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50 Jahre Mondlandung
Auf Armstrongs Spuren im Frankfurter Kosmonautenviertel

Thomas Gutke, Christopher Braemer / 19.07.2019, 19:46 Uhr - Aktualisiert 22.07.2019, 16:01
Frankfurt (Oder) (MOZ) Als am 21. Juli 1969 mit Neil Armstrong der ersten Mensch den Mond betrat, wurden an der Frankfurter Kopernikusstraße gerade die ersten Platten für einen neuen Wohnkomplex montiert: das Kosmonautenviertel. Es erinnert an den Griff nach den Sternen. Und an den Wettlauf ins All zwischen den USA und dem Ostblock. Mehrere Straßennamen sind nach Kosmonauten benannt, andere nach Astronomen oder Himmelskörpern. Ein Neil Armstrong gewidmeter Weg ist nicht dabei – dafür eine Apollostraße.

"Mir ist es leider nie möglich gewesen, mit auf den Mond zu fliegen, oder überhaupt einmal ins Weltall", sagt Michael Zumbaum. Der 80-Jährige wohnt zwar in West, spaziert aber trotzdem gern durchs Kosmonautenviertel. Die allgemeine Begeisterung in der DDR für die russischen Helden der Raumfahrt in den 1960er- und 1970er-Jahren hat er noch lebhaft vor Augen – allen voran für Juri Gagarin, den ersten Raumfahrer. "Man kannte viele der Namen ja aus der Presse."

Und nicht nur das. 1965 besuchten gleich zwei Kosmonauten die Stadt, berichtet Ralf-Rüdiger Targiel, ehemaliger Leiter des Stadtarchivs. Am 1. April sprach Boris Jegorow, von Tausenden umjubelt, auf einer Kundgebung. Er war am 12. Oktober 1964 der erste Mediziner im All. Anfang Oktober 1965 kam außerdem Pawel Beljajew nach Frankfurt. Wenige Monate zuvor war er mit der Woschod 2 im Orbit unterwegs gewesen, sein Kamerad Alexej Leonow unternahm bei der Mission als erster Mensch einen Weltraumspaziergang. Ebenso heldenhaft war, wie beide kurz darauf technische Probleme meisterten und nur knapp einer Katastrophe entkamen. Der sehenswerte Film "Die Zeit der Ersten" (2017) von Regisseur Dmitri Kisseljow erzählt ihre Geschichte.

Die Kopernikusstraße in Frankfurt gibt es schon seit 1945, bis dahin hieß sie Kanonenweg, so Targiel. Die Stadtrandsiedlung sei eine landwirtschaftlich geprägte Gegend gewesen. Mitte der 1960er Jahre verschwanden die Höfe, der Bau des Wohnkomplexes begann. Ende Mai 1969 wurde die erste Großplatte für die überwiegend fünfgeschossigen Häuser vom Typ P2 gesetzt. 1970 zogen die ersten Mieter ein, Ende 1972 war das neue Viertel fertig. Im Zentrum standen drei Hochhäuser, eine Kaufhalle, eine Schule mit Turnhalle, Kindergarten, Kinderkrippe sowie ein Feierabend- und Pflegeheim.

Die Benennung der Straßen nach Kosmonauten erfolgte im Dezember 1970. Dazu gehörten neben Leonow und Beljajew  auch Wladimir Komarow – der am 24. April 1967 als erster Mensch bei einer Weltraummission ums Leben kam – sowie Valentina Tereschkowa. Sie flog 1963 als erste Frau ins All. Konstantin Ziolkowski (1857-1935), an den im Viertel die gleichnamige Allee erinnert, erlebte all dies nicht mehr. Allerdings hatte er mit seiner Raketenforschung viele Grundlagen für die moderne Raumfahrt gelegt.

Sputnik am Himmel

Gut 50 Jahre später hat sich das Kosmonautenviertel  stark verändert. Viele Wohnblöcke sind abgerissen, andere bereits modernisiert, jedoch längst nicht alle. "Es ist ein schönes Viertel, es hat sich vieles zum Besseren gewandelt", findet Renate Schmidt. Die 78-Jährige wohnt schon seit 1970 hier. Sich deshalb viel mit russischen Satelliten oder Raumfahrern beschäftigt habe sie jedoch nie.  Anders Ingrid Rossbach, 74. Sie erinnere sich noch gut an ihre "erste Begegnung mit dem Weltall", 1957 war das. Sie und andere Kinder hätten Verstecken gespielt. "Ich habe abgezählt – ein, zwei, drei, vier Eckstein –  hoch in den Himmel geguckt und da sah ich den ersten fliegenden Stern." Als am nächsten Tag alle Medien darüber berichteten, habe sie gewusst: "Das war der Sputnik!"

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