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Nach Rezepten der Mönche

Kümmert sich um den Klosterkräutergarten: Roland Glase an einer Esskastanie
Kümmert sich um den Klosterkräutergarten: Roland Glase an einer Esskastanie © Foto: MOZ/Edgar Nemschok
Hans Moritz / 30.11.2015, 14:03 Uhr
(MOZ) Die Zutaten stehen sogar auf dem Flaschenboden: Doppelkorn, Salbei, Minze, Angelikawurzel, Anis und Koreander. "Dazu kommen noch ein paar Kleinigkeiten. Aber die Zusammensetzung bleibt geheim", sagt Roland Glase mit verschwörerischer Miene. Ansonsten wäre der Hexentrunk in dem dazu passenden Gefäß nicht mehr der Renner im Klosterkräutergarten von Himmelpfort (Oberhavel). "Viele haben versucht, diesen Likör nachzumachen, auch die meisten Einheimischen. Aber keiner kriegt ihn so hin, dass er genauso toll schmeckt wie der hier", verrät der Leiter des Kräutergartens stolz und stellt die Flasche wieder ins Regal.

Die Mixtur für den Schnaps ist nämlich auch ein bisschen sein Ding. Der 46-Jährige probiert alle Rezepturen selbst aus und erfindet immer mal wieder neue Mischungen. "Wir müssen die Leute locken, Kunden können ruhig viel mehr kommen", wirbt er für den beschaulichen Ort, eine Autostunde nördlich von Berlin, der ansonsten lediglich durch sein weltweit bekanntes Weihnachtsmann-Postamt alljährlich Schlagzeilen macht. Auch im Klosterkräutergarten darf darum die Kreation nicht fehlen, die eine Weihnachtsmann-Flasche als Adventskalender darstellt, aus der man täglich ein Schlückchen bis zum nächsten Eichstrich entnehmen kann.

Vor knapp 20 Jahren kam man in dem beschaulichen Örtchen, das mittlerweile von der Stadt Fürstenberg eingemeindet wurde und zwischen fünf Seen liegt, auf die Idee, die Arbeit der einst dort wohnenden Mönche mit einheimischen Pflanzen und Kräutern wieder aufzunehmen. Aus den 16 Frauen und Männern, die den 1997 eröffneten Kräutergarten gegenüber der Klosterruine aufbauten, ist aber nur noch der heutige Chef geblieben. "Ich bin nicht von Anfang an dabei, erst seit vier Jahren. Aber ich brauche außer den beiden Frauen, die ab und zu hier auf Stundenbasis helfen, in der nächsten Saison unbedingt einen weiteren Mitarbeiter, sonst ist das nicht mehr zu bewältigen", schildert Roland Glase die personelle Not.

Als Angestellter der betreibenden Firma Ökosolar in Dannenwalde ist er allein verantwortlich für alles, was in dem großen Areal zwischen der idyllischen Gaststätte "Mönchs Schänke" und dem schiffbaren Kanal geschieht. Und das reicht vom Anbau der Pflanzen, der Pflege und Beschriftung der Beete, der Ordnung im gesamten Anwesen bis zum Herstellen der Schnäpse, Liköre und Essigsorten, dem Verkauf, der Beratung, und, und, und. "Sie sehen ja, ich schaffe nicht alles, leider", brummt Glase und zeigt auf den mittlerweile verwilderten Garten der Sinne mit angrenzendem Kinderspielplatz.

Bei den mehr als 300 verschiedenen Pflanzen und etwa 50 Bäumen und Sträuchern hat sich der gelernte Schweißer und Schlosser ein profundes botanisches Wissen angeeignet. Die 13 Sorten Schnäpse und 14 Liköre hat er nicht nur alle gekostet, sondern vielfach auch die Rezeptur nach alter Lektüre selbst zusammengebraut und verfeinert. Auch die verschiedenen Flaschenformen wie die Hexe für den Dauerbrenner-Likör oder den Mönch für die "Antonius" genannte Kreation aus grünen Walnüssen haben Glase und seine Mitarbeiterinnen ersonnen.

Die Beratung steht für viele Kunden ganz hoch im Kurs. Und so kommt es vor, dass so mancher beim Eintritt in den bunten Garten das Wort Beinwill noch nie gehört hat, die Anlage aber mit Wurzeln dieses Krautes in der Tasche wieder verlässt. Aus Beinwill nämlich lässt sich ein Extrakt gewinnen, den Glase als eine Art Wundermittel darzustellen weiß. Sowohl in der äußerlichen Anwendung gegen allerlei Zipperlein bis zum Rückenleiden, als auch innerlich gegen Durchfall und Übelkeit soll es helfen.

Alles im Klosterkräutergarten ist von Hand gemacht und hat daher seinen Preis. "Aber die Leute feilschen nicht, probieren viel und kommen sehr oft wieder", freut sich der Chef-Gärtner und bedauert nebenbei, dass einige zu geizige Besucher schon mal ein paar Samen und Stauden mitgehen lassen oder sogar ganze Pflanzen ausbuddeln.

Wenn in der kälteren Jahreszeit der eine oder andere Gast vor allem an den Wochenenden vor verschlossener Tür steht, muss er nicht gleich das Weite suchen. Zumindest die meisten der Schnäpse und Liköre, auch der eine oder andere Kräuteressig ist gegenüber der Straße in dem Haus zu kaufen, in dem während der Adventszeit auch das Postamt untergebracht ist, welches nach dem Weihnachtsmann benannt ist.

Lesen Sie auch den nächsten Teil unserer Serie am kommenden Sonnabend auf der Brandenburg-Seite: In der Gemeinde Steinreich (Dahme-Spreewald) brennt Theo Ligthart einen Korn aus heimischen Produkten.

Öffnungszeiten: Mai bis September Mo–Fr 9–17?Uhr, Sa/So 12–17 Uhr, Oktober bis April Mo–Fr 9–15 Uhr

Preisspanne: von 70 Cent für den Probierschnaps bis zum großen Hexentrunk (0,7 l) für 15,90?Euro. Pflanzen, Samen und Kräuter stehen zwischen 1,50 und fünf Euro auf der Preisliste.

Spezialität: Renner ist der Hexentrunk in einer der Brockenhexe nachempfundenen Halbliter-Flasche.

Und das steht an: Ab dem Frühjahr will Roland Glase auch gemischte Schnapssorten, zum Beispiel in der Geschmacksrichtung Thymian/Melisse, anbieten.

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Theo Ligthart Doppelkorn Oberhavel Angelikawurzel Flaschenboden

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