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Trumps Realität und die Gefahr, sie als normal hinzunehmen

Guido Bohsem
Guido Bohsem © Foto: Privat
Guido Bohsem / 28.05.2017, 18:52 Uhr - Aktualisiert 01.08.2017, 14:44
(MOZ) In seiner letzten Twitter-Nachricht hat der am Wochenende verstorbene, große amerikanische Außenpolitiker und Gelehrte Zbigniew Brzezinski geschrieben: "Ausgeklügelte amerikanische Führung ist die unabdingbare Voraussetzung für eine stabile Weltordnung. Doch weil es an ersterem mangelt, entwickelt sich letztere zum schlechteren". Besser könnte man die Bilanz der ersten Auslandsreise des amerikanischen Präsidenten Donald Trump wohl nicht auf den Punkt bringen.

Trump hat es in wenigen Tagen geschafft, die engsten Verbündeten seines Landes vor den Kopf zu stoßen und den diktatorischen Luxusclan in Saudi-Arabien in den Himmel zu loben. Er hat es nicht geschafft, den Staatschefs der Nato-Partner und denen der wichtigsten sechs Industrienationen zuzuhören oder zu verstehen, was diese ihm zu sagen hatten - einschließlich der Versuche, ihm die Eckpunkte der europäischen und somit auch der deutschen Handelspolitik zu erläutern. Als Einsicht in sein einfaches Denken bleibt am Ende: Saudis gut, Deutsche schlecht.

Zwar gelang es den sechs anderen Regierungschefs gegen den harten Widerstand Trumps, ein grundlegendes Bekenntnis zum Freihandel in das Abschlussprotokoll einzufügen. Viel Wert sind die Zeilen nicht. Schließlich war es Trump schon in der Vergangenheit immer wieder egal, ob er nun heute das Gegenteil von dem behauptete, was er vorgestern noch als profunde Erkenntnis verkündet hatte. Wie, so darf man fragen, soll man sich auf einen solchen Menschen in einem Krisenfall verlassen können?

Der größte Fehler der restlichen Welt wäre es, Trump nach dieser Reise nicht mehr als normalen Politiker, sondern nur noch als Trump zu messen. Nach dem Motto: "Lass ihn nur, er weiß es doch nicht besser". Eine solche Reaktion hieße, der Irrationalität, der Ignoranz, der Wechselhaftigkeit und der Großmannssucht einen Platz dort einzuräumen, wo Aufklärung, Rationalität, Kompromissbereitschaft und Einsicht herrschen sollten.

Trump wird aller Voraussicht nach die vollen vier Jahre seiner Amtszeit absolvieren. Hoffnungen auf ein erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren sollte sich niemand machen. Es werden kritische Jahre in einer Welt voller Umbrüche und Unsicherheiten, es werden kritische Jahre auch wegen Trump, der das Potenzial hat, die Stabilität der Welt weiter zu verschlechtern. Die Weltgemeinschaft darf das nicht als neue Normalität hinnehmen.

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