Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Es gibt Streit zwischen Stiftung und Fördergesellschaft: Zwar soll der Turm der Potsdamer Garnisonkirche wieder errichtet werden. Doch was wirklich gebaut werden soll, ist indes noch unklar.


© Foto: dapd

Gegner fordern Baustopp
50. Jahrestag Sprengung der Garnisonkirche

Das Portal der Garnisonkirche
Das Portal der Garnisonkirche © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
dpa / 24.06.2018, 12:49 Uhr
Potsdam (dpa) Mit einem Festgottesdienst am Rande der Baustelle hat die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche der Sprengung der Militärkirche gedacht.

Das neue Fundament der Kirche solle der Freiheit der Christen dienen, betonte Altbischof Wolfgang Huber am Samstagabend in seiner Predigt. Er erinnerte an die während der Nazizeit inhaftierten Angehörigen der Bekennenden Kirche, die im Potsdamer Stadtgefängnis das Glockenspiel der Garnisonkirche vernommen hätten. Unterdessen forderten die Gegner des Wiederaufbaus einen Baustopp und eine Bürgerbefragung.

Zuvor hatte die Fördergesellschaft bei einer Mitgliederversammlung eine positive Zwischenbilanz gezogen. „Wir sind sehr froh, dass wir nun alle 38 Gründungspfähle für die Fundamentplatte gesetzt haben, so dass unsere Unterstützer bald sehen können, wie der Turm hochgezogen wird“, sagte der Vorsitzende Matthias Dombert. „Wichtig ist, diesen Neubau in historisierender Form mit einem neuen Inhalt zu füllen“, betonte er. „Daher werden wir den Gedanken der Friedens- und Versöhnungsarbeit konsequent voranbringen.“

Dagegen demonstrierte die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche vor der Nagelkreuzkapelle für einen Baustopp. Dies böte die Chance, die Bürger bei der Oberbürgermeisterwahl im September über den Neubau der einstigen Militärkirche zu befragen, sagte der Sprecher der Initiative, Simon Wohlfahrt. Er erinnerte daran, dass im Jahr 2014 mehr als 14 000 Potsdamer in einem Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau gestimmt hätten. Ein möglicher Bürgerentscheid sei aber von der Stadtverordnetenversammlung verhindert worden.

Dagegen erklärte der Vorstand der Stiftung Garnisonkirche, Peter Leinemann, der Wiederaufbau sei in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung, im Bundestag und in drei kirchlichen Gremien gebilligt worden. „Damit ist das Projekt ausreichend demokratisch legitimiert“, meinte er.

Die Garnisonkirche war im Mai und Juni 1968 auf Geheiß der DDR-Führung in mehreren Schritten gesprengt worden. Daran wollte die Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche am Samstagabend mit einem Gottesdienst erinnern. Seit dem vergangenen Herbst läuft der Wiederaufbau des 90 Meter hohen Kirchturms.

Dagegen wenden sich neben der Bürgerinitiative auch evangelische Christen, die in der Garnisonkirche eine Stätte des preußischen Militarismus sehen. Sie verweisen außerdem auf den „Tag von Potsdam“ im März 1933, als Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in der Kirche die Hand gereicht hatte.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG