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Margarete Mühlbach hat die Insignie des Oberbürgermeisters vor mehr als 30 Jahren angefertigt

OB-Wahl
Die mächtigste Kette der Stadt

Die Amtskette liegt bereit: Constanze Rehfeld, Referentin im Büro des amtierenden Oberbürgermeisters Martin Wilke, hat sie aus dem Schrank geholt.
Die Amtskette liegt bereit: Constanze Rehfeld, Referentin im Büro des amtierenden Oberbürgermeisters Martin Wilke, hat sie aus dem Schrank geholt. © Foto: Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 02.03.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 03.03.2018, 09:05
Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie wird in einer Schatulle aufbewahrt und nur zu feierlichen Anlässen aus dem Schrank geholt – die Amtskette des Oberbürgermeisters, der am Sonntag neu gewählt wird. Goldschmiedemeisterin Margarete Mühlbach hat die Insignie städtischer Würde vor mehr als 30 Jahren angefertigt.

Am 9. November 1988, dem 50. Jahrestag der Pogromnacht, enthüllte Oberbürgermeister Fritz Krause vor dem Hotel Stadt Frankfurt einen Gedenkstein. Er erinnert seitdem an die ehemalige Synagoge und die während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgte jüdische Bevölkerung. An jenem Tag trug Fritz Krause seine Amtskette erstmals öffentlich. Rückblickend hätte es wohl kaum einen würdigeren Anlass geben können. Der OB freute sich damals im Interview mit dem „Neuen Tag“ über die „der Stadt geltende Ehrung“, wenngleich er betonte: „Es bedarf keiner Kette, um mich in die Pflicht zu nehmen...“

Den handgeschriebenen Auftrag für das Schmuckstück bewahrt Margarete Mühlbach noch heute in einem Aktenordner auf. Im Februar 1985 war sie vom Zentrum für künstlerische Werkstätten und bildende Künste des Bezirkes Frankfurt (Oder) mit der Fertigung der Kette sowie eines Siegelringes betraut worden. Zwar muss laut Stadtarchivar Ralf-Rüdiger Targiel bereits zu früheren Frankfurter Zeiten eine solche Insignie existiert haben, „doch diese ist irgendwann verloren gegangen“.

Die gebürtige Erfurterin kam 1970 nach ihrer Ausbildung nach Frankfurt. Ab 1977 führte sie in der August-Bebel-Straße einen planwirtschaftlich ausgerichteten Handwerksbetrieb, ab 1982 war sie freiberuflich tätig. „Das Handwerkliche und Kreative gefielen mir schon immer gut, deshalb habe ich mir den Beruf ausgesucht“, erklärt sie. Die Arbeit mit Edelmetallen sei in der DDR zwar stets auch eine Gratwanderung gewesen; nicht nur wegen des Materialmangels. Doch das schreckte sie nicht.  „Ich habe da ganz genau Buch geführt.“

Penibel rechnete sie auch die Arbeitsstunden für die Kette ab. 164 waren es allein für die 24 Glieder des leicht konisch geformten Silbercolliers, in das sie und ein Lehrling damals aufwändig Bögen einarbeiteten. „Sie stehen symbolisch für Frankfurt mit der Brücke und als Stadt am Fluss“, erläutert die Künstlerin. Als dazugehörige Elemente fertigte Margarete Mühlbach zwei Medaillen. Der größere Anhänger zeigt das Stadtwappen mit Hahn. In der zweiten, kleineren Medaille, die in das untere Glied der Kette eingefasst war, sollte das sozialistische Staatswesen zum Ausdruck kommen. „Ich entschied mich für die neutrale Friedenstaube“, erzählt sie. Fritz Krause habe das auch gut gefallen. Nicht jedoch Siegfried Sommer, dem Vorsitzenden des Rates des Bezirkes. „Die Taube war ihm nicht sozialistisch genug.“ Und so arbeitete sie das Element um. Umrahmt von zwei Tauben schmückten nun Hammer, Zirkel und Ährenkranz das Gehänge. Am 5. Mai 1988 – mehr als drei Jahre nach Auftragserteilung – übergab Siegfried Sommer dem OB die Kette. Ebenso den Siegelring mit Hahn, der heute im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

Allzu lang in Benutzung war die schmückende Amtstracht zunächst nicht. Mit der Wende verschwand sie im Panzerschrank des Frankfurter Rathauses. Erst 1998 wurde Margarete Mühlbach – die inzwischen Kurse im Mikado anbot –  damit beauftragt, die Kette ein weiteres Mal umzugestalten. Sie entfernte die Staatssymbole und arbeitete stattdessen weitere Brückenbögen ein. Aufbewahrt wird der mittlerweile vergoldete Schmuck seitdem in einer hölzernen, mit Samt ausgeschlagenen Schatulle.

Wer die Bürde und Würde des Amtes in den nächsten acht Jahren tragen wird? Darüber will Margarete Mühlbach nicht spekulieren. „Es wird spannend“, sagt die Goldschmiedin im Ruhestand nur. Wie es auch kommt: Sie hat der Stadt etwas Bleibendes hinterlassen, das über die Amtszeit des nächsten Stadtoberhauptes hinausreicht. „Das ist schon etwas Besonderes.“

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