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Ein halbes Kilo Insekten am Tag

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Iris Stoff / 15.04.2009, 08:00 Uhr
Storkow Holger Ackermann aus Groß Schauen ist seit drei Jahren ehrenamtlicher Hornissen-Beauftragter im Landkreis Oder-Spree. Durch sein Imkerhobby ist bei ihm auch das Interesse für diese großen Insekten geweckt worden, die viele für gefährlich halten. Sein Hauptanliegen ist es, die Menschen aufzuklären über diese gefürchteten Nutztiere.

"Das Märchen, dass sieben Stiche selbst ein Pferd töten, ist immer noch weit verbreitet", sagt Holger Ackermann. Er kennt die Ängste der Leute und versucht auf seine charmante Art, ihre Befürchtungen auszuräumen. "Wenn jemand anruft und sagt, ich habe ein Hornissenproblem sage ich immer, wir haben kein Problem sondern eine Situation und müssen versuchen, dass die nciht zum Problem wird", schildert der Experte. Er bemühe sich, den Menschen zu vermitteln, dass Hornissen im Garten ja eigentlich etwas Gutes seien. Ein Volk fresse täglich ein halbes Kilogramm Insekten. "Wer gerne bei Kerzenschein auf der Terrasse sitzt, spürt den Unterschied. Ohne Hornissen gibt es viel mehr Motten und Mücken."

Mehr als 50 Mal ist Holger Ackermann im Vorjahr ausgerückt, weil jemand erschrocken seine Handy-Nummer gewählt hat. Die nötigen Utensilien hat er dabei, ein Nest umzusiedeln, wenn es erforderlich ist. Doch erst einmal versucht er, den Anrufern zu erklären, dass kein Grund zur Sorge besteht, dass Hornissen anders als Wespen nicht an Süßspeisen gehen und gibt Tipps, wie Konflikte mit diesen Insekten vermieden werden können. "Und bei 70 Prozent der Leute war dann auch die Bereitschaft da, die Nester zu behalten. Viele haben dann ganz genau beobachtet was passiert, Fotos gemacht und mir Mails geschickt", freut sich der Hornissen-Fachmann. Hornissennester dürfen nicht zerstört werden. "Das kann sehr teuer werden", warnt er, "denn Hornissen haben den höchsten Schutzstatus."

Sein erster Einsatz in diesem Jahr hat Holger Ackermann gestern in den Garten von Otto Gedack am Storkower Burggraben geführt. Der Naturfreund Dr. Gedack hat allerdings keine Probleme mit diesen geflügelten Tieren. Im Gegenteil. Er hat im letzten Sommer interessiert beobachtet, was sich da so rund um das Nest abspielt. Doch es war lange mit Holger Ackermann verabredet, das Nest nach dem Winter abzunehmen.

"Ein Hornissenvolk existiert etwa sechs Monate", erklärt der Experte. "Anfang Mai, bei gutem Wetter auch früher, beginnt eine junge Königin, die aus der Winterruhe erwacht ist, mit dem Aufbau eines Volkes. Ab Juni helfen ihr die ersten Arbeiterinnen bei allen anfallenden Aufgaben. Ab Mitte August werden die ersten Geschlechtstiere herangezogen. Im Spätsommer verlassen diese das Nest, um sich zu paaren und nicht zurückzukehren. Spätestens Anfang November ist das gesamte Volk abgestorben. Die befruchteten jungen Königinnen ziehen sich in die Winterruhe zurück. Und im nächsten Frühjahr geht alles von vorne los."

Und was viele nicht wissen: Ein verlassenes Nest wird mehrere Jahre nicht wieder bezogen. Da es aber von anderen Insekten wie den nützlichen Blattlausvernichtern zum Überwintern genutzt wird, sollte es erst im folgenden Frühjahr entfernt werden. Dies ist nun bei Otto Gedack geschehen. Hier waren die Hornissen durch einen kleinen Holzspalt in den Schuppen geflogen und hatten sich über der Tür ihr Nest gebaut, welches nun gestern abgenommen wurde. Holger Ackermann hat das Gebilde, das sich ein bisschen wie Pergamentpapier anfasst, in der Mitte aufgeschnitten, um das Innere sichtbar zu machen.

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