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Corona-Krise
Stammgäste des Schwedter "Splitters" versuchen Rettung vor Insolvenz

Kneipen-Solidarität: Die Stammgäste Thomas Hüfner, Andreas Keller und Kerstin Teichert (von links) wollen, dass das Leben wieder in die Innenstadt zurückkehrt.
Kneipen-Solidarität: Die Stammgäste Thomas Hüfner, Andreas Keller und Kerstin Teichert (von links) wollen, dass das Leben wieder in die Innenstadt zurückkehrt. © Foto: Dietmar Rietz
Dietmar Rietz / 04.05.2020, 17:28 Uhr - Aktualisiert 04.05.2020, 20:29
Schwedt (MOZ) Immer wieder sonnabends zeigen sich die Stammgäste der Schwedter Kiez-Kneipe "Zum Splitter" in Corona-Zeiten solidarisch mit Gastwirtin Gabriele Höppner. Am Sonnabend hatten Thomas Hüfner, Andreas Keller, Kerstin Teichert und Uwe Krüger Stühle, Schirm und Tisch vor der geschlossenen Kneipe aufgestellt, Kaffee und Bier getrunken, zur Gitarre gesungen.

"Wir haben Sehnsucht nach unserer Stammkneipe", erklärt Hüfner den Auftritt vor der geschlossenen Kneipe. Keller sagt: "Viele Gaststätten sorgen sich derzeit um ihre Existenz. Wir wollen, dass das Leben wieder in die Innenstadt zurückkehrt."

Der "Splitter"  ist vielleicht die letzte echte Kneipe in Schwedt. Hier triffst du Leute, die du kennst, Arbeiter und Arbeitslose, Politiker und Professoren, Musiker und Maler. Du bist gleich mit jedem per Du. Man redet sich heiß und spricht sich von der Seele, was einem die Laune vergällt. Die Politik, der Fußball, die Welt. Hier sind selten alle einer Meinung, aber sie leben trotzdem in Frieden. Das ist für sie wie Familie. Im "Splitter" wird an guten Tagen Skat gedroschen, getanzt, Frauentag, Fasching und Silvester gefeiert. Der Splitter-Sparverein geht gemeinsam bowlen. Die Stammgäste machen gemeinsam Ausflüge. Die Wirtin ist hier Mädchen für alles. Sie backt, kocht und zapft Bier, ist Kummerkasten und Stimmungskanone. Ihr Ehemann hilft, wo er kann. Beide sind ein eingespieltes Team.

Kurz vor Nervenzusammenbruch

Gabriele Höppner hat jetzt schwere Sorgen. Seit dem 13. März ist ihre Kneipe zu. Am 2. Mai hatte sie noch kein Geld, obwohl schon zweimal beantragt. Jetzt wird noch die Steuer fällig. Selbst wenn eine Wiedereröffnung nach strengen Corona-Regeln verordnet würde, es nützt ihr herzlich wenig: zu wenig Platz im Gastraum, um die Abstände einzuhalten, Außer-Haus-Verkauf funktioniert hier auch nicht. "Ich stehe kurz vor dem Nervenzusammenbruch", sagt die Wirtin. "Wir haben unseren Dispo längst überzogen. Ein Fass Bier ist schon schlecht geworden. Sechs weitere halten nur noch bis Juni. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter."

An einem Freitag, dem 13., hatte Gabriele Höppner ihre Kneipe eröffnet. Lange hielt sie das für ein gutes Omen. Bis heute hat sie den "Splitter" 28 Jahre am Leben gehalten – in guten und in schlechten Zeiten.

Bis 30 wollte sie es schaffen. "Aber wenn wir in vier Wochen noch kein Geld bekommen oder verdienen, muss ich Insolvenz anmelden."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

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