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Bilanz
Fontanes Pflanzen locken Touristen an

Sind sehr zufrieden: Alexander Bandilla und Jutta Sand zogen eine positive Bilanz über das erste Jahr des neuen Angebots "Fontanes Pflanzen".
Sind sehr zufrieden: Alexander Bandilla und Jutta Sand zogen eine positive Bilanz über das erste Jahr des neuen Angebots "Fontanes Pflanzen". © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 28.10.2019, 08:30 Uhr
Neuruppin Der Neuruppiner Tempelgarten ist bei Touristen sehr beliebt. Seit Januar verzeichnete der Verein Tempelgarten Neuruppin gut 13 000 Besucher. Jutta Sand vom Vereinsvorstand zog am Sonntagnachmittag Bilanz über das neueste Angebot. Dabei handelt es sich um die Führungen unter dem Titel "Fontanes Pflanzen".

Zehnmal hatte der Schauspieler und Fontane-Kenner Alexander Bandilla das Publikum jeweils anderthalb Stunden lang durch den in seiner heutigen Form von der Kaufmannsfamilie Gentz angelegten kleinen Park geführt. Mehr als 300  Besucher nahmen an der Reise durch den Park und durch Theodor Fontanes Literatur teil.

Konzipiert wurden die Tour sowie der auch weiterhin kostenfrei erhältliche Flyer "Fontanes Pflanzen" von Klaus-Peter Möller vom Theodor-Fontane-Archiv. Bandilla freute sich kurz vor dem Start seiner vorerst letzten Tour am Sonntag. Manche Besucher seien extra wegen der Führung bis aus Süddeutschland nach Neuruppin gekommen, darunter auch Apotheker und Ärzte. In einer Zeit, da man Jugendliche bei den meisten Veranstaltungen vergebens suche, sei besonders hervorzuheben, dass sich unter den an Fontanes Pflanzen Interessierten auch viele junge Menschen im Alter um die 20 befunden hätten. Es habe sich wohl teilweise um auch fachlich interessierte Studenten entsprechender Richtungen gehandelt.

Neuer Blick auf Romancier

Etliche Besucher hätten ihm im Anschluss an die jeweilige Führung gesagt, dass sie nun den großen Romancier mit ganz neuen Augen sähen. Dass der Apotheker Fontane viele Pflanzenbeschreibungen ganz bewusst ins Spiel brachte, sei für sie neu gewesen. Kein Wunder, welcher Nicht-Fachmann weiß schon, dass sich Wasserliesch und Aloe, wie sie auf dem Anwesen Dubslavs von Stechlin in "Der Stechlin" einträchtig und dicht beieinander gediehen, im wahren Leben niemals vertragen hätten. Beide wären eingegangen. Bandilla erläuterte: "Die Menschen damals kannten sich noch besser mit den Pflanzen aus. Sie wussten, dass Fontane mehr meinte. In diesem Fall stand das  unverträgliche Duo für den alten Feudalherren und das damals Neue. Es gab bereits im Reichstag die SPD."

Zweimal pro Woche habe der Vereinsvorstand in den zurückliegenden Monaten die 33 Kübelpflanzen nach den Vorgaben des Landschaftsarchitekten Markus Thelen, selbst Vorstandsmitglied, gewässert, berichtete Sand. In Kürze kommen die meisten Kübel bei einem Gartenbaubetrieb ins Gewächshaus. 4 000 Euro kostet die Überwinterung. Der Verein ist noch auf der Suche nach Sponsoren. Soll es doch die Führung "Fontanes Pflanzen" auch in den Folgejahren geben. Ursprünglich war sie nur für das Jubeljahr "fontane.200" gedacht. Doch der große Erfolg spreche für sich, schätzte Sand ein.

Auf der Suche ist der Verein auch nach weiteren Mitgliedern. Derzeit sind es 85 Frauen und Männer, die sich der Pflege des Gartens und dem Angebot von dortigen Kulturveranstaltungen verschrieben haben. Der Altersdurchschnitt liege inzwischen deutlich über 60 Jahre, berichtete Sand. Benötigt werden vor allem junge Menschen, die sich auch in 20 oder 30 Jahren noch darum kümmern können, dass die Anlage so schön bleibt, wie sie heute durch das Engagement des Vereins wieder ist.

Tempelgarten Neuruppin

Gegründet wurde der Tempelgarten Neuruppin 1732 durch Kronprinz Friedrich, den späteren Friedrich II., König von Preußen, der damals Regimentskommandeur in Neuruppin war. Der noch heute, allerdings in veränderter Form, vorhandene namensgebende Apollo-Tempel stammt aus dem Jahr 1735. Er ist ein Frühwerk des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.

Im "Amalthea-Garten", wie Friedrich die Anlage nannte, ließ er zunächst Obst und Gemüse anbauen.

Sein heutiges Aussehen erhielt der Garten durch die Kaufmannsfamilie Gentz, die ihn ab 1853 wieder herrichtete, um ihn der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Der Architekt Carl von Diebitsch schuf die maurischen Strukturen, teilweise nach Entwürfen von Alexander Gentz. 1995 gründete sich der Tempelgarten-Verein, dessen Ziele Erhalt und Wiederaufbau der Anlage nach dem historischen Vorbild sind. ⇥hr

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