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Auch der zweite Entwurf des Landesentwicklungsplans sperrt die Betreiber kleiner Airports aus

Landesentwicklung
Der Ärger der Flugplatz-Bosse

Blick auf Neuhardenberg: Die Landebahn im Landkreis Märkisch-Oderland wird von langen Solaranlagen flankiert.
Blick auf Neuhardenberg: Die Landebahn im Landkreis Märkisch-Oderland wird von langen Solaranlagen flankiert. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Jörg Schreiber / 16.05.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 16.05.2018, 16:07
Strausberg (MOZ) Die brandenburgischen Flugplatzbetreiber sind sichtlich verärgert: Die zweite Version des Landesentwicklungsplans Hauptstadtregion ist vor dem Auslaufen, aber Änderungen im Vergleich zur ersten Fassung finden sich darin kaum.

„Wir müssen feststellen, dass den Änderungswünschen aus der Region kaum entsprochen wurde“, sagt Robert Radzimanowski, der Wirtschaftsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg. Die Luftfahrt müsse auch auf den den regionalen Flugplätzen stattfinden.

Die Kammer hat daher die Flugplatzbetreiber am Montag zum Tower nach Strausberg eingeladen, um hier gemeinsam für eine Position zu werben. Frank Hellberg vom Vorstand der Flughafenverband flyBB redet Klartext: „Es ist unverständlich, dass es eine Ausschlussklausel geben muss“. Das sei ein Thema aus der Anfangszeit der 2000er-Jahre, das überholt sei. Er führt zwei Dinge an: Der Hauptstadtflughafen BER müsse endlich fertig werden, das sei ein Thema, das alle wollen. Zudem seien Kapazitätsengpässe abzusehen, da müssten Ausweichflugplätze her: Es gebe keinen Grund, dies auf Jahre auszuschließen.

Beispiel Neuhardenberg: Auf dem Flugplatz in Märkisch-Oderland gibt es die einzige 2400 Meter lange Landebahn in der Region, wie Flughafenchef Uwe Hädicke berichtet. Das bedeute, wenn der BER dicht mache, beispielsweise nachts, könnte bei Bedarf der Flugplatz im Oderbruch einspringen. „Wenn Verkehre umgeleitet werden müssen, dann nicht nach Rostock, Leipzig oder Prag, sondern nach Brandenburg.“  

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Brandenburgs Flugplatzbetreiber kritisieren Konzentration auf BER

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Hädicke verweist darauf, dass die rund 25 Mitarbeiter in Neuhardenberg vor allem Kunden zur polnischen Sonderwirtschaftszone (SWZ) Kostrzyn-Slubice abfertigen. Hinzu kämen Besucher der Stiftung Schloss Neuhardenberg. „Wir stehen im Wettbewerb mit den polnischen Nachbarn.“

„Wir möchten auf die schwierige Situation der Flugplätze in Brandenburg hinweisen“, betont Gesa Reschke von der Geschäftsführung der Stadtwerke Strausberg. Derzeit seien gut zwei Drittel der Kunden Geschäftsflieger. Die Startbahn sei derzeit lediglich 1200 Meter lang und soll um 450 Meter verlängert werden. Doch solange nicht kostendeckend gearbeitet werden kann, seien auch Investitionen nicht zu finanzieren. „Wenn man schon keine staatliche Förderung anbietet, dann sollte man bitte die wirtschaftliche Entwicklung nicht einschränken.“

„Wir haben nichts gegen die Eröffnung des BER“, stellt IHK-Vertreter Radzimanowski klar. Für die allgemeine Luftfahrt werde der Großflughafen aber nicht ausreichen. Er verweist darauf, dass der Landesentwicklungsplan quasi als Gesetz gelten werde – und das dann gleich in zwei Bundesländern. Da seien Änderungen dann kaum mehr anzubringen. Und schon jetzt zeichne sich ab, dass die Kapazität nicht ausreichen werde und der BER zudem nicht als Flughafen für Luftfracht angelegt sei.

So habe die Kammer fast durchweg kleine Änderungen vorgeschlagen: Statt Single-Standort BER heiße es im IHK-Vorschlag jetzt der „BER und seine Partner“. Das würde dazu führen, dass alle Flugplätze der Region profitieren. Hädicke verweist darauf, dass es in anderen Regionen Deutschlands anders laufe, etwa im Raum München, in Hessen oder Sachsen-Anhalt. „Es ist aus unserer Sicht immer wieder eine Abschreibe der Denke aus den 90ern.“

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