Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ute Schulz aus Golzow betreut seit sechs Jahren Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können. Ziel ist die Rückführung in die Familie.

Muttertag
Größter Dank: "Ich habe aber meine Ute!"

Am kleinen Gartenspielplatz in Golzow: Ute Schulz ist seit sechs Jahren für Pflegekinder erste Bezugsperson.
Am kleinen Gartenspielplatz in Golzow: Ute Schulz ist seit sechs Jahren für Pflegekinder erste Bezugsperson. © Foto: Ulf Grieger/MOZ
Ulf Grieger / 12.05.2019, 07:00 Uhr
Golzow (MOZ) Zum Muttertag gibt es Blumen. Auch bei Familie Schulz in Golzow. Schließlich hat Ute Schulz zwei erwachsene Söhne und zwei Enkel. Seit sechs Jahren ist die Sonderpädagogin "innewohnende Erzieherin" der Kinderhäuser Oderland gGmbH. Derzeit erzieht sie ein Kindergartenkind und ein Grundschulkind.

In der Kita wurde der ältere der beiden Jungen vor Jahren von seinen Freunden darauf angesprochen, dass er bei einer Pflegemutti wohnt. Das hat den aber gar nicht beeindruckt. "Na und? Dafür habe ich aber meine Ute", reagierte der Junge. Und erntete fast den Neid seiner Freunde.  Darüber habe sie sich sehr gefreut. Als Ausdruck dafür, dass es gelingt, die Kinder, die es nicht leicht haben, stark zu machen.

"Ich wollte schon immer Kinder in Pflege nehmen", erzählt die Lehrerin, die vor knapp 40 Jahren in der Golzower Förderschule ihren beruflichen Weg gestartet hatte. "Aber damals war unsere Familie noch nicht so weit." Die Förderschule, die dann nach Seelow wechselte und später zur Kleeblattschule wurde, hatte einst auch ein Internat in Golzow.

"Ich habe es nicht bereut, die Entscheidung für diese Arbeit gefällt zu haben", sagt sie. Die Firma biete die Möglichkeit, auch mal ohne die Kinder Urlaub machen zu können. Es gibt den regelmäßigen Austausch mit Kollegen und vor allem auch Qualifizierungen. Ansonsten sei es ein 24-Stunden-Job, der tief ins persönliche Leben eingreift. Ihr Mann, der ebenfalls Lehrer ist, sehe seine Rolle eher als Erzieher der Kinder als die als Vater. "Wobei die Kinder ihn schon gern mehr als Vater hätten", weiß die 60-Jährige. Die eigenen Kinder, ja selbst die Enkel, beziehen die Pflegekinder voll und ganz ins Familienleben ein. Dies auch in dem Wissen, das alles darauf angelegt ist, das Kind wieder in die eigene Familie zurückzuführen, wenn es die Bedingungen erlauben. Kürzlich war Ute Schulz dies mit einer zwölfjährigen Pflegetochter fast gelungen. "Es ist ein schwieriger, langsamer Prozess", sagt sie. Es beginnt mit der Verlängerung der Besuchszeiten und mündet in längeren Versuchsphasen.

Kontakt bleibt meist erhalten

Ihren größeren Pflegesohn will sie noch so lange betreuen, bis er auch entweder in seine Familie zurückkehren kann oder selbstständig ist. Dies bedeutet für sie aber auch, dass sie über das Rentenalter hinaus arbeiten wird.

Gehen die Kinder aus dem Haus, bleibt meist der Kontakt erhalten. "So weit es die Kinder selbst wollen, ist das auch schön", sagt Ute Schulz. Es sei auch Anerkennung für die eigene Arbeit. Und doch, das spürt sie immer wieder, besteht zwischen ihr und den Kindern nicht dieses einzigartige Band, das man zur eigenen Mutter hat.

Muttertag

Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert. In vielen Ländern wird er am zweiten Sonntag im Mai begangen. In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten "Ehret die Mutter" in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. In der DDR wurde der Muttertag offiziell nicht begangen, stattdessen der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert. Muttertag wurde trotzdem begangen - auch wenn das mit den Blumen nicht so leicht war.⇥ulg

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG