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Spur im Auto-Kofferraum
Rebeccas Schwager in U-Haft - Suche nach Leiche geht weiter

Von Andreas Rabenstein, dpa / 05.03.2019, 19:06 Uhr - Aktualisiert 05.03.2019, 19:12
Berlin (dpa) Die 15-jährige Rebecca aus Berlin ist immer noch nicht gefunden - aber die Polizei hält sie inzwischen für tot und hat sich bei ihren Ermittlungen auf einen Hauptverdächtigen festgelegt. Die Beweislage gegen den Schwager des Mädchens habe sich verdichtet.

Am Montagabend nahm die Kriminalpolizei den 27-jährigen Deutschen zum zweiten Mal fest. Ein zweiter Ermittlungsrichter ordnete am Dienstag Untersuchungshaft an. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll die Polizei im Kofferraum des Autos der Familie Haare von Rebecca und Faserspuren der Decke gefunden haben, die mit dem Mädchen verschwand.

Außerdem soll es Unstimmigkeiten bei Angaben des Schwagers zum 18. Februar, dem Tag des Verschwindens von Rebecca, geben. Nach dem Zeitungsbericht soll er an dem frühen Morgen Chat-Nachrichten geschrieben und empfangen haben, als er nach seinen Angaben angeblich schon schlief.

Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich nicht zu den möglichen Indizien gegen den Schwager, weil die Veröffentlichung von Informationen die Ermittlungen der Mordkommission stören und erschweren könnten. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich mitgeteilt, der Haftbefehl vom Montag sei ausgestellt wegen des "dringenden Tatverdachts des Totschlags".

Von einem Mordvorwurf sei vor allem deswegen derzeit nicht die Rede, weil noch keine Leiche gefunden worden sei und die Polizei nichts über die Todesursache wisse, sagte die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, Mona Lorenz. Für Verurteilungen wegen Mordes müssen juristisch bestimmte Merkmale wie Grausamkeit oder Heimtücke vorliegen.

Der Verdächtige schweige zu den Vorwürfen, sagte Lorenz. Nach Zeitungsberichten hatte er der Polizei gesagt, er habe nichts mit dem Verschwinden Rebeccas zu tun. Eine weitere Schwester sagte der Zeitung "B.Z." nach der Verhaftung am Montagabend: "Wir als Familie stehen nach wie vor hinter ihm. Wir halten zusammen. Die Beweislage hat sich ja nicht geändert."

Die Suche nach der vermissten Rebecca oder ihrer Leiche ging unterdessen rund um den Stadtteil Britz am südlichen Stadtrand von Berlin mit Hochdruck weiter. "Die oberste Priorität ist es, Rebecca zu finden", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es gebe eine Menge Anhaltspunkte, aber dazu könne man aus ermittlungstaktischen Gründen nichts mitteilen.

Die Mordkommission hofft natürlich, die Leiche zu finden, um mögliche Hinweise zum Täter zu sichern, etwa DNA-Spuren, Haare oder Fingerabdrücke. Umso länger eine Leiche im Freien oder im Wasser liegt, desto schwieriger wird die Arbeit der Spurensicherung.

Die Polizei hatte bereits in den vergangenen zwei Wochen Suchhunde und einen Hubschrauber losgeschickt sowie Fotos veröffentlicht. Eine Schwester Rebeccas hatte über mehrere Internetportale unter dem Hashtag "findbecci" Aufrufe und Bitten um Hilfe veröffentlicht. 348 Hinweise gingen bei der Polizei ein - bislang ohne Ergebnis.

Rebecca hatte in der Nacht zum 18. Februar in dem Einfamilienhaus der Familie ihrer Schwester in einer ruhigen Wohngegend übernachtet. In der Nacht oder am Morgen verschwand sie. Kurz darauf wurde ihr Handy dauerhaft abgeschaltet. Spekuliert wurde, dass die Jugendliche sich mit jemanden treffen wollte. Wobei rätselhaft blieb, warum das am frühen Morgen hätte sein können.

Der Mann von Rebeccas Schwester soll ausgesagt haben, dass er am Morgen des 18. Februar, einem Montag, um 5.45 Uhr von seiner Arbeit als Koch und einer anschließenden Feier mit Kollegen nach Hause gekommen sei. Gegen 7.00 Uhr soll Rebeccas Schwester mit ihrem Kind das Haus verlassen haben.

Der Mann wurde ebenso wie andere Familienmitglieder mehrfach von der Polizei befragt. Nach seiner ersten Festnahme am vergangenen Donnerstagabend durchsuchte die Kriminalpolizei am Freitag das Haus, den Garten, die Garage und auch das Auto. Eine erste Durchsuchung hatte es laut Polizei bereits vorher gegeben. Noch am Freitag musste die Polizei ihn aber wieder freilassen, weil der Ermittlungsrichter die Beweislage für zu dünn hielt.

Der zweite Richter entschied nun auf der gleichen Grundlage anders und sah einen dringenden Verdacht. Überführt ist der Verdächtige damit noch lange nicht. Ein paar Haare und Fasern einer Decke in einem von mehreren Menschen genutzten Familienauto dürften für einen Indizienprozess kaum ausreichen. Der Druck auf die Polizei bei der Suche nach Rebecca oder ihrer Leiche hält an.

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Notfälle Mona Lorenz Kriminalität Britz Rebecca

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