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Vier Monate ohne warmes Wasser

Ob zum Baden ihres acht Monate alten Sohnes, zum Abwaschen oder Haarewaschen - Julia Brune und alle anderen Bewohner ihres Aufganges müssen jedes Mal den Wasserkocher anwerfen.
Ob zum Baden ihres acht Monate alten Sohnes, zum Abwaschen oder Haarewaschen - Julia Brune und alle anderen Bewohner ihres Aufganges müssen jedes Mal den Wasserkocher anwerfen. © Foto: MOZ/Kerstin Unger
Kerstin Unger / 21.10.2016, 07:50 Uhr
Angermünde (MOZ) Nach fast vier Monaten war für Mieter der Rudolf-Breitscheid-Straße 103 das Maß voll. Sie wandten sich an die MOZ, weil sie seit Anfang Juni kein Warmwasser aus der Leitung bekommen. Die Stromkosten gehen in die Höhe, weil die Wasserkocher heiß laufen.

Der Wohnblock mit den sechs Aufgängen ist der längste in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Das Umfeld ist öde, die Fassade schmutzig. Auch die Flure sind nicht gerade anheimelnd. Die Miete ist relativ erschwinglich. Jedoch steigen seit dem Sommer die Energiekosten der Mieter. "Seit Anfang Juni wurde das Warmwasser immer kälter", erzählt Kerstin Neumann aus dem Parterre. "An manchen Tagen war es nicht mal lauwarm." Im Juli sei der Verwalter vor Ort schriftlich informiert worden. Mieter riefen auch öfter bei ihm an. "Wir können seitdem nicht baden, nicht duschen, keine Haare waschen. Das warme Wasser kam sporadisch, zum Beispiel nachmittags gegen 16 Uhr für kurze Zeit", so die Mieterin. Man könne nicht planen und müsse das Wasser ständig elektrisch erhitzen.

Anfangs habe man gedacht, es betrifft den ganzen Block. Dann stellte sich heraus, dass es nur der eine Aufgang ist. Von den zehn Wohnungen sind sieben belegt. Hier wohnen auch Familien mit kleinen Kindern.

Julia Brune wohnt seit fünf Jahren im Aufgang. Das Wasser zum Baden für ihren acht Monate alten Sohn und die siebenjährige Tochter muss sie im Wasserkocher heiß machen, ebenso das Abwaschwasser. "Ein Stromfresser", sagt sie. Dafür wäscht sie ihre Haare mitunter auch kalt. Jetzt packt sie ihre Sachen und zieht aus. Auch weil die Versprechungen der Hausverwaltung, die vor fünf Jahren gemacht wurden, nie eingehalten wurden. Im Umfeld sieht es für Kinder traurig aus.

Im Juni 2011 wurde den Mietern der ehemaligen BWG-Wohnungen freudig mitgeteilt, dass die "zweite wl angermünde gmbh" seit dem 19. Mai 2011 der neue Eigentümer des Hauses ist, an den ab sofort Miete und Betriebskosten zu entrichten sind. Dessen Hausverwalter, die Verwaltungsgesellschaft Lindenthal-Gartenstadt mbH aus Leipzig, informierte am 21. November 2011, dass in den Aufgängen 97 bis 109 Baumaßnahmen geplant sind. Demnach sollten die Leerstandswohnungen saniert, die Treppenhäuser und Fassaden gemalert und der Parkplatz gestaltet werden. Auch der Einbau von Rauchwarnmeldern wurde angekündigt. "Das einzige, was seitdem gemacht wurde, ist die Installation der Rauchmelder. Dafür stieg dann auch die Miete etwas", sagt Kerstin Neumann.

Seit zwei Jahren stehen die betroffenen Wohnblöcke zum Verkauf. Seitdem passiert nicht mehr viel. Selbst der Aushang, auf dem zu lesen ist, wo und wie der Verwalter vor Ort für die Mieter zu finden ist, ist veraltet.

Frank Redlich ist an mehreren Tagen in der Woche stundenweise der Kontaktmann zwischen Mietern und Hausverwaltung. Reparaturen, die unter 150 Euro kosten, darf er veranlassen. Hier seien jedoch Zirkulationspumpen kaputt. "Die Firma Wolter hat ein Angebot gemacht, das ich nach Leipzig weitergeleitet habe. Warum bisher nichts passiert ist, kann ich nicht sagen", erklärte er am Mittwoch. Auf Nachfrage bei der Verwaltungsgesellschaft erklärte eine Mitarbeiterin: "Der Auftrag ist ausgelöst. Die Firma Wolter hat die Pumpen bestellt." Weshalb nach fast Monaten noch unerledigt ist, war nicht zu erfahren.

Thomas Wolter, Chef der Firma Heizungsbau, bestätigte, dass er Ende voriger Woche den Auftrag erhalten habe. Der Kessel funktioniere, meinte er. "Das Wasser wird auch bis 60 Grad aufgeheizt. Die anderen Blocks haben Warmwasser, weil sie die ersten am Strang sind", erklärt er. Je weiter weg die Wohnungen sind, desto weniger warmes Wasser bleibe übrig. Deshalb sollte man das Wasser länger laufen lassen. Die Probleme mit dem Pumpen kämen auch durch den teilweisen Leerstand zustande, meint er.

Weshalb der Auftrag erst jetzt erteilt wurde, versteht auch er nicht. "Ich bin in der Vergangenheit öfter hingefahren, um zu entlüften", erzählt er. Danach kam dann scheinbar zeitweilig warmes Wasser auch in der Nummer 103 an. "Ich hätte die Arbeiten lieber im Sommer durchgeführt und nicht jetzt, zu Beginn der Heizperiode, wo sich die Aufträge häufen"meint Thomas Wolter. Er wartet jetzt täglich auf die Pumpen, die er dann sofort einbaut. "Spätestens nächste Woche haben die Mieter in der Breitscheidstraße 103 wieder warmes Wasser", verspricht er.

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