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Wachsfiguren-Kabinett
Gerty Klimpel - Stylistin für die Weltstars

Letzter Schliff: Gerty Klimpel legt auch bei neuen Wachsstars noch mal Hand an. Am Donnerstag wurde das Double von US-Popstar Ariana Grande bei Madame Tussauds in Berlin eingeweiht. Die Figur wurde für vier Wochen aus England ausgeliehen.
Letzter Schliff: Gerty Klimpel legt auch bei neuen Wachsstars noch mal Hand an. Am Donnerstag wurde das Double von US-Popstar Ariana Grande bei Madame Tussauds in Berlin eingeweiht. Die Figur wurde für vier Wochen aus England ausgeliehen. © Foto: Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 01.02.2019, 07:30 Uhr
Berlin (MOZ) Sie frisiert Heidi Klum die Haare, putzt Oliver Kahn die Zähne und hat schon  George Clooneys Ohr verarztet: Maskenbildnerin Gerty Klimpel hübscht bei Madame Tussauds die Wachs-Stars auf, die in die Jahre gekommen sind oder von Fans zu überschwänglich geherzt werden.

Wer glaubt, Ariana Grande kommt schon perfekt gestylt aus Blackpool in Berlin an, der irrt. Bevor die Wachsfigur des 25-jährigen US-Popstars am Donnerstagmorgen mit Blitzlichtgewitter im Madame Tussauds eingeweiht wird, muss sie erst einmal – wie ihr Original vor einem Konzert – in die Maske. Oder besser gesagt, in die Werkstatt. Es ist ein geheimer Raum, der versteckt hinter den Kulissen des Wachsfigurenkabinetts liegt. Der Zutritt ist strengstens verboten.

Hinein dürfen nur Gerty Klimpel und ihre zwei Mitarbeiterinnen. Sie sind die einzigen drei Wachsfiguren-Stylisten der weltweit agierenden Museums-Kette in Deutschland. In ihrem „Salon“ sitzen die berühmten Persönlichkeiten wie beim Friseur vor einem großen Spiegel. Mit Rundbürste und Fön toupieren die Frauen den künstlichen Star-Doubles das Echthaar. „Bei Heidi Klum ist das wie nach dem Aufstehen immer zerzaust“, berichtet 34-jährige Werkstattleiterin, die ihre Friseurlehre bei Udo Walz gemacht hat, bevor sie vor elf Jahren bei Madame Tussauds  anfing. Heidi Klum stylt sie immer so, als ob eine  leichte Windmaschine  beim Fotoshooting im Einsatz wäre. „Doch am Morgen finden wir sie so vor, als hätte sie Abends eine wilde Party gefeiert.“

Das liegt an den stürmischen Fans, die kein Selfie mit den Wachsstars auslassen. Fotografieren und Anfassen ist dem Museum am Boulevard Unter den Linden ausdrücklich erlaubt. Das führt häufig zu Blessuren. Klimpel und ihre Kolleginnen müssen auch Fingernägel wieder ankleben und Kratzer überschminken. Statt Rouge und Puderquaste nehmen sie Öl- und Acrylfarben.

Karl Marx mussten sie neulich wieder ein paar ausgerissene Haare einfädeln. Sorgenkinder seien auch Robby Williams und George Clooney, zu denen sich die Fans auf die Couch kuscheln können. „Make-up auf dem Jackett und Lipgloss auf dem Gesicht sind da fast schon Normalität“, erzählt Gerty Klimpel. „Die Fans lassen ihren Emotionen hier einfach freien Lauf.“

So gehen die Mädels Justin Bieber regelmäßig an die Wäsche.  George Clooney wurde sogar schon das Ohr angebissen. Dass eine der lebensecht wirkenden Figuren rund 200 000 Euro kostet und bis zu 20 Künstler monatelang im Londoner Mutterhaus daran arbeiten, wüssten die wenigsten Besucher, glaubt die Stylistin.

Manche wollen aber auch einfach nur ein Souvenir mitgehen lassen. Die Sonnenbrille von Tom Kaulitz musste deshalb schon an das Jackett des Tokio-Hotel-Musikers festgenäht werden. Dafür hat Michael Jackson manchmal einen Damen-Hut aus dem Requisiten-Fundus von „Germanys Next Topmodel“ auf, in dem sich Besucher nebenan verkleiden können. Auch das goldene Röckchen, das Ariana Grande nun während ihres vierwöchigen Berlin-Aufenthalts trägt, – das Wachsmodell ist nur eine Leihgabe aus England – wurde noch einmal gebügelt und gerafft.  „Alles muss perfekt sitzen und auf die Figur abgestimmt sein“, erklärt Klimpel, die jeden Morgen zum Kontrollrundgang aufbricht.

Obwohl keine Sonne in die Bunker artigen Gänge des Wachsfigurenmuseums drängt, werden Haut, Haar und Kleidung von dem künstlichen Scheinwerferlicht der teils multimedial bespielten Kulissen über die Jahre ausgebleicht. So bekommt Lady Gaga derzeit in der Werkstatt in Zusammenarbeit mit einem Designer ein neues Outfit verpasst. Auch die Haare von Bundeskanzlerin Angela Merkel müssen regelmäßig nachgefärbt werden.  „Wir nehmen da eine normale Friseurtönung.“

Zu den pflegeintensiven Persönlichkeiten gehört trotz überschaubarer Haarpracht Oliver Kahn. Weil der Ex-Nationaltorhüter in seiner typisch brüllenden Pose verewigt wurde, können ihm Besucher bis in den Rachen schauen. „Die Zunge ist häufig zerkratzt“, erzählt Gerty Klimpel, die dem Fußballer auch regelmäßig die Zähne putzt. Damit er keinen Mundgeruch bekommt, mit geruchslosem Terpentin. In seine Augäpfel träufelt sie Klarlack, um den natürlichen Tränenfilm zu imitieren. Ansonsten verhält es sich mit den Figuren wie mit den Menschen. „Je älter sie werden, desto mehr Pflege benötigen sie.“

Etwas Sorgen machte sich Gerty Klimpel um Donald Trump. Denn als einst Hitler einzog, wurde der vor Wut gleich geköpft. Seitdem sitzt er im Glasbunker. Neben dem umstrittenen US-Präsidenten mit seinem pampigen Gesichtsausdruck können Besucher sich dagegen selbst eine Trump-Tolle aufsetzen und die Perücke für ein Foto vom Kopf fegen lassen. „Die Aktion ist so witzig, dass sie von der eigentlichen Figur ablenkt.“

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