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Wildblumen
Mitte wird insektenfreundlich

Bienenpflege: Christian Schmidt-Egger stellt das Pilotprojekt in Mitte vor.
Bienenpflege: Christian Schmidt-Egger stellt das Pilotprojekt in Mitte vor. © Foto: Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 14.06.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.06.2019, 16:33
Berlin (MOZ) Warum mähen Sie nicht endlich den Mittelstreifen?", werden Sabine Weißler und ihre Mitarbeiter in letzter Zeit immer wieder gefragt. Die Antwort gibt die Bezirksstadträtin von Mitte am Donnerstag im Spreebogenpark. Auch dort, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof und Regierungsviertel entfernt, wirkt die Wiese auf den ersten Moment ungepflegt. In ein paar Monaten sollen hier Milder Mauerpfeffer, Wiesen-Kerbel und Löwenzahn sprießen. "Es ist die zehnte Fläche zur Förderung der Insektenvielfalt", erklärt Weißler.

Mit Insekten sind vor allem Wildbienen gemeint. Die sind in Deutschland stark gefährdet. In Berlin mit seinen verhältnismäßig vielen Grünflächen sind laut Naturschutzbund NABU derzeit 317 verschiedene Arten bekannt. Nahezu aber jede zweite ist im Bestand bedroht oder bereits verschollen. "Die Nahrung der Wildbienen sind vor allem einheimische Wildpflanzen, die durch die zunehmende Bebauung und Nutzung der immer weniger werdenden Grünflächen aber immer mehr verschwinden", erklärt Christian Schmid-Egger von der Deutschen Wildtierstiftung.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der Landschaftsökologe mit den summenden Völkern und betreut Projekte in ganz Deutschland. Auch im Brandenburgischen Trebbin hat er im Auftrag eines Betriebes für eine bienenfreundliche Umgebung gesorgt. "Viele Landwirte haben inzwischen verstanden, dass man etwas für die Bienen tun muss, ob aus Liebe zu der eigenen Scholle, aber auch, weil die Tiere wichtig für das Wachstum von Obst und Gemüse sind."

Was Berlin angeht, so habe die Stadt historisch bedingt noch viele wertvolle Biotope. "Doch es wird auch viel daran gearbeitet, dass es bald nicht mehr so ist", betont Schmid-Egger. Denn in der Stadt würden durch den Bauboom immer mehr Flächen versiegelt.  Aber die Grünflächen-Ämter mähten auch zu viel, einfach nur aus Ordnungsliebe. "Naturschutz hat auch einen kulturellen Wert, den es zu bewahren gilt", findet Schmid-Egger. Das würden auch immer mehr Bewohner verstehen. Er und seine Kollegen bekommen zunehmend Anfragen von Kleingärtnern, Lehrern und Unternehmen, die wissen wollten, wie man insektenfreundliche Gärten, Grünflächen und Balkone anlegt. Die Wildtierexperten führen dazu kostenlose Beratungen und Infoveranstaltungen durch. Das fünfjährige Projekt "Mehr Bienen für Berlin – Berlin blüht auf" wird mit 1,5 Millionen Euro vom Senat gefördert. "Die Stadt kann wichtige Lebensräume für Insekten bieten, wenn nicht immer mehr Flächen versiegelt, sondern Brachen begrünt und bestäuberfreundlich gestaltet werden", sagt Umweltsenatorin Regine Günther. Beteiligt sind bisher die Bezirke Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg.

Alleine im Bezirk Mitte werden dazu aktuell Biotopkartierungen für verschiedene Parkanlagen wie zum Beispiel für den Volkspark Rehberge, den Park am Plötzensee, den Goethepark, Schillerpark und den Volkspark Humboldthain erarbeitet. Am Spreebogenpark wurden 41 Wildkrautarten gepflanzt. "Mit Erkenntnissen aus diesem Projekt soll künftig die Berliner Grünpflege flächendeckend insektenfreundlicher gestaltet werden", so Günther.

Kräutergärten als duftene Bienenweiden

Wer den Wildbienen, anderen Insekten und Vögeln etwas Gutes tun will, der mäht den Rasen nur einmal im Jahr und das am besten Ende Juni, Anfang Juli. "Oft hat der Boden noch eine gute Samenbank", erklärt Stella Weweler, Referentin für Bienenschutz. Wenn nicht, gibt es auf der Webseite www.wildbiene.org eine Liste mit den wichtigsten heimischen Wildkrautarten.

Aber auch Küchenkräuter sind ein doppelter Gewinn: beispielsweise Borretsch, Liebstöcke, Schnittlauch, Lila Basilikum,  Salbei und Oregano bringen nicht nur gesunden Geschmack auf den Tisch sondern ziehen die summenden Bestäuber magisch an. Mehr Infos zu Beratung und Veranstaltungen unter www.berlin-blueht-auf.de⇥neu

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