Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wohnungsbau
Schöner wohnen in der Platte

Daniela Windolff / 04.04.2019, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Aus einem alten DDR-Plattenbau soll ein modernes Mehrgenerationenhaus werden. Der Eigentümer Chorona will mit Stilmitteln der Bauhausarchitektur und energetischer Sanierung ein Modellprojekt starten.

Gespenstisch leere Fensterhöhlen, grauer Beton, splitternde Fassaden - der Anblick des Wohnblocks am Ende der Rudolf-Breitscheid-Straße wirkt gespenstisch. Völlig ausgeschlachtet erinnert nur noch der blanke Rohbau an seine Vergangenheit als DDR-Plattenbau. Doch der Block wird nicht abgerissen. Im Gegenteil: Neu, modern, größer, komfortabel und schöner denn je soll er eine Renaissance feiern.

Das sind die Vorstellungen von Steffen Branding. Der Geschäftsführer der Chorona Immobiliengesellschaft mit Sitz in Chorin hatte 2016 die Wohnblöcke in der Rudolf-Breitscheid-Straße 97 bis 109 aus dem ehemaligen BWG-Bestand gekauft, die nach der Privatisierung der BWG schon mehrere Besitzerwechsel erlebten. Jetzt will Branding hier ein Exempel statuieren und die verpönte DDR-Platte zu einem Musterhaus aufwerten.  "Wir haben die Blöcke mit hohem Leerstand erworben. Nach der Modernisierung sind jetzt alle Wohnungen wieder vermietet."

Bis auf den letzten Block Nr. 97-99. Hier ist nichts als die rohe Betonhaut übrig geblieben. Dieser Block soll eine Totalverwandlung erfahren, an dem später nichts mehr an einen alten Plattenbau erinnern soll. Der Blockquader soll drei Anbauten im  Bauhausstil erhalten und statt bisher 30 Wohnungen künftig Platz für 57 Wohnungen bekommen. Die Zuschnitte der Ein- bis Vier-Raum-Wohnungen variieren. Bis auf eine werden alle künftigen Wohnungen einen großen Balkon oder Terrassen erhalten, im Obergeschoss Dachterrassen, beschreibt Choronachef Steffen Branding seine Pläne. Dazu wird das Gebäude über den gesetzlichen Standard hinaus energetisch saniert, von der Wärmedämmung über neue Fenster und Türen bis zur Heiztechnik. Auch sämtliche Medien werden  erneuert. "Jedes alte Kabel, jedes Rohr wird herausgerissen und durch neue ersetzt", erklärt Branding, der damit auch einem erneuten Legionellenproblem, das in dem Haus vorkam, vorzubeugen. "Es wird die Qualität und den Komfort eines Neubaus haben unter Verwendung des alten Rohbaus. Es ist ein Pilotprojekt, was man aus einer Platte machen kann", so Branding.

Konzipiert ist das Projekt als Mehrgenerationenhaus. Hier sollen alleinlebende Senioren, Paare und Familien mit Kindern gleichermaßen ein Zuhause finden. Jede Wohnung samt Keller ist schwellenfrei per geräumigen Lift zu erreichen, der groß genug für Kinderwagen und Elektrofahrstühle ist.

4 bis 5 Millionen Euro investiert das Unternehmen am Standort und baut mit eigenen Handwerkern und Firmen aus der Region, sofern sie freie Kapazitäten haben. Planer ist das Schwedter Ingenieurbüro Pfeiffenberger und Schütz. Wenn alles gut geht könnte die "Modellplatte" 2020 bezugsfertig sein.

"Wir wollen als Wohnungsgesellschaft auch den demografischen Wandel mitgestalten und so bauen, dass man hier bis ans Lebensende wohnen bleiben kann. Außerdem zieht attraktiver und bezahlbarer Wohnraum auch Zuzügler aus dem Umland und aus Berlin nach Angermünde", hofft Branding.

Deshalb will er in Angermünde ein Mieterbüro einrichten, damit Mieter einen Ansprechpartner vor Ort haben und nicht wie bisher nach Eberswalde oder Chorin fahren müssen. Das soll in der ehemaligen Ehm Welk-Buchhandlung in der Rosenstraße eingerichtet werden. Dieses Haus erwarb Chorona vom Vorbesitzer Familie Schmook und wollte oben Wohnungen und unten wieder ein Ladengeschäft einrichten. "Wir haben mit vielen Handelsunternehmen gesprochen, doch keinen Interessenten gefunden", behauptet Steffen Branding. Entweder sei die Fläche zu klein oder die Kaufkraft in Angermünde zu gering. Seine ursprüngliche Idee, hier einen Bäcker mit Hofcafé im kleinen Innenhof zu etablieren, sei deshalb nicht aufgegangen. "Ich habe eineinhalb Jahre gesucht, doch nun werden wir das Mieterbüro einrichten." Im hinteren Bereich entstehen Wohnungen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG