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Mega-Party vor dem Schwedter Oder-Center mit hunderten Bikern, Motorengedröhn und Aderlass

Lebensretter
Großzapfaktion der Blutsbrüder

Oliver Schwers / 08.07.2018, 20:45 Uhr - Aktualisiert 08.07.2018, 21:33
Schwedt (MOZ) Dracula wäre neidisch: Massenhaft stellen Menschen freiwillig ihr Blut zur Verfügung. Bei der Blutsbrüdertour 2018 zog es hunderte Motorradfahrer in die Uckermark. Die spektakuläre Aktion soll Leben retten. Insgesamt ließen sich 97 Teilnehmer anzapfen. Ein Rekord.

Schwarze Lederkluft, dröhnende Maschinen, Helme, Benzingeruch. Der Platz vor dem Haupteingang des Schwedter Oder-Centers verwandelt sich in ein lautstarkes Bikertreffen – wohl das größte der gesamten Region. Die Liebhaber der starken Maschinen kommen aus der Stadt, von umliegenden Dörfern, aus Polen, Berlin und aus anderen Bundesländern. Schon Stunden vor der eigentlichen Ausfahrt steigt die Mega-Party mit Musik von der Bühne, mit Benzingesprächen und Anstehen. Anstehen vor dem Registrierungszelt. Motorradfahrer und Unmotorisierte warten geduldig, füllen Formulare aus, lassen eine Probe nehmen, führen ein Arztgespräch, lassen ihre Blutgruppe bestimmen. Dann geht es in den provisorischen Behandlungsraum, der mitten im Gang des Oder-Centers durch Absperrwände entstanden ist. Dort stehen zehn Liegen. Während das Blut fließt, eilen Schwestern hin und her.

„Wir sind zwar auch bei Vampirnächten oder zu Halloween unterwegs, aber eine so große Aktion gibt es wohl kaum noch einmal“, sagt Manuela Sterna vom DRK Blutspendedienst Nordost aus Neuruppin. Sie ist sichtlich beeindruckt. Über mangelnde Spendenbereitschaft muss sich das Rote Kreuz in der Uckermark ohnehin nicht beklagen. Zu den regelmäßigen Terminen einmal monatlich in Angermünde und Schwedt kommen durchschnittlich 50 bis 60 Menschen. Abgenommen wird jeweils ein halber Liter. „Wir haben bei solchen Aktionen wie heute auch die Gelegenheit, Neuspender zu gewinnen“, erklärt Manuela Sterna. Wer einmal dabei war, wird wieder angeschrieben und kann später zum DRK gehen, um seinen Beitrag zur Lebensrettung zu leisten.

Am 07.07.2018 startete die Blutsbrüdertour 2018 am Oder-Center. Viele Biker spendeten Blut.
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Blutsbrüdertour 2018

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„Ich denke, dass es wichtig ist, genügend Konserven vorrätig zu haben, egal ob für Biker oder für alle anderen Menschen, die es im Notfall brauchen“, sagt Spenderin Kornelia Bädke aus Gartz. „Man sollte aber trotzdem nicht rasen“, fügt sie hinzu. „Leben retten ist ein wichtiges Element in der heutigen Gesellschaft“, ruft der Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl, Schirmherr der Blutsbrüdertour, den Besuchern von der Bühne aus zu. Das Oder-Center unterstützt die Groß-Zapf-Aktion.

Organisiert wird die Lebensretter-Ausfahrt vom Schwedter Verein Blutsbrüdertour. Vorsitzender Frank Schäpe hat diesmal ein großes Ziel: Die 100-Spenden-Marke knacken. Im Vorjahr waren es 81. Das gelingt fast. 108 Freiwillige melden sich zum Spenden an, aber nur 97 von ihnen dürfen nach ausführlicher ärztlicher Untersuchung zum Aderlass.

Nicht jeder darf Blut abgeben. Wer zum Beispiel gerade eine Operation hinter sich hat, unter gesundheitlichen Einschränkungen leidet oder noch nicht 18 Jahre alt ist, kann nicht angezapft werden. Daher ist der Tross der 400 Fahrer und Begleiter weitaus größer als das Lager der Spender. Für alle zusammen bleibt es aber eine Wahnsinns-Show. Eyk und Nancy Apel aus Fredersdorf sind mit ihrer Harley gekommen, geben Blut ab und nehmen anschließend an der großen Rundfahrt über Blumenhagen und Casekow teil. Karsten Block ist das erste Mal dabei. Er arbeitet im Schwedter Oder-Center und hat erst seit Mai seinen Motorradführerschein. „Die Atmosphäre ist das Entscheidende“, meint Pierre Cornelius. „Wir fahren in Gemeinschaft, allein macht es weniger Spaß.“

Draußen stehen alte und neue, aufgemotzte, abgewetzte, historische und liebevoll gepflegte nebeneinander. Sie zeigen die Vielfalt der motorisierten Biker-Welt und das Lebensgefühl der Zweirad-Enthusiasten.

Das gesammelte Blut tritt einen weiten Weg an und kommt noch am gleichen Tag in die Aufbereitung. Allein in Berlin und Brandenburg werden täglich 600 Konserven benötigt, um Menschen zu retten oder zu helfen.

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