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Rudolf mit Arsen vergiftet
Stehende Ovationen in Rathenow für Theater Zeitlos e.V.

Cäcilie Heckendorf (Karin Reimann) vergiftet Rudolfs Likör mit Arsen.
Cäcilie Heckendorf (Karin Reimann) vergiftet Rudolfs Likör mit Arsen. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 18.03.2020, 11:07 Uhr
Rathenow Ausverkauft war die Premiere von "Fisch zu viert" im Rathenower Kulturzentrum, als das in Corona-Zeiten noch möglich war. Der Theater Zeitlos e.V. hatte die märkische Komödie  mit viel Krimi-Spannung und einigen amüsanten Verwicklungen am Frauentag auf die Bühne gebracht.

Das Stück spielt im Jahr 1838, im Landhaus der Familie Heckendorf in Neuruppin. Die drei nicht mehr ganz jungen Schwestern Charlotte (Dagmar Lankau), Clementine (Daris Schacht) und Cäcilie Heckendorf (Karin Reimann) verbringen dort ihren Sommerurlaub mit ihrem Diener Rudolf (Ronny Greisner). Doch die Idylle trügt. Nach 30 Jahren möchte Rudolf nun seinen Dienst quittieren und seinen Lebensabend mit einer wohlverdienten Weltreise krönen.

Um das nötige Kleingeld bittet er jede der drei Schwestern. Diese hatten ihm während ihrer heimlichen gemeinsamen intimen Stunden bereits einen Erbanteil versprochen, und so hofft Rudolf nun auf einen Vorschuss. Statt ihn auszuzahlen, planen die Schwestern jedoch unabhängig voneinander ihren einstigen Liebhaber aus dem Weg zu räumen. Sie vergiften den nur für Rudolf reservierten Likör mit Arsen.

Es kommt es zu einigen amüsanten Verwicklungen, da auch ein vorzeitiges Ableben der drei Damen nicht ungelegen gekommen wäre. Bei der Zubereitung eines Fisch-Gerichts verwendete der kochende Diener einen verdorbenen Hecht.

Die vier Schauspieler stellten ihre Rollen mit viel Liebe zum Detail dar. Ihre Spielfreude und der Humor des Stückes übertrugen sich von Beginn an auf das Publikum, das sich während der 85-minütigen Vorstellung vortrefflich amüsierte. Dazu trug auch das verblüffende und bitter-komische Finale bei. Die drei Schwestern sterben am verdorbenen Gericht – gleichzeitig mit Diener Rudolf, der das Arsen durch Puderzucker austauschte, aber nicht damit rechnete, dass Clementine noch eine stille "Reserve" hatte.

"Uns fällt ein Stein vom Herzen. Wir haben ein Jahr lang jede Woche dafür geprobt", so Doris Schacht erleichtert, nach dem letzten Vorhang bei stehenden Ovationen und vielen Blumengeschenken für die vier Darsteller. "Es ist toll, dass das Stück bei den Zuschauern so gut ankam", ergänzte Regisseurin Carolin Brunow. Der Applaus galt auch Souffleuse Christa Hildebrand, die den Prolog und Epilog auf der Bühne sprach sowie den Bühnenrequisiteuren Klaus Reimann und Karl-Heinz Schacht.

"Fisch zu Viert" basiert auf dem 1969 entstandenen Hörspiel des erfolgreichen Berliner Drehbuchautors, Schriftstellers und Regisseurs Wolfgang Kohlhaase. 1970 verfilmte das DDR-Fernsehen das Stück.

Sofern nicht Corona dazwischen grätscht, nimmt der in Rathenow ansässige Theater Zeitlos e.V. mit "Fisch zu Viert" an den diesjährigen brandenburgischen Amateurtheatertagen in Potsdam teil. Diese sollen zu Himmelfahrt im Mai stattfinden. Möglicherweise erfolgt eine weitere Aufführung im Herbst in Rathenow.

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