Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nabu-Zählung
Unordnung ist gut für Vögel

Stefanie Ender / 25.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 25.01.2019, 07:08
Frankfurt (Oder) (freie Autorin) Vor allem Sperlinge, Kohlmeisen und Amseln wurden Anfang Januar in Frankfurter Gärten gesichtet. Das geht aus der bundesweiten Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) hervor. Seit Jahren stagnieren die Zahlen auf einem Niveau. Es gibt wenig Zuflug. Hobby-Ornithologe Jürgen Fetsch erklärt, warum das so ist.

„Der deutsche Aufräumwahnsinn ist der Tod“, sagt Fetsch, der seit 1981 als Vogelexperte im Frankfurter Naturschutz engagiert ist. „Wer einen Garten hat, darf gern ein bis zwei Quadratmeter unordentlich lassen. Laubhaufen helfen den Vögeln im Winter bei der Futtersuche“, sagt der 65-Jährige. Das brauche Frankfurt. Zu viel Golfrasen und Beton gebe es seiner Meinung nach hier.

Aber eben auch eine stetige Menge an Vogelfreunden, die jährlich Anfang Januar in ihren Gärten sitzen und gefiederte Tiere zählen. In diesem Jahr nahmen 63 Frankfurter an der Aktion des Nabu teil. In den Vorjahren waren es stets mehr als 60 Personen. In 43 Gärten haben sie 2003 Vögel gezählt. Notiert werden sollten alle Tiere, die innerhalb einer Stunde ins Blickfeld geraten.

„An der Rangliste hat sich nicht so viel verändert“, sagt Nabu-Naturschutzreferentin Manuela Brecht. 662 Haussperlinge, 247 Kohlmeisen, 207 Feldsperlinge und 134 Blaumeisen landen bei den Frankfurtern auf den ersten vier Plätzen. Den fünften belegt die Amsel mit 124 Sichtungen. Repräsentativ seien diese Zahlen, wenn aus ihnen langfristige Trends abgeleitet werden. „Ob es insgesamt weniger Vögel gibt, kann aus den Ergebnissen nicht abgeleitet werden, wenn nur ein Jahr betrachtet wird“, so Brecht.

Für dieses Jahr vermutete der Nabu Bundesverband deutliche Vogelrückgänge, die letztlich insgesamt nicht bestätigt wurden, heißt es auf der Internetseite der Umweltschützer. Für Frankfurt ist ein Rückgang zu beobachten, wenn die Ergebnisse mit dem Vorjahr verglichen werden. Nicht aber im langfristigen Vergleich: Gemessen an den Zahlen der vergangenen fünf Jahre sind es hier sogar etwas mehr Vögel geworden, wobei auch mehr Vogelbeobachter unterwegs waren.

„Immer mehr Tiere zieht es auf der Suche nach Futter in Städte“, erklärt Fetsch. Grund seien zu viele landwirtschaftliche Flächen auf dem Land, die überdüngt oder durch Monokulturen ökologisch zerwirtschaftet wurden. Dort fehlten Nahrungsangebote wir Kleintiere und Würmer, die es in den Städten vereinzelt noch gibt. „Manchmal wundere ich mich, welche Vogelarten ich in Frankfurt sehe, zum Beispiel Spechte und Eichelhäher“, so Fetsch, der lautstark mehr Grünflächen und Hecken in Stadt und Land fordert.

Und Laubhaufen. Die seien neben Futterhäusern die beste Hilfe, die Vogelfreunde den Tieren in den kalten Monaten anbieten können. „Im Herbst kann im eigenen Garten einfach ein Laubhaufen liegen gelassen werden, der im April wieder weg geräumt wird. Auch Apfelreste dürfen dort gern hin geworfen werden“, erklärt er und fügt sofort hinzu: „Das hat mit lotterig gar nichts zu tun. Auch, wenn die Nachbarn das vielleicht denken. Unordnung ist Leben.“

Der zu DDR-Zeiten im Kulturbund, nach der Wende im Nabu engagierte Vogelexperte, kämpft seit Jahrzehnten für einen achtsameren Umgang mit der Natur. „Die Zählaktion des Nabu ist wichtig, vor allem um Menschen zu sensibilisieren“, sagt er und betont den pädagogischen Aspekt. Er selbst hat in diesem Jahr nicht gezählt. Damit liegt er im Trend: Bundesweit sei die Beteiligung an der Aktion leicht gesunken. „In Frankfurt sehen wir dazu eine geringere Beteiligung im Vergleich zum Land Brandenburg oder Potsdam, auch wenn die Einwohnerzahl berücksichtigt wird“, sagt Nabu-Naturschutzreferentin Manuela Brecht.

Richtig füttern

Jede Vogelart bevorzuge bestimmte Nahrung, sagt Vogelexperte Jürgen Fetsch. Geeignet seien Sonnenblumenkernen, Haferflocken, Hirse und Hanfsamen. „Am besten das Futter ins Futterhaus legen und beobachten, welche Körner gut weg gehen“, rät Fetsch.

Essensreste sollten vermieden werden, vor allem Brot und gekochte Zutaten. „Ein Stück Apfel wird zum Beispiel gerne von Amseln und Rotkelchen verspeist“, so der Vogelexperte.

Dritter Tipp: Lieber kleine Packungen kaufen. Die bekannten Futterringe und Kugeln aus Kokosfett und Saaten werden vom Ornithologen empfohlen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG