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Infomeile
Landwirte zeigen Laga-Besuchern die Vielfalt auf dem Feld

Katja Liebenthal (l.) und Maria Mundry, Geschäftsführerin vom Kreisbauernverband
Katja Liebenthal (l.) und Maria Mundry, Geschäftsführerin vom Kreisbauernverband © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 08.06.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 09.06.2019, 16:10
Wittstock (MOZ) Wittstocker Landwirte informieren Laga-Besucher auf Schildern über die Pflanzen auf ihren Feldern. Fehlender Regen bereitet ihnen aber große Sorgen.

Lupinen, Sonnenblumen, Raps, Mais und Roggen – die Pflanzenvielfalt ist auf den rund 6 000 Hektar der sieben bis acht Landwirtschaftsbetriebe rund um Wittstock überaus vielfältig. Rund 15 bis 20 verschiedene landwirtschaftliche Kulturen werden in dieser Region angebaut. Auf unterschiedlichsten Bodenverhältnissen. Brandenburgweit sind es sogar 50 Kulturen: angefangen bei den üblichen Winter- und Sommergetreidearten, über Öl- und stickstoffsammelnde Hülsenfrüchte bis hin zu eiweißreichem Tierfutter, Spargel und Kartoffeln.

Über diese landwirtschaftliche Produktionsvielfalt informiert seit Freitag eine sogenannte Infomeile, die an der B 189 in der Nähe der Autobahnauffahrt nach Berlin zusammen mit einer Sitzbank in Kooperation des Landes- und Kreisbauernverbandes Ostprignitz-Ruppin aufgestellt wurde. Es sei ein Zusatzangebot zu den bisherigen Informationsschildern über die Blühstreifen, von denen es rund 20 Hektar in der Region gibt, so Holger Brantsch, Pressesprecher des Landesbauernverbandes (LBV). An weiteren Einfahrtsstraßen nach Wittstock sind weitere Infomeilen geplant, denn das neue Angebot richtet sich vor allem an Besucher der Landesgartenschau in Wittstock, die sich als Radler und Wanderer schon auf dem Weg zur Laga informieren und einstimmen lassen können.

Aber die blühende Vielfalt leide derzeit unter der herrschenden Trockenheit, sind sich die Landwirte bei der Präsentation der Schilder einig. "Wir hätten dringend Wasser gebraucht", so Burkhard Schultz, Geschäftsführer der LPDG Briesen, und weist auf die vertrockneten Sonnenblumen- und Lupinenfelder auf der anderen Straßenseite. "Wenn dieses Jahr noch mal so ein trockener Sommer kommt wie 2018, ist das existenzbedrohend." Doch nicht nur die Getreideernte sei in Gefahr, sondern auch die Futtervorräte für die Tiere seien schon im letzten Jahr aufgebraucht worden, fügt Katja Liebenthal, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Blesendorf-Zaatzke hinzu. "Aber wir  glauben noch nicht, dass es immer so trocken bleibt." Denn bereits der erste Futterschnitt auf den Wiesen erbrachte nur ein Drittel des Ertrages des Vorjahres. Gleichzeitig experimentiere man aber viel, so die Fachfrau. Man habe es mit dem Anbau von Hirse versucht, die könne jedoch die Kälte nicht ab. Zuletzt habe man es dann mit Winterhanf probiert, der bereits im Herbst gedrillt werde und im Winter abfrieren soll. Doch das Endprodukt befinde sich noch in der Erprobung, so Liebenthal. "Wir müssen umdenken, aber Pflanzen, die kein Wasser brauchen gibt es nicht."

Jeden Tag, an dem es so heiß sei, verdunsten pro Quadratmeter bis zu acht Liter Wasser, erklärt Sven Deter, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes im Landkreis. Gehe der Niederschlag noch weiter zurück, nähere man sich Totalverlusten. Doch Deter hofft: "Es gab aber wettertechnisch noch nie zwei gleiche Jahre hintereinander." Das größte Problem sei, dass die Sandböden in der Region mit einem Bodenwert von 18, schlechte Wasserspeicher seien. Und so trocknet bei fehlendem Regen der Boden immer weiter aus. Mittlerweile seien die Böden im Landkreis bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter von extremer Dürre betroffen. Die Grundwasserspeicher seien leer, anders als Anfang 2018, als nach dem niederschlagsreichen Jahr 2017 noch Reserven vorhanden waren. Erst wenn fünf Monate lang im Winter Niederschlag mit insgesamt rund 400 Millimetern falle, würden die Böden wieder durchfeuchtet werden, so Deter, der dafür plädiert Bodenfruchtbarkeit und damit auch die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens in den obersten 30 Zentimetern durch Humus zu erhöhen. "Jedes Prozent Humus macht uns zu Kohlenstoffdioxidbindern. Aber das bedeutet Aufwand und ist ein langer Prozess."

Die Funktion von Blühstreifen

Blühstreifen sind extra angelegte Flächen, auf denen viele Blühpflanzen wachsen, als wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten.

Sie werden auch Bienenweiden genannt, schützen den Boden vor Erosion, Fördern die Artenvielfalt, Bekämpfen Schädlinge durch Nützlinge aus den Blühstreifen und steigern den Erholungswert der Landschaft.⇥ug

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