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Es gibt Streit zwischen Stiftung und Fördergesellschaft: Zwar soll der Turm der Potsdamer Garnisonkirche wieder errichtet werden. Doch was wirklich gebaut werden soll, ist indes noch unklar.


© Foto: dapd

Projekt Garnisonkirche kurz vor Baustart

Ulrich Thiessen / 26.05.2017, 18:12 Uhr
Potsdam (MOZ) Der Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam ist immer noch umstritten - aber er nimmt jetzt konkrete Formen an. Die ersten Bauleistungen werden ausgeschrieben. Das Baufeld wird beräumt und die Pfähle für die Gründung des Turmes noch dieses Jahr in den Boden gerammt.

Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam schreibt die ersten Bauleistungen für die Wiedererrichtung des Turmes aus. Der Förderbescheid über 12 Millionen Euro aus dem Hause der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters, liege zwar noch nicht vor, sagte der Sprecher der Stiftung, Wieland Eschenburg, am Freitag. Allerdings sei die Zustimmung zu einem vorzeitigen Baustart eingetroffen.

Für rund 2,2 Millionen Euro werden europaweit Firmen gesucht, um die Baustelle einzurichten. Vorhandene Muster des Fassadenschmuckes müssen an einen anderen Standort geschafft werden, Strom- und Wasserzufuhr gesichert und der Bauzaun errichtet werden.

Außerdem wird ein Unternehmen gesucht, das 42 Betonpfähle 38 Meter tief in die Erde rammt. Auf ihnen soll der knapp 90 Meter hohe Turm gegründet werden. Die Fundamentreste des ursprünglichen, im Krieg beschädigten und zu DDR-Zeiten gesprengten Baus, können nicht wiederverwendet werden, so Eschenburg.

Der erste Bauabschnitt wird 26,1 Millionen Euro kosten. Er beinhaltet alle Nutzungsmöglichkeiten: Kapelle, Bibliothek, Versammlungsraum, Shop, Aufzug und Aussichtsplattform. Der barocke Fassadenschmuck und die Turmhaube sollen später folgen. Eschenburg betont, dass nie beabsichtigt gewesen sei, nur einen kahlen Betonturm zu errichten. Der Bau sollte jedoch jetzt beginnen, bevor die komplett Summe von 38 Millionen Euro erreicht wurde, weil in zwei Jahren die Baugenehmigung abläuft.

Die Stiftung bereitet zur Zeit den zweiten Spendenkatalog vor. Gesucht wird Geld für die Fenster oder die Schall-Lucken im Turm. Auch das Glockenspiel muss neu angefertigt werden.

Fünfzig Meter entfernt vom Grundstück der Kirche steht zwar ein Nachguss des originalen Glockenspiels, das der frühere Bundeswehroffizier Max Klaar mit der von ihm gegründeten Stiftung hatte errichten lassen. Da er das Konzept der evangelischen Kirche, im Turm ein Friedens- und Versöhnungszentrum zu errichten, ablehnte, schloss er eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Garnisonkirche aus.

Aus dem ersten Spendenkatalog gibt es bisher Zusagen für 99 der insgesamt 365 Stufen im Turm. Die mit dem Spendernamen versehenen Stufen kosten für die beiden unteren Treppenhäuser 2500 und für den Turm selbst 5000 Euro.

Derweil reißt die Kritik am der Wiedererrichtung des Turmes nicht ab. Die kirchennahe Martin-Niemöller-Stiftung bemängelte in dieser Woche, dass das Konzept personell und inhaltlich nicht für eine qualifizierte Geschichtsvermittlung ausreiche.

Eschenburg erklärte dazu, dass er es begrüßen würde, wenn die Vertreter der Niemöller-Stiftung das Gespräch mit der Garnisonkirchenstiftung suchen würden. Das sei besser als übereinander zu reden. Außerdem verwies er auf das umfangreiche Programm, das schon heute in der kleinen Kapelle auf dem Grundstück der früheren Kirche absolviert wird.

Laut Eschenburg könnten die Bauarbeiten im Oktober dieses Jahres beginnen. An ein geschichtsträchtiges Datum, wie das 500. Jubiläum der Reformation soll der Baubeginn nicht gekoppelt werden. Ursprünglich sollte am diesjährigen Reformationstag schon die Einweihung stattfinden.

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