Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neuer Mietspiegel gefordert

Daniela Windolff / 07.06.2017, 06:25 Uhr
Angermünde (MOZ) Fehlerhafte Betriebskostenabrechnungen, Wohnungsmängel und Mieterhöhungen sind die häufigsten Probleme, mit denen sich der Angermünder Mietervereins beschäftigt. Die ehrenamtlich geführten Sprechstunden werden gut angenommen.

In den 25 Jahren ihrer ehrenamtlichen Vorstandsarbeit im Mieterverein sind Alfred Wendt und Jürgen Milling schon Experten in Sachen Mietrecht geworden. Die jahrelange Erfahrung, die regelmäßigen Schulungen und Weiterbildungen über den Deutschen Mieterbund und emsiges Selbststudium haben sie zu gefragten Beratern für Mieter, und mitunter auch für Vermieter gemacht. "Jeder Fall wird individuell geprüft und behandelt, aber viele Probleme ähneln sich", erklärt Vereinsvorsitzender Jürgen Milling, der auch Mitglied im Landesverband ist. Mit 197 Mitgliedern ist der Angermünder Mieterverein zwar nicht der größte, aber nach Aussagen des Landesverbandes einer der aktivsten.

Am häufigsten geht es in den Sprechstunden um unklare Betriebskostenabrechnungen. Was darf der Vermieter auf die Nebenkosten umlegen? "Die Fallstricke werden oft schon beim Abschluss des Mietvertrages gelegt. Deshalb raten wir Mietern immer, diese Fragen schon im Voraus ganz differenziert abzuklären oder den Mietvertrag vor der Unterzeichnung mit uns gemeinsam durch zu schauen", ergänzt Alfred Wendt. Auch Wohnungsmängel wie Schimmel führen oft zum Streit und rufen den Mieterverein auf den Plan, der dann in diesem konfliktreichen Feld zu schlichten versucht, um Streit vor dem Gericht zu verhindern. "Auch wenn wir uns in erster Linie als Interessenvertreter der Mieter verstehen, liegt die Verantwortung bei Wohnungsmängeln nicht selten auch beim Mieter selbst oder ist schwer nachzuweisen", so Alfred Wendt. Loyalität und rechtliche Korrektheit sind das oberste Handlungsgebot der Vorstandsmitglieder, die auch mal zugunsten des Vermieters entscheiden.

Schwieriger wird es für die ehrenamtlichen Mietexperten, wenn es um Mieterhöhungen geht. Schwierig vor allem deshalb, weil es in Angermünde keinen gültigen Mietspiegel mehr gibt, der ortsübliche Vergleichsmieten zur Orientierung darstellt. Jahrelang hatte der Mieterverein um einen Mietspiegel für Angermünde gekämpft, der dann 2012 endlich beschlossen wurde. Daran hatten auch Wohnungsunternehmen mitgewirkt. 2016 lief der Mietspiegel aus. "Wir haben uns als Vorstand vergeblich um eine Fortschreibung bemüht. Aber aus der Stadtverwaltung hieß es, der Aufwand sei zu groß. Wir haben auch das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister gesucht. Aber eine Antwort steht noch aus", erklärt Jürgen Milling. "Wenn man uns schon den Vorteil kommunaler Wohnungen genommen hat, sollte man uns wenigstens einen Mietspiegel ermöglichen", fordert Jürgen Milling.

Was ein Mietspiegel bewirken kann, zeigte sich im vergangenen Jahr, als ein Wohnungsunternehmen Mieterhöhungen vornahm, die über den örtlichen Vergleichsmieten lagen. Nur wenige Mieter legten auf Empfehlung des Mietervereins Widerspruch ein und zahlen bis heute den ursprünglichen geringeren Mietzins. Eine Antwort auf ihren Widerspruch haben sie bis heute nicht erhalten.

Auch das sei ein Problem, mit dem sich der Mieterverein plagt. Der ehemalige kommunale Wohnungsbestand der BWG ist nach dem Verkauf und der Pleite inzwischen zersplittert an verschiedene, immer wieder neue Eigentümer verkauft worden, die meistens nicht vor Ort präsent und damit für Mieter und Mieterverein kaum erreichbar sind.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG