märchen und den ganzen Sagen, die es rund um das Wasser gibt, baue ich mir peu à peu einen kleinen Rechercheberg auf.

Welche Bedeutung haben Märchen und Sagen für Sie?

Ich glaube zwar nicht an Sagen und Märchen, aber in ihnen steckt unheimlich viel drin, weil es da um große Themen geht. Sie existieren, weil Menschen sich mit ihrer Hilfe irgend etwas erklären oder es verstehen wollten. Als die Forschung noch nicht so weit war, hat man gesagt, das hat mit diesem Gott oder jenem Geist zu tun. Das ist so ein schönes Nahbarmachen der Unverständlichkeiten dieser Welt.

Sie schlüpfen für jeden Film in eine neue Rolle und sammeln neue Erfahrungen. Was haben Sie von "Undine" mitgenommen?

Vielleicht habe ich von Undine eine Art Bedingungslosigkeit im Bezug auf Liebe gelernt. Sie ist für mich eine Heldin, wenn sie versteht, dass sie nicht Mensch sein kann. Denn wenn sie ein Mensch sein möchte, dann muss sie dazu immer auch andere Menschen mit in den Abgrund ziehen. Aber ihre Liebe zu Christoph ist so stark, dass sie nur das Beste für ihn will. Er soll ein gutes Leben haben, weil er in diese Welt gehört. Sie entscheidet für sich, zurück ins Wasser zu gehen, damit er leben kann. Das ist so egobefreit und dadurch so unmenschlich, weil wir sonst immer von etwas profitieren wollen. Das mag ich so an ihr, dass sie so pur und teilweise kindlich naiv ist.

Ihre Rolle der Jana Liekam aus der Fernsehserie "Bad Banks" ist das ganze Gegenteil. Die Bankerin im Hosenanzug ist knallhart, und auch Undine trägt im Job ein Kostüm mit Bluse. Sind diese Karrierefrauen die neuen Vorbilder für Frauen?

Ich glaube, dass das Kostüm für Undine eher Arbeitskleidung ist. Trotzdem sind harte Frauen gerade im Trend. Mir geht es aber nicht darum, immer nur starke Frauen zu verkörpern, sondern tolle Frauenfiguren zu zeigen. Das können auch hinterlistige oder sehr schwache, manisch-depressive Frauen sein. Die Hauptsache ist, dass sie komplex sind. Man sollte nicht in Kategorien denken wie Mann oder Frau.

Was schätzen Sie an Regisseur Christian Petzold?

Er ist jemand, der seinen Schauspielern vertraut. Und es ist schön, dass er Freiraum lässt, damit man selber spüren kann, was da passiert. Außerdem schreibt Christian zu jeder Figur eine Biografie. Er ist immer so in seinen Geschichten drin, dass man ihn alles fragen kann. Wenn ich wissen will, was Undine zum Frühstück isst, dann hat er ihr ganzes Universum in seinem Kopf.

War die Undine leichter zu fassenals die Nebenrolle der Mariein "Transit"?

Es ist eine riesige Herausforderung, eine Nebenrolle wie die der Marie zu spielen. Darum finde ich auch die englische Bezeichnung "unterstützende Rolle" viel zutreffender. Nebenrollen tauchen nur in ein paar Szenen auf, aber man muss sich trotzdem das ganze Konstrukt dafür zusammenbauen. Um eine Figur wie die Undine zu spielen, die in vielen Szenen vorkommt, hat man viel mehr Futter.

Sie haben eine rasante Karriere hingelegt. Wohin wollen Sie noch?

Ich denke, man kann das alles nicht planen. Ich lese ein Drehbuch, und wenn ich Lust darauf habe, dann mache ich den Film. Manchmal will ich aber auch bei einem Projekt mitmachen, und dann wird das Ganze nicht finanziert und ist schnell wieder weg. Aber solange ich mit tollen Leuten arbeitet kann und es tolle Projekte gibt, bin ich glücklich.

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