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Peter Löwe holt seit 31 Jahren Künstler in die Kleine Galerie Goyatz. Mit der 150. Ausstellung soll längst noch nicht Schluss sein.

Kultur
Wie Kunst aufs Land kommt

Eine Institution seit über 30 Jahren: Dr. Klaus Ulrich (l.) gratulierte Peter Löwe zu seiner 150. Ausstellung in der von ihm gegründeten Kleinen Galerie Goyatz. Der ausstellende Fotokünstler Enrico Verworner (r.) und die Gäste stimmten mit ihrem Applaus gern zu.
Eine Institution seit über 30 Jahren: Dr. Klaus Ulrich (l.) gratulierte Peter Löwe zu seiner 150. Ausstellung in der von ihm gegründeten Kleinen Galerie Goyatz. Der ausstellende Fotokünstler Enrico Verworner (r.) und die Gäste stimmten mit ihrem Applaus gern zu. © Foto: Ingrid Hoberg
Ingrid Hoberg / 21.05.2019, 10:45 Uhr
Goyatz (Freie Autorin) Die 150. Ausstellung ist in diesen Tagen in der Kleinen Galerie Goyatz zu sehen. Zu diesem Jubiläum ist es Peter Löwe gelungen, den Berliner Fotokünstler Enrico Verworner zum fünften Mal an den Schwielochsee zu holen. Er präsentiert dort sein neuestes künstlerisches Projekt "Naturschönheiten" der Öffentlichkeit.

Peter Löwe (79) hat in 31 Jahren Ausstellungen mit mehr als 100 Künstlern – Laien wie Profis – in Goyatz organisiert. In der Kleinen Galerie sind seit 1988 Arbeiten von A wie (Karen) Ascher bis  W wie (Alexa) Wlachopolus präsentiert worden. "Alles, was an die Wand zu hängen ist", beschreibt er sein Auswahlprinzip. "Ich bin sehr offen für verschiedene künstlerische Mittel und Formen", sagt Peter Löwe, der Aquarelle besonders liebt und selbst töpfert. Doch für Keramiken ist einfach kein Platz im Wartezimmer der Praxis Ulrich in der Goyatzer Dorfstraße.

Das ist kein Abbruch für das Anliegen von Peter Löwe, ganz im Gegenteil. Denn die Besucher müssen nicht extra zur Kunst in der Kleinen Galerie kommen, sie ist schon da, wenn sie zu "ihrem Doktor" gehen.  "Ich fühle mich nicht als Unterstützer der Künstler, sondern anders herum – die Künstler bringen Kunst aufs Land", sagt der Kurator. Und dabei würden die Ausstellenden Unkosten nicht scheuen, wie beispielsweise das Rahmen der Bilder. "Ich kann leider kein Ausstellungshonorar zahlen", erklärt Peter Löwe. Dafür stehen der heute privat getragenen Veranstaltungsreihe keine Mittel zur Verfügung.

Kleine Galerie öffnete 1988

Dabei haben sich glückliche Umstände zueinander gefügt, dass es diesen Kunsttreffpunkt am Schwielochsee gibt. Der Mathematik-Lehrer und spätere Goyatzer Schulleiter Löwe war 1959 aus Dresden in den Altkreis Lübben gekommen.

Die Kunststadt hatte ihn da schon längst geprägt. Als der Kulturbund einen Vorsitzenden für die Ortsgruppe suchte, willigte er ein unter der Voraussetzung, dass er sich um eine Galerie kümmert und nicht um die anderen Sparten von Philatelie bis Numismatik. So öffnete die Kleine Galerie Goyatz 1988 erstmals ihre Türen  – zunächst noch in der Schule. Gezeigt wurden damals Arbeiten von Herbert Neugebauer aus Guhlen. 20 Prozent Berufskünstler, 80 Prozent Laienkünstler wurden in den vergangenen Jahren präsentiert, schätzt Peter Löwe ein. "Personalausstellungen von Laienkünstlern waren früher gar nicht so üblich", sagt er. Für ihn ist der Status eines Künstlers nicht ausschlaggebend, es müssen Arbeiten sein, die etwas zu sagen haben. "Es gibt in all den Jahren nur ganz wenige Ausstellungen, zu denen ich heute nicht mehr stehen kann",  stellt er in der Rückschau fest. Und manches Kunstwerk, das von den Besuchern der Vernissage vielleicht sogar kontrovers diskutiert wurde, fand doch einen Liebhaber, einen Käufer. So erging es erst kürzlich der "Effi" auf der Schaukel von Sebastian Franzka aus der Ausstellung "Fontane total". Peter Löwe gelingt es in den Künstlergesprächen zur Vernissage immer wieder, Interessantes zum Schaffen des Malers, Grafikers, Fotografen zu Tage zu bringen.

Die Eröffnung der 150. Ausstellung war nun kürzlich Anlass für Dr. Klaus Ulrich, einen Blick auf das Wirken von Peter Löwe als Kurator der Kleinen Galerie zu lenken. Er erinnerte daran, wie unterschiedlich die Themen und Sujets waren – von Unterwasserfotografie von Dr. Peter Thorausch bis zur spitzen Feder von Reiner Schwalme oder nun die aktuelle Fotokunst von Enrico Verworner. "Und die Künstler haben immer interessierte Besucher aus ihrem Umfeld zur Vernissage mitgebracht – neben dem ,harten Kern‘ von Stammbesuchern, der uns seit Jahren die Treue hält", sagte Dr. Ulrich.

Zusammenarbeit mit Arztpraxis

Doch die Kleine Galerie Goyatz ist auch nicht denkbar ohne Dr. Ulrich. "Er war sofort Feuer und Flamme", erinnert sich Peter Löwe, als es nach der Wende den Lübbener Kreisverband des Kulturbundes als Träger nicht mehr gab. Der Warteraum der allgemeinmedizinischen Praxis in der Dorfstraße ist längst Heimstatt geworden – und sie ist es bis zum heutigen Tage. Inzwischen praktizieren die beiden Söhne und eine Schwiegertochter dort.  Über die Bereitstellung des Raumes hinaus übernimmt Klaus Ulrich seit Jahren Unkosten wie Porto, den Druck der Einladungen, die inzwischen Sebastian Franzka gestaltet, und die Vernissage.

Diese gelungene Allianz ist die Basis für weitere Ausstellungen in der Kleinen Galerie Goyatz. "Bis 31. Mai ist die Fotokunst von Enrico Verworner noch zu sehen. In der 151. Ausstellung werden Arbeiten von Antje Koßmagk aus Lübbenau zu sehen sein", kündigt Peter Löwe an. An Aufhören ist also mit Nr. 150 nicht zu denken.

Fünf Fragen an Peter Löwe

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst?Die Stadt Dresden, in der ich aufgewachsen bin, hat mich als Kunststadt geprägt. Wie Erich Kästner schon sagte, ist in Dresden jeder Stein Kultur. Ich habe viele Galerien, Ausstellungen und historische Bauten besucht.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Dass es in der Gemeinde mehr Unterstützung für die Kleine Galerie gibt.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?Nein!

Träumen Sie gern?Ja, ich träume – aber ich brauche es nicht.

Was hält Sie hier? Würden Sie woanders hinziehen?Die Landschaft hält mich hier.

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