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Corona
Gesundheitsamt Märkisch-Oderland in der Pflicht

Anett Zimmermann / 25.04.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 25.04.2020, 16:49
Seelow (MOZ) Steffen Hampel ist Amtsarzt in Märkisch-Oderland und als Einsatzleiter im Rampenlicht der Corona-Krise. Er mahnt zur Vorsicht.

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Was das bedeutet, habe die Wissenschaftsjournalistin und TV-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim Anfang April in einem Video auf ihrem Kanal maiLab gut erklärt. "Es ist immer noch sehenswert", sagt Hampel und fügt hinzu: "Wenn es uns gelingt, die Einzelfälle zu erkennen und zu isolieren, können wir die neuartige Lungenkrankheit eine ganze Weile deckeln." Das sei zwar aufwendig, aber in diesem Falle würde die Theorie auch in der Praxis funktionieren.

Hampels Büro ist hell und aufgeräumt, strahlt Ruhe aus. Wie der 61-Jährige selbst. Auf dem Beratungstisch liegt eine Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Unter dem Titel "Plötzlich im Rampenlicht" geht dieser der Frage nach, ob Gesundheitsämter, die lange ein Schattendasein führten, die aktuelle Situation managen können. "Natürlich", sagt Hampel. "Die Gesundheitsämter koordinieren ja die Maßnahmen vor Ort, treffen mit niedergelassenen Medizinern, Rettungsstellen, Kliniken, Polizei und Rettungswesen die notwendigen Entscheidungen", macht er deutlich. Und wünscht sich auch als Vorsitzender des Verbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes der Länder Brandenburg und Berlin vor allem mehr Unterstützung, weil viele der Gesundheitsämter an ihren Grenzen arbeiten. Nicht erst seit der Corona-Krise. Auch der berufliche Nachwuchs fehlt. Deshalb gelte es, den öffentlichen Gesundheitsdienst nachhaltig zu stärken, sagt Hampel. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe zu Wochenbeginn zwar einen Zehn-Punkte-Plan angekündigt. Aber der läge noch nicht im Detail vor.

Wie Märkisch-Oderland aktuell dasteht? "Gut", sagt der Amtsarzt. Die Zahl der Neuerkrankungen und Verdachtsfälle wachse in einem überschaubaren Rahmen. Vor allem die Zahl der Genesenen steige deutlich. Wenn diese Entwicklung anhält, seien auch weitere Lockerungen der Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus denkbar. "Aber nur Schritt für Schritt", mahnt der Amtsarzt. "Wir machen Evalua­tion unter Realbedingungen. Da brauchen wir Zeit zwischen den einzelnen Entscheidungen." Noch immer werde das Virus aber unterschätzt.

Hampel verweist auf die Situa­tion Mitte März, als die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle in Märkisch-Oderland plötzlich anstieg, der Kreis sogar an der Spitze im Landesvergleich stand. Ausgangspunkt seien fünf Feiern, darunter Geburtstage und zum Frauentag, im Norden mit Gästen auch aus dem Barnim gewesen. Dabei habe sich ebenfalls medizinisches Personal angesteckt.

Für dieses sei im Dienst vor allem die persönliche Schutzausrüstung wichtig, so der Amtsarzt. "Da müssen die Einrichtungen sehr konsequent sein", sagt er. Mitarbeiter von Pflegeheimen bräuchten zudem oft einen sechsten Sinn, denn Bewohner könnten Symptome häufig nicht beschreiben. Zum Glück habe es aus Pflegeheimen in Märkisch-Oderland bisher aber nur Fehlalarme gegeben, so Steffen Hampel.

Gute Zusammenarbeit

Als genesen gelte, wer nach überstandener Krankheit weitere 48 Stunden ohne Symptome ist. Solange es keinen gesicherten Antikörpertest mittels Blutprobe gibt, könne aber die Frage, wer danach eine Immunität erworben hat, nicht beantwortet werden. Ein klassischer Pandemieplan gehe übrigens zum Beispiel davon aus, dass ein Impfstoff vorhanden ist. Der fehle bei Covid-19 bisher ebenso wie ein wirksames Medikament. "Wir müssen also die Balance finden, dass die Krankenhäuser nicht unter Volllast fahren", sagt Steffen Hampel und hebt die gute Zusammenarbeit der drei Träger auch mit Rettungsdienst, Leitender Notärztin und Leitstelle positiv hervor. Planbare Operationen, so sei man sich einig, sollten ab Mai langsam wieder hochgefahren werden.

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