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Kooperation
Frankfurt und Słubice planen gemeinsame Kulturkarte

Thomas Gutke / 15.07.2019, 22:30 Uhr
Frankfurt (Oder) Der Bunte Hering 2019 war im doppelten Sinn ein Doppelstadtfest. Denn auch andere europäische Doppelstädte, mit denen Frankfurt und Slubice sich regelmäßig austauschen, feierten diesmal mit. Neben dem finnisch-schwedischen Tornio-Haparanda zählte dazu Chaves-Verín von der nördlichen portugiesisch-spanischen Grenze. Eine 16 Mitglieder große Dudelsack-Band der südeuropäischen Doppelstadt zog am Sonntag mit Holzblasinstrumenten und Trommeln über die Stadtbrücke nach Słubice – daheim ginge das nicht so einfach.

"Eure beiden Städte liegen viel dichter beieinander als unsere. Deshalb können wir hier viel lernen", meint José Sousa vom Eurodistrikt Chaves-Verín. Rund 20 Kilometer trennen das portugiesische Chaves vom spanischen Verín. Dazwischen liegt die Grenze. Trotzdem verstehen sich beide Städte, in der insgesamt 60000 Menschen leben, als gemeinsame Doppelstadt. Seit 2013 bilden beide, anders als an der Oder, sogar einen Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) –  eine grenzüberschreitende Rechtskörperschaft, mit der sich lokale EU-Projekte leichter umsetzen lassen. Die Zusammenarbeit ist auch angesichts der sprachlichen Nähe eine andere als an der deutsch-polnischen Grenze. "Egal, ob wir auf Spanisch oder Portugiesisch miteinander reden, wir verstehen uns. Wir brauchen keine Übersetzer, das macht natürlich vieles einfacher", sagt Nerea Perez Adriano, die ebenfalls für den Eurodistrikt tätig ist. Vor allem im Tourismusbereich bestehe eine enge Kooperation, erklärt sie. In anderen Bereichen aber seien Frankfurt und Słubice weiter, wie beim grenzüberschreitenden Nahverkehr.

Umgekehrt haben Frankfurt und Słubice von Chaves-Verín bereits viele Ideen für die eigene, deutsch-polnische Partnerschaft übernommen, berichtet Sören Bollmann vom Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum. "Das strategische Arbeiten mit einem Handlungsplan haben wir uns beispielsweise von dort abgeschaut." Den neuen Plan bis 2030  haben die Stadtverordneten beider Städte gerade erst beschlossen. Inzwischen gibt es 50 konkrete Projektvorschläge, die das eher strategische Papier nun untersetzen, und die der Kommunalpolitik nach der Sommerpause zur Beratung und zum Beschluss vorgelegt werden sollen, berichtet Sören Bollmann. Eine Idee stammt ebenfalls aus Chaves-Verín: eine gemeinsame Kulturkarte.

Mit der Plastikkarte erhalten die Bewohner von Chaves und Verín Vergünstigungen etwa beim Besuch der Schwimmbades oder bei Kulturveranstaltungen. Zugleich sei es, sagt José Sousa, "auch eine Identitätskarte. Damit sagen die Bürger: ich bin Teil einer Stadt mit zwei Ländern" –  rund 11 000 der Doppelstadt-Pässe wurden bereits ausgegeben.

Karte soll auf Kalender aufbauen

Auf einen ähnlichen identitätsstiftenden Effekt setzt auch Sören Bollmann. "Die Idee ist, mit einer Karte möglichst viele Dienstleistungen und Kulturangebote beider Städte abzudecken und beispielsweise Rabatte anzubieten." Die Kulturkarte baue auf dem Veranstaltungskalender www.ohnegrenzen.eu auf, den es seit einigen Monaten gibt und der die Kulturangebote beider Städte in einer Terminübersicht bündelt. Auch Oberbürgermeister René Wilke gefällt die Idee einer Kulturkarte für die Doppelstadt. "Sie ist gut umsetzbar und lässt sich mit anderen Projekten wie einer Frankfurt-Słubice-App kombinieren", sagt er. Vor einer möglichen Umsetzung wären jedoch noch viele, vor allem technische Fragen zu klären. Zunächst einmal müssten ohnehin die Stadtverordneten überzeugt werden.

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