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Neujahrsbaden
Eisbären trotzen dem Wetter

Anett Zimmermann / 02.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 02.01.2019, 09:06
Wriezen (MOZ) Deutlich mehr Zuschauer als Wriezener Eisbären hat es zum Neujahrsbaden ins Waldbad gezogen. Trotz teils heftiger Regenschauer wollte sich aber niemand die Laune verderben lassen.

Die ersten Zuschauer hatten sich offenbar in der Zeit vertan und waren schon eine Stunde früher da, um das Neujahrsbaden 2019 der Wriezener Eisbären mitzuerleben. Andere wollten lieber auf andere Art sportlich sein und waren mit Nordic-Walking-Stöcken beziehungsweise dem Fahrrad ins Waldbad gekommen. „Betreten der Eisfläche verboten! – Lebensgfahr“ warnt dort in den Wintermonaten ein Schild.

Doch von Eis ist auch beim Neujahrsbaden 2019 nichts zu sehen. Ganz im Gegensatz zum Saisonstart am ersten Advent. „Da war die Schicht anderthalb Zentimeter dick“, sagt Heiko Beyer. Er und seine Mitstreiter sind anhand ihrer blauen Jacken mit dem Schriftzug „Wriezener Eisbären“ und der blauen Pudelmützen mit gelben Streifen und weißer Bommel gut auszumachen. Sie erinnern damit zwangsläufig auch an die Farben der Stadt. Ihr am Zaun festgemachtes Banner darf natürlich auch nicht fehlen. Manch einer hat sogar einen kleinen Plüsch-Eisbären als Talisman dabei.

„Vier Grad Wassertemperatur“ spricht sich unterdessen herum. Draußen sind es gerade mal acht. Und wohl dem, der als Zuschauer einen Schirm dabei beziehungsweise als Eisbader seine Sachen wasserdicht verpackt hat. Die Sonne strahlt nur kurz, dann prasselt erst einmal heftiger Regen herunter. Die Pause reicht später kaum für den Sekt – spendiert von Bodo Lilienkamp vom „Märkischen Reiterhof“ in Schulzendorf. Dort hatten Ingo Will und Kevin Noack aus Bliesdorf ins neue Jahr gefeiert. Nun wollen sie sich als Gelegenheitseisbader mit ins Wasser stürzen. „Die größte Herausforderung war vorhin das Aufstehen“, meinen sie lachend, wobei es am Rande doch die eine oder andere Fachsimpelei gibt. So tragen einige der Eisbären zum Beispiel Badeschuhe.

„Damit macht sich das Reingehen einfach besser“, erklärt Heiko Beyer. Und was braucht man als Eisbader in Wriezen nocht? „Badeanzug oder Badehose, Handtuch, Bademantel“, zählt Beyer auf. Einige haben auch Matten als Schutz vor Sand und Nässe von unten dabei. „Aber bei dem Dreckwetter“, schimpft einer der Männer, als er wieder in seine Sachen schlüpfen will. Keiner kann sich daran erinnern, dass es schon einmal so stark beim Neujahrsbaden geregnet hat. Der Überblick reicht da allerdings nicht länger als ein, zwei Jahrzehnte zurück. Die ersten Wriezener Eisbären trafen sich jedoch bereits in den 1960er-Jahren, heißt es.

Der Jüngste ist zurzeit 25, die Ältesten sind fast 70.Jahre alt. Ein paar mutige Frauen gibt es auch. Diesmal kommen die Eisbader unter Applaus aus dem Wasser. Einige drehen sogar noch eine zweite Runde um den Holzsteg. Mike Helbig springt mit dem Kopf voran ins Nass. „Aber erst nach dem ersten Abkühlen“, sagt er. Das sei wichtig und ein solcher Sprung ohnehin nur etwas für Geübte. „Länger als fünf Minuten bleiben wir meist auch nicht drin“, fügt er hinzu. Spätestens nach einer halben Stunde sei ihm wieder warm.

Enrico Brocke aus Metzdorf ist das dritte Jahr bei den Eisbären. Über Bekannte aus Neutrebbin sei er dazugestoßen, erzählt er. „Ich wollte einfach mal mitmachen und habe es nicht bereut.“ Am Anfang koste das Eisbaden Überwindung. Jetzt ist er sich sicher, dass er seine Erfahrungen auch bei Notfällen nutzen kann. Etwa in der Freiwilligen Feuerwehr Kunersdorf, in der er Mitglied ist. Dann kommt wieder die Sonne heraus und gibt es nur noch fröhliche Gesichter.

Bis einschließlich Ostern treffen sie sich die Eisbären jeden Sonntag um 10 Uhr im Wriezener Waldbad. Zu den Höhepunkten der Saison zählt die Teilnahme am Ahlbecker Eisfasching. So geht es Mitte Februar wieder Richtung Usedom.

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