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Vor 50 Jahren feierten Friedhelm Hölzer und Ilona Kramer in Wölsickendorf den Übergang in Erwachsenenleben. Heute erinnern sie sich.

Jugendweihe
Friseur legt Sonderschicht ein

Steffen Göttmann / 13.04.2019, 09:00 Uhr
Wölsickendorrf (MOZ) Wir waren damals zehn Jungen und fünf Mädchen aus Wölsickendorf und Wollenberg und besuchten die Schule in Tiefensee", erinnert sich Friedhelm Hölzer (64) an seine Jugendweihe im großen Saal des Gutshauses Wölsickendorf. Mit Ilona Kramer zählte er zu den jüngsten Teilnehmern der Feier am 26. April 1969. Dass er zu dem Treffen am Freitagvormittag auch Horst "Hotti" Wolf (86) aus Bad Freienwalde bat, hat eine besondere Bewandtnis.

Der damalige Vorsitzende der PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) "Charmant", schnitt allen männlichen Jugendweihe-Teilnehmern die Haare. Dafür kam er sogar einen Tag vorher raus nach Wölsickendorf. "Dort gab für mich immer gutes Essen", sagt Hotti Wolf lachend. Als Vorsitzender habe er nicht mehr mit Schere und Kamm gearbeitet. Für die Wölsickendorfer machte er eine Ausnahme. Der Mädchen nahm sich die Friseurin Gertrud Klosek an, so Ilona Kramer.

"Wir hatten im Gutshaus eine Arzt-, eine Zahnarztpraxis und einen Friseurraum", berichtet Hölzer. Normalerweise war der Friseurraum einmal pro Woche geöffnet. Doch anlässlich der Jugendweihe gab es eine Sonderschicht. "Wir hatten damals über 100 Mitarbeiter", berichtet Hotti Wolf über die Friseur-PGH, die 1963 gegründet wurde und deren Filialnetz vom Kreis Bad Freienwalde bis in den Bernauer Raum reichte. Fast jedes Dorf hatte solch einen Friseurraum.

"Unser Festredner war Dr Döhl", erinnert sich Hölzer. Der große Mann mit dem Bart hinten überragt auf dem alten Gruppenbild die Jungen. Er sei Direktor des VEB Entenmast Seddin mit Sitz Wriezen gewesen. Als Geschenk gab es das Buch "Weltall, Erde, Mensch". "Das hat jeder Jugendliche in der DDR bekommen", so Hölzer.

Die Jugendweihe endete mit einem Kater. "Ich war ziemlich betrunken", erzählt Hölzer. Damals wie heute habe man nach der öffentlichen Feierstunde in der Familie gefeiert. Am Abend besuchten sich die Jugendweihlinge auf dem Dorf gegenseitig, um zu gratulieren und den Übergang ins Erwachsenenleben zu begießen. Das erste Bier blieb nicht allein und es gesellten sich noch mehr hinzu. Friedhelm Hölzers bester Kumpel war Bernd Kunkel, der den Namen seiner Frau annahm, heute Bernd Eccarius heißt und Museumsleiter in Bernau ist,

"Hotti Wolf hat mich außerdem mit dem Fußballvirus infiziert", so Hölzer. "Wenn wir bei ihm unter der Schere saßen, sprach er immer über Fußball." Wolf war Sektionsleiter Fußball beim SV Jahn Bad Freienwalde. Außerdem war er der oberste Schiedsrichter der Region und pfiff bis in die DDR-Liga, die sich mit der zweiten Bundesliga vergleichen lässt. Hölzer und seine Freunde spielten Fußball in der 1967 gegründeten Sportgemeinschaft (SG) Wölsickendorf.

Wie viele aus dem Dorf arbeitete Hölzer in der Landwirtschaft. Im VEGZ Neuenhagen bei Berlin habe er Tierzucht gelernt. Nach der Armee ging er zur LPG Tierzucht Höhe Wölsickendorf, deren Vorsitzender er bis zur Liquidation 1992 war. Ilona Kramer sei Tierpflegerin im Betrieb gewesen. So kreuzten sich ihre Wege wieder. Hölzer machte sich mit einer eigenen Firma selbstständig. Dem Nachfolgebetrieb der PGH ist er treu geblieben und lässt sich dort die Haare schneiden.

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Schlagwörter

Sonderschicht Friedhelm Hölzer Friseur Bernd Kunkel Fußball

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