Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Konsequenz aus EHEC: Regierung will Meldesystem verbessern

17.06.2011, 18:55 Uhr
Berlin (AP) Als Konsequenz aus der EHEC-Epidemie will die Bundesregierung das Meldesystem für Infektionskrankheiten deutlich verbessern. Das kündigte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Freitag an. Das Meldesystem solle Thema auf der Gesundheitsministerkonferenz am 29. und 30. Juni werden. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) räumte Probleme bei der Vermittlung der Krise ein. Derweil starb in Nordrhein-Westfalen ein weiterer mit EHEC infizierter Mann. Damit erhöhte sich die Opferzahl seit Ausbruch der Epidemie auf 39.

Bahr sagte der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“: „Wir müssen das Meldeverfahren an die modernen Kommunikationsmöglichkeiten anpassen, damit die Informationen darüber, wie sich die Zahlen der Erkrankten entwickeln, schneller verfügbar sind.“ Es sei nicht verständlich, warum in einer solchen Situation wichtige Meldungen sogar per Post verschickt worden seien.

Zuvor hatte bereits SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach eine Verbesserung des Meldesystems gefordert und darauf hingewiesen, die bisherige Meldekette vom örtlichen Gesundheitsamt über das Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut dauere mindestens eine Woche.

Aigner räumte in der „Berliner Zeitung“ ein, dass es Probleme bei der Vermittlung der EHEC-Krise gegeben habe. Es scheine auf Bürger unübersichtlich zu wirken, wenn sich unterschiedliche Stellen zum selben Thema äußern. „Deshalb lohnt es sich, die Kommunikation nach außen zu überdenken“, sagte Aigner.

Forderungen nach Zentralisierung der Lebensmittelüberwachung wies sie aber zurück. „Wer so etwas fordert, hat keine Ahnung.“ Es sei wichtig, dass Behörden die zu überprüfenden Betriebe genau kennen. Dafür müssten sie vor Ort arbeiten.

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hatte in einem dapd-Interview ein Epidemiezentrum gefordert. Eine solche Einrichtung müsse in einem Krisenfall sofort alle Möglichkeiten haben, „alles zu recherchieren“. Er wolle eine Zuständigkeit haben.

Kritik am Krisenmanagement der Politik wies Bahr zurück. Vonseiten der Ministerien und ihrer Fachinstitute habe es sachlich begründete Empfehlungen und Informationen gegeben. Letzteres sei ja eben das, was die Bevölkerung zu ihrem Schutz zu Recht erwartet.

In Nordrhein-Westfalen starb bereits am Donnerstag ein 81-jähriger Mann aus dem Kreis Minden-Lübbecke, der sich mit dem Erreger infiziert hatte, wie das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mitteilte. Das Robert-Koch-Institut teilte mit, ihm sei seit Ausbruch der Epidemie Anfang Mai 3.408 EHEC- oder HUS-Fälle übermittelt worden. Seit etwa einer Woche würden Erkrankungen auf deutlich niedrigerem Niveau als zuvor übermittelt.

Derweil stellte sich heraus, dass eine mit EHEC infizierte Mitarbeiterin eines nordhessischen Partyservices 20 Teilnehmer einer Familienfeier im niedersächsischen Landkreis Göttingen mit der Krankheit angesteckt hatte. Die Frau hatte das Essen mit zubereitet und dabei offenbar den Keim übertragen, teilte das hessische Sozialministerium in Wiesbaden mit. Bei der Familienfeier mit 70 Teilnehmern aus ganz Deutschland waren 20 an EHEC erkrankt, bei drei Menschen entwickelte sich HUS.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde teilte mit, die Hamburger Krankenkassen und Krankenkassenverbände wollten den Krankenhäusern die Behandlung von EHEC-Fällen voll vergüten. Dies sei „naturgemäß in den jeweiligen Budgets nicht vorgesehen“.

Bei in den Niederlanden auf Rote-Beete-Sprossen nachgewiesenen EHEC-Erregern handelt es sich nach Angaben von Wissenschaftlern um einen in dem Land noch unentdeckten Bakterienstamm. Wie die Behörde für Lebensmittelsicherheit mitteilte, wurden bislang keine Krankheitsfälle durch die Bakterien gemeldet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG