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Deutsches Historisches Museum
Plakative Nachrichten

Jan-Henrik Hnida / 04.11.2017, 08:28 Uhr
Berlin (MOZ) Bilder sind heute im Nachrichtengeschäft unverzichtbar. Und bereits vor Erfindung der Fotografie wurden Briefe bemalt, Flugblätter verteilt und Bilderbogen gestaltet. Mit der Geschichte des visualisierten Zeitgeschehens befasst sich nun die Ausstellung "Gier nach neuen Bildern" im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Sie ist in drei Bereiche unterteilt: Sensationspresse, Bildsatire und humorvolle wie lehrreiche Unterhaltung. Die Gier und Lust nach Neuigkeiten wird seit Jahrhunderten befriedigt.

Kennzeichen der früheren Nachrichtenblätter sind sensationelle Schlagzeilen mit emotionalen Reizwörtern sowie plakative Bilder, die das Geschehen erklären. Augsburger Briefmaler brachten die frühen Bildnachrichten per Holzschnittverfahren zu Papier - umherziehende Bänkelsänger und Krämer verkauften diese Blätter. Auf den "grausamen Mordt" oder ein anderes Verbrechen folgte die Hinrichtung des Täters "zum Frolocken der Unterthanen". Entfesselte Naturgewalten - ein Erdbeben "ergrössert" das "Zetter-Geschrey deß anwohnenden Volcks" und der gefürchtete Kriegsgegner verübte "Schandt Brandt und Mordthaten". Auch die Geburt siamesischer Zwillinge ist den Herausgebern eine farbige Zeichnung wert.

Neue Kontinente und Kulturen lieferten im 18. Jahrhundert europäischen Verlagen zahlreiche Vorlagen. Auch die veröffentlichten Szenen von Straßenkämpfen in Paris, Berlin und anderen europäischen Städten während der Revolution von 1848/49 dienten nicht nur der Information, sondern hatten auch den Zweck, die Sensationslust des Publikums zu befriedigen.

Begehrt waren ebenfalls Geschichten aus den Adelshäusern. Nicht viel anders als heutige Boulevardmedien wurde über Geburten von Thronfolgern sowie Hochzeiten und Todesfälle berichtet. So sieht man Johann Friedrich den Großmütigen mit dem Lutherischen Bekenntnis auf den Lippen sterben. Solche Erinnerungsblätter entstanden beispielsweise in der Werkstatt von Lucas Cranach.

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die Bilderproduzenten bürgerliche Helden und Vorbilder als zusätzliche Einnahmequelle. Wie zum Beispiel lebensgroße, vierteilige Plakate von Fußballspielern oder Radfahrern - beides Sportarten, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts massentauglich wurden. Die Plakate hingen in Vereinslokalen und Festsälen.

Ans Eingemachte geht es bei Propaganda und politischer Satire. Drastische Darstellungen gibt es nicht erst, seit sich Päpste im deutschen Titanic-Magazin in die Hose machen. Schon vor über 100 Jahren verschlingt Wilhelm I. einen Fürsten, Napoleon Bonaparte wird ausgepeitscht und der Zensor zu Tode gequetscht. Bereits die Flugblätter der Reformation entwickelten starke Motive. Die Enthauptung, die Hinrichtung am Galgen und die Endprodukte der menschlichen Verdauung sind bis heute Dauerbrenner in der Karikatur - oft war das Oberhaupt der katholischen Kirche die Zielscheibe.

Auch zwei Ausgaben des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo werden ausgestellt, in dessen Räumen islamistische Terroristen im Januar 2015 zwölf Mitarbeiter erschossen hatten.

Noch aktueller ist ein Spiegel-Cover mit einer Trump-Figur, die der Freiheitsstatue den Kopf abgeschnitten hat.

Im Zuge der deutschen Einigungskriege, des Russisch-Japanischen Krieges und des Ersten Weltkrieges herrschte Kriegspropaganda im Blätterwald. Während zuvor das Ideal des ehrenhaften Kampfes "Mann gegen Mann" dominierte, rückten im 20. Jahrhundert die technisierte Kriegsführung und die Materialschlacht in den Mittelpunkt.

Auch können Bilder erziehen und unterhalten, wie mit lehrreichen Bilderfolgen für Kinder. Dampfbetriebene Kutschen und die neue Eisenbahn flößten Angst ein, eröffneten aber auch zunehmend die Möglichkeit der eigenen Entdeckung der Welt. Die wachsende Popularität des Themas "Reisen" spiegelt sich in vielen Bildergeschichten und Comicstreifen wider. Die Streiche von Max und Moritz, Abenteuer von Fix und Foxi und Micky Maus dürften auch die jüngeren Besucher kennen.

Bis 8. April 2018, Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, Berlin-Mitte, tägl. 10-18 Uhr, Tel. 030 20304-0

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