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Peter Sauerbaum, künftiger künstlerischer Leiter des Musiksommers, über den besonderen Reiz Chorins / 55. Saison beginnt am 23. Juni

Kultur
Vom unverwechselbaren Dreiklang

PR Konferenz  Frankfurt an der Oder,  Konzerthalle Pressekonferenz, Unterzeichnung der Sponsorenverträge,   Howard Griffiths und Peter Sauerbaum danach vor der Konzerthalle 
 FOTO BENK 15.06.2017
PR Konferenz Frankfurt an der Oder, Konzerthalle Pressekonferenz, Unterzeichnung der Sponsorenverträge, Howard Griffiths und Peter Sauerbaum danach vor der Konzerthalle FOTO BENK 15.06.2017 © Foto: MICHAEL BENK
Viola Petersson / 06.06.2018, 06:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) In diesem Jahr kommt er noch als Intendant des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) nach Chorin zum Musiksommer. 2019 übernimmt er dann die künstlerische Leitung des Klassikfestivals. Zwischen Abschied und Neustart sprachmit Peter Sauerbaum.

Herr Sauerbaum, Sie sind von Hause aus Jurist. Haben Rechtswissenschaften studiert. Warum? Immerhin stammen Sie aus einer Künstler-Familie. Rechtswissenschaft und Kunst, der Unterschied könnte kaum größer sein. Wie sind Sie schließlich doch zur Musik, zu Kunst und Kultur gekommen?

Ich fange mal mit dem Beginn an: Meine Eltern wohnten bei meiner Geburt in einer Straße, die in unmittelbarer Nähe des Opernhauses in Halle/Saale lag. Das war kein Zufall, denn mein Vater war Opernsänger und meine Mutter war Ballettmeisterin. Musik war stets ein Begleiter meines täglichen Lebens; kaum dass ich laufen konnte, war ich im Opernhaus zu Hause, denn während der Opernvorstellungen musste ich als kleiner Junge ja untergebracht sein. Musik und Kunst und alle sonstigen kulturellen Aktivitäten begleiten mich also, seitdem ich bewusst damit umgehen kann. Ich lernte das Instrument Trompete bei Reinhold Lösch, dem Solo-Trompeter im Orchester des Nationaltheaters Mannheim. Leider wurde daraus kein Beruf, aber die Bläsergruppen in einem Orchester finden stets meine besondere Aufmerksamkeit.

Sicherlich ist es der Geist der Kunst, der mich im täglichen Leben beflügelt und den „Kopf frei macht“ für gute Ideen und deren Umsetzung. Aber auch die in der Kunst unverzichtbaren Verhaltensweisen wie zum Beispiel Ausdauer, Konzentration und Kooperation, das Hören aufeinander sind Teil meines Lebens geworden. Ich folgte dem Rat meiner Eltern, die meinten, Juristerei wäre eine gute Grundlage und das stimmt. Schauen Sie, zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus dem Theater und in der Musik sind ebenfalls ausgebildete Juristen und es hat nicht geschadet, mir auch nicht, ganz im Gegenteil.

Am 23. Juni beginnt der Choriner Musiksommer. Eine zweifellos besondere Saison für Sie und Chefdirigent Howard Griffiths. Denn Sie beide nehmen Abschied vom Brandenburgischen Staatsorchester. Mit welchen Gefühlen sehen Sie den drei Konzerten entgegen?

Howard Griffiths und ich wirken seit mehr als zehn Jahren mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt an der Programmgestaltung des Choriner Musiksommers mit. Da ist eine enge emotionale Verbindung zum Konzertort Kloster Chorin und den Besucherinnen und Besuchern entstanden, dieses Gefühl wird weiter wirken, so dass die drei Konzerte zweifellos mit einem Hauch Wehmut verbunden sein werden. Außerdem, und das hilft Wehmut zu überwinden: Howard Griffiths und mich verbindet eine persönliche Freundschaft, die im Laufe unserer Zusammenarbeit entstanden und stark geworden ist, keine Selbstverständlichkeit im Verhältnis Generalmusikdirektor und Intendant.

Sie kennen Chorin aus dem Effeff. Was macht für Sie den Reiz von Chorin und des dortigen Musiksommers aus?

Wenn ich das recht sehe, ist der Choriner Musiksommer das älteste Festival im Land Brandenburg, ein kultureller Leuchtturm ohne Zweifel. Die Trias, die von Professor Wolff, dem Gründer des Choriner Musiksommers, formuliert wurde, gilt auch heute und zukünftig: Die Attraktion des Choriner Musiksommers speist sich aus dem hohen künstlerischen Niveau der Konzerte und Veranstaltungen, dem Reiz der Landschaft des Barnim und aus der Architektur des Kloster Chorin.

Ist das auch der Grund für Ihre Entscheidung, die künstlerische Leitung zu übernehmen oder worin liegt die Motivation für die neue Aufgabe?

Ja, eben deswegen habe ich den Antrag, die künstlerische Leitung des Choriner Musiksommers zu übernehmen, gerne angenommen. Mir liegt daran, das künstlerische Niveau der Konzertprogramme weiter zu optimieren und das Umfeld für die Besucherinnen und Besucher weiter zu verbessern, der Besuch des Choriner Musiksommers soll für sich genommen auch ein persönliches Fest sein.

Die Saison 2019 wird zwar noch durch Christoph Drescher vorbereitet. Haben Sie trotzdem schon Ideen, auf welche Weise Sie künftig Akzente setzen wollen?

Musikalisch ist das Jahr 2020 bestimmt durch den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens, das wird sich im Programm des Musiksommers widerspiegeln, aber sicherlich nicht nur Werke Beethovens werden im Programm zu finden sein. Mehr kann ich Ihnen derzeit nicht sagen, lassen Sie sich überraschen.

Herr Sauerbaum, es ist kein Geheimnis: Mit 72 Jahren gehören Sie in puncto Alter sozusagen selbst zur „Hauptkundschaft“ des Musiksommers. Wie wollen Sie mehr junge Leute für Klassik und den Ort begeistern?

Ich werde gemeinsam mit dem Vorstand und der Geschäftsführung des Choriner Musiksommers die Besuchersituation analysieren, um nicht ins Blaue hinein aktionistisch zu wirken. Sicherlich wird sich meine Expertise aus den zahlreichen und höchst erfolgreichen Projekten der kulturellen Bildung des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt mit Kindern und Jugendlichen auf die Programmgestaltung auswirken. Ich werde alles unternehmen, um Bewährtes zu pflegen, Neues zu generieren, gleichwohl niemanden zu verstören oder zu verschrecken. Die hierzu notwendigen Gespräche führe ich bereits. Auch der 16-jährige Sohn Lior meiner Frau ist mir als kritischer Gesprächspartner stets willkommen. Natürlich geht es auch um die Fragen der zeitgemäßen Kommunikation für die Bewerbung des Choriner Musiksommers, da werden wir uns noch manch Schönes einfallen lassen.

Welche Musik hören Sie gern?

Alles, was mich nicht langweilt.

Es muss also nicht immer Klassik sein?

Nein, durchaus nicht. Es darf auch Jazz sein.

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