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Denkmal Antifaschistischer Widerstand am Luxemburg-Berg war nicht unumstritten

Konkurrenz ums Gedenken

Denkmal am grünen Hang: Vor dem Karl-Liebknecht-Gymnasium an der Rosa-Luxemburg-Straße befindet sich das vom Künslter Arnd Wittig geschaffene ungewöhnliche Monument "Antifaschistischer Widerstand".
Denkmal am grünen Hang: Vor dem Karl-Liebknecht-Gymnasium an der Rosa-Luxemburg-Straße befindet sich das vom Künslter Arnd Wittig geschaffene ungewöhnliche Monument "Antifaschistischer Widerstand". © Foto: Rita Aldenhoff-Hübinger
Rita Aldenhoff-Hübinger / 24.07.2017, 06:37 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Auf die Suche nach "Spuren der DDR" gehen die Historiker Rita Aldenhoff-Hübinger und Nicolas Offenstadt gemeinsam mit Viadrina-Studenten. Unter dem gleichen Titel veröffentlichen sie im Stadtboten ihre Erkenntnisse. Die heute erscheinende letzte Folge der Serie widmet sich dem ungewöhnlichen Denkmal "Antifaschistischer Widerstand".

Man nimmt es kaum wahr im Vorbeifahren: das Denkmal "Antifaschistischer Widerstand" von Arnd Wittig (1921-1999) aus dem Jahre 1985. Fast verborgen hinter Bäumen liegt es am grünen Hang vor dem Karl-Liebknecht-Gymnasium an der Rosa-Luxemburg-Straße. Die vier Figuren aus Stein stellen eine Frau dar, die sich über einen Toten beugt. Gestaltung und Art der Haltung, mit Umhang und halb verborgenem Gesicht, erinnern an die trauernde Mutter in der berühmten Plastik von Käthe Kollwitz. Doch hier steht daneben ein Paar: ein Mann, den Arm schützend um eine Frau gelegt; sie lassen sich nicht von Terror und Schmerz beugen, ihre Haltung ist aufrecht. Der Sockel trägt die Inschrift: "Den Opfern des Faschismus gewidmet 1933-1945". Das Denkmal war umstritten, denn es gab bereits ein älteres Mahnmal und einen konkurrierenden Entwurf.

Bereits 1949 wurde im südlichen Teil des Lennéparks ein Mahnmal "Opfer des Faschismus" errichtet. Betrachtet man ältere Bilder dieses so kurz nach Kriegsende geschaffenen Denkmals, bemerkt man die ganze Ernsthaftigkeit und Last dieser Zeit. Der Grundriss war dreieckig, auf den beiden Elementen aus Sandstein mit Opferschale befanden sich zwei Inschriften: "Die Toten mahnen die Lebenden" sowie eine weitere, wiederum in einem Dreieck, "Den toten Opfern" zwischen 1933 und 1945. Das Dreieck war gewählt worden, weil es in unterschiedlichen Farben von den Gefangenen in den Konzentrationslagern zur Kennzeichnung an der Kleidung getragen werden musste. Der "rote Winkel" (rotes Dreieck) zur Kennzeichnung politischer Gefangener war auch das Zeichen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Die VVN, die zunehmend unter den Druck des neuen Regimes geriet, initiierte in vielen deutschen Städten Gedenkstätten. Regelmäßig fanden in Frankfurt nicht nur offizielle Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt, am 8. Mai, dem "Tag der Befreiung" und am 9. September, dem "Tag der Opfer des Faschismus". Seit Beginn der 1980er Jahre legten hier auch Brautpaare Blumensträuße nieder. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Entschluss des Rats der Stadt Ende der 1970er Jahre, ein neues Mahnmal zu schaffen und das alte danach abzubauen, bei vielen Frankfurtern auf Befremden stieß.

Zunächst war vorgesehen, für das neue Denkmal Wieland Förster zu beauftragen. Das von ihm geschaffene "Große Martyrium" galt aber als ungeeignet für die neue Anlage an der Rosa-Luxemburg-Straße.  Den beteiligten Entscheidungsträgern erschienen die ineinander übergehenden, gemarterten Körper als zu wenig figürlich, als zu abstrakt und zu selbstbezogen - vielleicht auch als zu wenig geeignet für offizielle Anlässe und Kundgebungen? Wieland Försters Werk jedenfalls wurde erst 1995 in Frankfurt aufgestellt, wo es noch bis vor Kurzem an der südöstlichen Ecke der Konzerthalle zu sehen war. Das Mahnmal für die Anlage an der Rosa-Luxemburg-Straße schuf stattdessen Arnd Wittig. Auch er gehörte zu den renommierten Künstlern, die Frankfurt eng verbunden waren. Zwischen 1967 und 1971 hatte er, bevor er nach Schwedt ging, hier gelebt und an der Gestaltung des Karl-Marx-Denkmals von 1968 mitgewirkt.

Auch bei dieser Gelegenheit arbeitete er schon mit dem damaligen Frankfurter Stadtarchitekten Manfred Vogler zusammen. Daran wurde wieder angeknüpft. Das Mahnmal sollte, so der Oberbürgermeister Fritz Krause zur Einweihung im Mai 1986, ganz im Einklang mit der offiziellen Linie, die Überlebenden des antifaschistischen Kampfes ehren, der Opfer gedenken und eine Mahnung und Verpflichtung an die lebenden und kommenden Generationen sein. So wichtig wie die Auswahl des Künstlers war die Auswahl des Standorts, wie sich Manfred Vogler erinnert. Das Denkmal sollte nicht in dem ruhigen Stadtpark stehen, sondern in das geschäftige Leben der Stadt integriert werden. Die Lage an der Straße, die zur Grenze, der "Oder-Neiße-Friedensgrenze", nach Polen führt, wurde bewusst gewählt als Zeichen der Verbundenheit.

Auch sprach für den Standort, dass er den auf der Anhöhe liegenden Neubauvierteln, die als "Stadtkrone" konzipiert waren, vorgelagert war. Der Bogen zur jüngeren Generation wurde geschlagen dadurch, dass sich unmittelbar hinter der neuen Anlage das Lehrerbildungsinstitut befand, das heutige Karl-Liebknecht-Gymnasium. Die Anlage war somit Bestandteil einer neuen, weitausgreifenden städtischen Raumplanung.

Es ist zu bedauern, dass das frühe Mahnmal von 1949 nicht mehr existiert. Das schmälert aber nicht den künstlerischen Wert des heutigen Denkmals und der gestalterischen Kraft, die in der gesamten Anlage steckt. Mit anderen Worten: es lohnt sich, an dieser Stelle demnächst den Fuß vom Gaspedal zu nehmen oder sogar ganz zu Fuß zu gehen!

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