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"Es war eine geile Zeit!"

Bürgermeister Wolfgang Krakow (l.) legt seinem Nachfolger Frederic Bewer die wertvolle Amtskette um.
Bürgermeister Wolfgang Krakow (l.) legt seinem Nachfolger Frederic Bewer die wertvolle Amtskette um. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 28.06.2016, 08:00 Uhr - Aktualisiert 28.06.2016, 10:10
Angermünde (MOZ) Der letzte Arbeitstag von Wolfgang Krakow war wohl einer der bewegendsten in den 18 Jahren Amtszeit als Angermünder Bürgermeister und der bis dahin längste Stehempfang im Rathaus. Kollegen, Weggefährten, Partner, Freunde, Familie kamen, um das Stadtoberhaupt zu verabschieden.

"... es war 'ne geile Zeit - es ist vorbei", singen Marie und Sarah Svarovsky zum Auftakt des Empfangs am Montag, als sei der Text des Popsongs von Juli für diesen Tag, für diesen Anlass, für Wolfgang Krakow geschrieben. Und der geht in seiner Ansprache auch direkt darauf ein: "Ja, es war eine geile Zeit. Und damit sind sowohl Momente von himmelhochjauchzend als auch von tief betrübt gemeint."

Der Angermünder Bürgermeister Wolfgang Krakow übergab auf seinem letzten Empfang im Rathaus die Amtskette an seinen Nachfolger Frederik Bewer. Zahlreiche Wegbegleiter aus Politik und Wirtschaft sowie Familie und Kollegen wünschen Krakow alles Gute.
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Abschiedsempfang von Bürgermeister Wolfgang Krakow

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Es ist die letzte offizielle Rede im Amt als Bürgermeister an seinem letzten Arbeitstag im Rathaus. Wolfgang Krakow geht in den Ruhestand. Zu seiner Verabschiedung hatte der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Olaf Theiß zu einem Empfang eingeladen. Der Saal war proppenvoll. Gäste waren nicht nur seine Amtskollegen, Bürgermeister und Amtsdirektoren aus der Uckermark und der Angermünder Partnerstädte, sondern auch seine ehemaligen Dezernenten Norbert Stein, Lutz Köhler und Margitta Behm sowie langjährige Wegbegleiter und Partner aus Politik, Bildung und Wirtschaft sowie aus verschiedenen Gremien, in denen Krakow mitwirkt, wie ZOWA, Nationalpark-Kuratorium oder Förderverein der Uckermärkischen Bühnen. Auch seine Frau Simone und seine Kinder Thomas und Linda erlebten diesen besonderen, emotional bewegenden Tag mit.

"Wir sind heute alle hier, um Dich zu verabschieden und Dir zu danken", sagte Landrat Dietmar Schulze, der seinem Grußwort ein Zitat von Martin Luther voranstellte: "Wenn ein Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen." Zum Dankesagen kamen jedoch viel mehr als vier. Schulze habe Wolfgang Krakow als einen ehrlichen Mann der Tat schätzen gelernt, mit dem sich vieles sofort persönlich oder am Telefon klären ließ ohne aufwändigen Schriftverkehr.

Auch Heinrich Vieker, Bürgermeister der Partnerstadt Espelkamp, ging eine lange Wegstrecke mit Krakow gemeinsam. "Als ich ihn bei meinem Amtsantritt 1999 traf, lernte ich Wolfgang Krakow als ein pragmatisches Stadtoberhaupt mit viel Humor, Selbstbewusstsein und Gestaltungswillen kennen", sagte Vieker. Angermünde sei es unter der Leitung von Bürgermeister Krakow gelungen, viele schlummernde Schätze zu heben.

Für Heinz Reker, Bürgermeister der Partnerstadt Lügde, ist Krakow in den vielen Jahren zu einem persönlichen Freund geworden. In Lügde hatte Krakow 1990 sein allererstes Handwerkszeug der Kommunalverwaltung gelernt, nachdem der ehemalige Lehrer nach der Wende in die Stadtverwaltung Angermünde wechselte, weil dort ein Mitarbeiter für Bildung und Kultur fehlte. Beides traute man dem Lehrer und Musiker Wolfgang Krakow zu. Und er hat Verwaltung seit dem von der Pike auf gelernt: an der Verwaltungsakademie in Nordrhein-Westfalen, in den Rathäusern in Lügde und Angermünde und vor allem im alltäglichen Leben.

18 Jahre Bürgermeister und 26 Jahre Verwaltung in zweieinhalb Stunden eines Empfangs Revue passieren zu lassen, ist unmöglich. Und so wurden nur kurze Streiflichter der Krakow-Zeit in Worten und Bildern erhellt. Die Gemeindegebietsreform, die unvergessliche 775-Jahr-Feier, die Besuche von zwei Bundespräsidenten (Roman Herzog 1999 und Joachim Gauck 2013), der Auftritt der Münchner Sängerknaben bei Euba Logistik, die Wolfgang Krakow dirigieren durfte, aber auch die leidliche BWG-Geschichte, für die Angermünde noch Jahre bluten muss. 285 Stadtverordnetensitzungen und mehr als 4700 Beschlüsse stehen in seiner Amtszeit zu Buche. Basisdemokratie, die auch mit Streit, hartem Ringen und Kompromissen, Erfolgen und Niederlagen verbunden ist, der fachlich fundierte Zuarbeiten der Verwaltung ebenso zu Grunde liegen wie die kritische Zusammenarbeit mit Abgeordneten.

Berührende und sehr persönliche Worte zum Abschied fand Krakows Stellvertreterin Brigitte Günzel, die zuerst als Gartzer Amtsdirektorin und seit sechs Jahren als Angermünder Bauamtschefin Wolfgang Krakow als Amtskollegen und als Chef kennen und schätzen lernte. Direkt, aber herzlich, Situationen blitzschnell analysierend, schlagfertig und in manchmal schwer nachvollziehbarer Absolutheit, jedoch nie verletzend und sich immer vor seine Mitarbeiter stellend, so beschreibt sie ihren nun ehemaligen Chef.

Der tauscht die Amtskette, die er seinem Nachfolger Frederic Bewer umlegt, gegen den Gitarrengurt, singt mit Sarah und Marie "Ich wollte nie erwachsen sein", verbeugt sich als allerletzte offizielle Geste langsam vor all seinen Gästen, kämpft nicht als einziger im Saal mit der heimlichen Träne im Augenwinkel und sagt nur noch ein einziges Wort: "Danke!"

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Hasso Isenhagen 05.07.2016 - 15:44:57

ja, natürlich, eine tolle Zeit

hoffentlich werden es die Angermünder nie vergessen, dass Krakow es war, unter dessen Führung der gesamte kommunale Wohnungsbestand aus Dummheit verschenkt und dann noch Millionen hinterher geworfen wurden. Und Verantwortlichkeit??? natürlich keine, es war halt eine geile Zeit....

Paul Müller 29.06.2016 - 15:34:03

Im fortgeschrittenem Stadium ...

... klopft man sich dann selbst auf die Schulter ... http://www.lachschon.de/tags/schulterklopfen/

Peter Müller 29.06.2016 - 15:19:22

Logisch

10000€ und plus 18 Jahre lang zu kassieren für winken und sich auf ein paar Sitzungen langweilen, das würde wohl jeder geil finden....

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