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Internationale Funkausstellung (IFA)

Internationale Funkausstellung (IFA)

Hochauflösende Flachbildfernseher, neue Smartphone-Technologien oder kinderleicht bedienbare Tablet-PCs ...vom 31. August bis zum 5. September stellt die Internationale Funkausstellung (IFA) wieder Neuheiten aus der Unterhaltungselektronik vor.

© Foto: dpa

Smarte Geräte sammeln viele persönliche Informationen / IFA-Rundgang mit einer Datenschützerin

Je vernetzter, desto verwundbarer

Maria Neuendorff / 01.09.2017, 19:48 Uhr - Aktualisiert 01.09.2017, 20:19
Berlin (MOZ) Lautsprecher, die Stimmen erkennen, Apps, die das Haus überwachen, Zahnbürsten, die zur Mundspülung raten - smarte Geräte setzen die Trends auf der Internationalen Funkausstellung (IFA). Doch wie können Nutzer Informationen schützen? Rundgang mit einer Datenschützerin.

"Care Life" hat die chinesische Firma TCL ihren Stand überschrieben. Neben einem Kühlschrank, der seinen Inhalt scannt und gleich selbst online Lebensmittel bestellt, hängt eine smarte Klimaanlage. "Sie misst die Herzfrequenz und Körpertemperatur des Anwenders und reguliert sich danach", erklärt eine Messehostess stolz.

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"Wenn solche sensiblen Informationen gespeichert oder sogar weitergeleitet werden, braucht man dazu eigentlich eine schriftliche Einwilligung", sagt Meike Kamp kopfschüttelnd. Die Mitarbeiterin aus dem Büro der Berliner Datenschutzbeauftragten hat sich zu einem ganz besonderen Messe-Rundgang bereit erklärt. Statt größer, innovativer, schicker hat die 41-jährige Juristin am ersten Tag der weltgrößten Technikmesse nur ein Kriterium: die Sicherheit.

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Und so schieben wir uns durch die Hallen mit gebogenen Fernsehern, lebendigen Computerspielfiguren und Minirobotern, die zu "Freude schöner Götterfunken" tanzen, und bleiben am Stand von Philips hängen. Wer sich dort mit der neuen Sonicare DiamondClean Smart die Zähne putzt, kann sein Gebiss auf dem Smartphone sehen. Man soll erst aufhören, wenn nach und nach alle virtuellen Zähne weiß geworden sind, erklärt eine Art Animateur mit Mikro im Ohr. Über Sensoren macht die Bürste auch Karies-Stellen ausfindig und rät gegebenenfalls zu Zahnseide und Mundspülung.

"Interessante Informationen für die Zahnzusatzversicherung", findet Meike Kamp. Doch erst nach mehrmaligem Nachfragen bestätigt eine Konzern-Vertreterin, dass die Daten, die die schlaue Bürste braucht, nicht lokal beim Anwender bleiben, sondern in einer externen Datenwolke landen. "Sie werden aber nur von Philips genutzt", betont die Messefrau.

Aussagen, die schwer überprüft werden können, schon gar nicht vom einfachen Konsumenten. Und was ist erst mit Cyber-Kriminellen, die Konto-Daten beim Teleshopping mit dem Smart-TV abgreifen oder Bildschirm-Kameras als Spion missbrauchen? "TV-Geräte und Spielekonsolen, die zum Beispiel mit Bewegungserkennung arbeiten, sind ein Risiko", erklärt Meike Kamp. Eine Halle weiter werden sogar schon die ersten Drohnen per Gestik gesteuert.

Gerade Elektronik, die über Bluetooth oder Wlan mit der Außenwelt verbunden ist, sei gefährdet, manipuliert zu werden, weiß die studierte Juristin. "Je vernetzter, desto verwundbarer", heißt die Devise.

"Ja, das stimmt, die Geräte sind leicht zu hacken", gibt auch eine Mitarbeiterin von Panasonic zu. Hinter ihr an der Wand hängen Sensoren, die kaputte Scheiben, Wasserschäden und Bewegungen registrieren und auf das Handy senden. Die Daten bleiben hier allerdings lokal in der Kamera. "Der Wohnungsbesitzer kann dann selbst entscheiden, ob er sie nach einem Einbruch der Polizei gibt", erklärt die Messefrau.

Ganz anders bei Smartfrog. Das Berliner Start up hat ein handgroßes Gerät entwickelt, mit dem Handy-Besitzer ihre Wohnung überwachen können. Zur Beweissicherung würden die Daten extern, aber verschlüsselt, ähnlich wie beim Online-Banking, gespeichert. "Sonst könnten Einbrecher die Beweise ja mit der Kamera zerstören", erklärt Kommunikations-Managerin Caroline Pfanne.

"Wer den Schlüssel verwaltet, hat schon die Möglichkeit, sich die Aufnahmen anzuschauen", stellt Meike Kamp klar. Mittlerweile gebe es sogar Hacker, die sich einen Spaß daraus machten, Videos aus privaten Überwachungskameras ins Internet zu stellen.

Als letzte Station will die Datenschützerin unbedingt nochmal die Sprachassistenten unter die Lupe nehmen. Damit die digitalen Helfer auf eine bestimmte Ansprache wie "Alexa" reagieren und zum Beispiel das Licht oder die Musik anschalten, müssen sie die ganze Zeit die Lauscher angestellt haben. "Was passiert mit den Aufnahmen?", möchte die Datenschützerin am Stand von Amazon wissen. Eine Antwort gibt es erst nach dem Messebesuch per Telefon. "Die Aufnahmen werden in der Amazon-Web-Cloud gespeichert", erklärt Unternehmenssprecher Michael Wilmes. "Wir nutzen die Daten, um unsere Modelle zu verbessern." Über eine App könnten Kunden aber die Aufnahmen jederzeit anhören und löschen.

Dass Apps ihrerseits zu den typischen Datenkraken gehören, darüber informiert ein Forscherteam am Stand des Bundesbildungsministeriums. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres wollen sie einen Datenschutz-Scanner entwickelt haben, der Laien darüber aufklärt, welche Daten von welchen Apps eingesammelt werden. Dabei geht auch darum, die Phrasen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) zu entlarven, die für den Laien oftmals schwer zu verstehen sind.

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