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Adventsrätsel
Das marode, stolze Herz der Stadt

Thomas Gutke / 04.12.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 15:09
Frankfurt (Oder) (MOZ) Reporter der Lokalredaktionen Eisenhüttenstadt, Frankfurt, Seelow und Bad Freienwalde sind in der Adventszeit markanten Gebäuden und Ansichten auf der Spur. Wir veröffentlichen jeden Tag ein Bilder-Rätsel und verlosen einen Preis. Heute die Auflösung unseres Rätsels in der Montagausgabe – das Rathaus in Frankfurt (Oder).

„Unser Rathaus hat viel miterlebt. Es wurde beschädigt, umgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Es ist das Herz unserer Stadt“, sagt Oberbürgermeister René Wilke. Er ist seit 7. Mai der Hausherr in dem altehrwürdigen Gebäude, nach dem wir am Montag gesucht hatten.

Das Foto zeigt den Südgiebel des Backsteingebäudes und den darauf befindlichen vergoldeten Hering, der auf das Jahr 1454 datiert ist. Er symbolisiert die einstige machtvolle Stellung Frankfurts im Handel mit Salzheringen. Von der Hansestadt aus wurden die Heringsfässer im 15. Jahrhundert nach halb Europa verschifft.

Bereits zu diesem Zeitpunkt reichte die komplexe Baugeschichte des alten Rathauses gut 200 Jahre zurück. Es entstand ab Mitte des 13. Jahrhunderts mitten auf dem Markt unmittelbar nach der Verleihung des Stadtrechtes und war  politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Stadt. „Der nördliche, kleinere Teil entstand als Teil des Gerichtes und der Verwaltung, der südliche Teil war wahrscheinlich das in den Urkunden von 1253 gestattete Kaufhaus“, schreibt Stadtarchivar Ralf-Rüdiger Targiel in seinem Buch „Frankfurt – so wie es war“. In dem repräsentativen Bauwerk regelte die Bürgerschaft städtische Angelegenheiten, wurde Gerichtstag gehalten und Handel getrieben.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Rathaus mehrere Umbauten. 1913 ließ der damalige OB Georg Richter das Rathaus um einen Anbau erweitern. Zum Kriegsende 1945 trug der einstige Stolz der Stadt schwere Schäden davon. Doch die Frankfurter bauten ihr Rathaus bis 1952 wieder auf. Die letzten größeren Sanierungen gab es 1978 sowie in den 1990er Jahren.

In der hochgotischen Festhalle des Rathauses wird seit Mitte der 1960er Jahre Kunst ausgestellt – heute ist das Rathaus Standort des Brandenburgischen Landesmuseums für Moderne Kunst. Zudem finden Besucher in dem Gebäude ein Restaurant, das Oderhähne-Kabarett und die Stadtverwaltung. Rund 130 Mitarbeiter arbeiten hier verteilt auf vier Etagen. Doch nicht mehr lange.

Denn ab 2019 soll das Rathaus für rund 25 Millionen Euro energetisch saniert und modernisiert werden, dann müssen auch die Verwaltungsmitarbeiter vorübergehend umziehen. Zeit wird es. Seit Jahren kommt es im Rathaus immer wieder zu Wassereinbrüchen. Die Wände sind feucht, die Heizungsanlage ist regelmäßig defekt. An einigen Wänden schimmelt es. Erst kürzlich wurden bei Mitarbeitern deshalb auffällige Blutwerte festgestellt. Hinzu kommt, dass Räume wie der Stadtverordnetensitzungssaal baupolizeilich gesperrt sind.

Das ganze Ausmaß der Schäden sei erst in den vergangenen Jahren offenbar geworden, erklärt René Wilke. Zudem war die Finanzierung einer Sanierung über Fördermittel und Kredite lange ungesichert. Er sagt: „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass das Rathaus wieder als Ort der Demokratie, als Anlaufstelle für Bürgeranliegen, als funktionierende Arbeitsstätte unserer Verwaltung und als stolzes Zentrum unserer Stadt dienen kann. Deshalb ist die Sanierung lange überfällig und so wichtig.“

Unter mehr als 40 richtigen Einsendungen und Anrufern hat das Los für Wilhelm Weiss-Motz aus Frankfurt als Gewinner des zweiten Bilderrätsels entschieden. Er darf sich über eine Familienkarte (zwei Erwachsene plus drei Kinder) für das Familien-Weihnachtskonzert des Staatsorchesters am 26. Dezember, 17 Uhr, in der Konzerthalle freuen.

Ihren Tipp, welches Gebäude wir diesmal suchen, geben Sie bitte heute, zwischen 12 und 13 Uhr, unter Tel. 03344 414950 oder per E-Mail unter freienwalde-red@moz.de ab.

Informationen

■Anfahrt: Das Rathaus befindet sich auf dem Marktplatz 1. Mit dem Auto gelangt man am besten über die B112 und dann über die Heilbronner Straße, die Logenstraße und die Große Oderstraße zum Ziel.

■Veranstaltungen: Das Landesmuseum für Moderne Kunst zeigt in der Rathaushalle noch bis 16. Februar die Ausstellung „REAL POP 1960-1985“ – Malerei und Grafik zwischen Agit Pop und kapitalistischem Realismus. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag, 11–17 Uhr.

■Service: Weitere Infos unter www.blmk.de

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