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Hobby-Forscher Rüdiger Kaddatz zweifelt Atombomben-Theorie an

Bahnhof nur "Tarnziel"?

Rüdiger Kaddatz
Rüdiger Kaddatz © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 13.03.2015, 16:57 Uhr
Oranienburg (MZV) Es ist jetzt gut 18 Jahre her, da schaute Rüdiger Kaddatz nicht in den Himmel, sondern auf den Boden. Bei einem Spaziergang durch den Wald zwischen Schmachtenhagen und Lehnitz mit seinem Sohn entdeckten sie ein altes Flugzeugteil. Das weckte die Neugierde von Rüdiger Kaddatz und ließ ihn künftig als Hobby-Forscher quasi immer wieder den Blick in den Himmel heben. Er vertiefte sich in die Fliegerschicksale, die hinter den Abstürzen während des Zweiten Weltkriegs stecken. Bis heute versucht er mit seinen Nachforschungen, die unbekannten Toten, die bei Flugzeugabstürzen über Oberhavel umkamen, zu identifizieren. "Wir fühlen uns als Anwalt der Gefallenen", sagt Rüdiger Kaddatz über sich und seine beiden Forscherkollegen Uwe Rathenow und Mario Schulze.

Mittlerweile haben sie zwei "Historische Hefte der Geschichtswerkstatt" herausgegeben. Eines über den Flugzeugbau der Heinkel-Werke, und das zweite handelt von dem 18-jährigen Oranienburger Jungen Horst Goetze, der im Krieg blieb.

Jetzt liegt - aus aktuellem Anlass - druckfrisch das dritte historische Heft von Kaddatz und seinen Mitstreitern vor: "Die Bombardierung Oranienburgs im Zweiten Weltkrieg".

Seit Jahren ist der heute 60-jährige Kaddatz im Besitz der wichtigsten Auswertungsberichte über die Bombenangriffe auf Oranienburg. "Die sind hieb- und stichfest", sagt Kaddatz. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind auf 55 Seiten zusammengefasst. Auch einige Augenzeugen kommen zu Wort und es gibt Fotos sowie die Quellenangaben. "Quellen, Quellen, Quellen", sagt Kaddatz seien das, was zählt. Ohne Nachweis bringt Kaddatz nichts zu Papier, mit Spekulationen hält er sich lieber zurück. Für ihn zählen nur Fakten. Daher ist er auch ein vehementer Gegner der These, dass Oranienburg vor allem Ziel der Bomber wegen der Auer-Werke gewesen sei. "Es gibt keine echten Beweise, dass die Auer-Werke das Hauptangriffsziel waren", so Kaddatz.

Für ihn steht fest: Am 15. März galt der Angriff "nur dem Oranienburger Verschiebebahnhof". So stehe es in dem Angriffsbefehl der Amerikaner. Daher ist der Dokumentarfilm von Thomas Claus "Geheimsache Nazi-Uran - Atomjagd in Brandenburg" für ihn nur Spekulation, weil sich nicht auf schriftliche Beweise berufen wird. Und tatsächlich gibt der Autor in dem Film zu, dass der Beschuss der Auer-Werke nicht in den Befehlen auftaucht. Er spricht aber davon, dass der Oranienburger Bahnhof nur ein "Tarnziel" gewesen sei. Als Beweis für seine These führt der Dokumentarfilmer die hohe Zahl von Langzeitbomben ins Feld, die auf Oranienburg fielen. Die Amerikaner haben sichergehen wollen, dass die Werke komplett zerstört werden, damit die Uranvorräte nicht den Russen für deren Atombomben-Programm in die Hände fallen.

Dieses Jahr fliegt Kaddatz wieder einmal ins Staatsarchiv nach London. "Man findet immer noch weitere Details."

Das dritte historische Heft der Geschichtswerkstatt gibt es für 8 Euro im Antikladen, Havelstraße 9 in Oranienburg. Bestellungen: rKaddatz@t-online.de

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Bruno2000 25.03.2015 - 19:07:55

Auerwerke als Ziel nicht bewiesen, OGA von Heute

Ich denke, dass die Bomberpiloten klar ihre Positionen hatten, wo die Bomben abgeworfen werden. Das Ziel, war aber sowohl, als solches. Die Ziele liegen nebeneinander. "Alles mit einem Abwasch". Die Forschungen, des Fernsehens, sind aber überlegenswert. Liebe Grüße, Claus-Stepan Matz.

Manfred Lücking 25.03.2015 - 18:14:57

Auerwerke als Ziel nicht bewiesen, OGA von heute.

Für Herrn Kaddatz steht fest, dass das Ziel der Bombardierung der Oranienburger Verschiebebahnhof war. Dazu wurde durch ihn sicherlich viel geforscht. Aber hat sich Herr Kaddatz auch mal folgende Frage gestellt: Welche strategische Bedeutung hatte an jenem 15.03.1945 der Oranienburger Verschiebebahnhof, der es rechtfertigte, dass 600 US-amerikanische Bomber auf den weiten Weg nach Oranienburg geschickt wurden? Sehen Sie sich die Lage dieses Bahnhofes an. Ein paar Bomber waren nötig, dass die handvoll Brücken (Lehnitz, Bernauer Strasse, Kremmen-Bahn....) zerstört wurden und es hätte kein Waggon Oranienburg erreicht oder verlassen

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