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EM in Bad Saarow
Golf auf dem Weg zum Volkssport

Bereit für die Europameisterschaft: Saskia Zieschank, Managerin im A-Rosa Resort Scharmützelsee in Bad Saarow.
Bereit für die Europameisterschaft: Saskia Zieschank, Managerin im A-Rosa Resort Scharmützelsee in Bad Saarow. © Foto: dpa/Mathias Hausding
Mathias Hausding / 06.07.2018, 19:05 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Die Sportwelt blickt auf Bad Saarow. Am Dienstag beginnt dort die Golf-Europameisterschaft. Wie steht es um die einst als elitär verschriene Sportart in Berlin und Brandenburg? Es gibt für Einsteiger viele Angebote, die aber mitunter nicht so leicht zu finden sind.

Golf – ein Sport für Reiche und Alte, abgeschottet vom Rest der Welt. Dieses Klischee bringen sofort alle Branchenexperten ungefragt auf den Tisch. Um dann mit großer, ansteckender Leidenschaft zu erzählen, dass es eben längst nicht mehr so ist früher.

Saskia Zieschank zum Beispiel. Sie ist 33, kommt aus Potsdam und vom Volleyball. Als Managerin Golf und Sport im A-Rosa Resort Scharmützelsee in Bad Saarow hat sie gerade besonders viel um die Ohren. Für die Team-Europameisterschaft der Männer wird der Platz zweimal am Tag gemäht und gebügelt, damit er hart und schnell ist und der Ball treu läuft.

Saskia Zieschank erzählt gern vom Aufwand, der hier für die Besten der Besten betrieben wird, von der Vorfreude auf das große Turnier. Aber richtig stolz ist sie darauf, dass ihr Bruder seit einem halben Jahr Golf spielt. Ein Fußballer! „Wer Ballgefühl mitbringt, braucht nur drei, vier Schläge. Wenn der Ball dann fliegt, ist die Begeisterung sofort da.“

Sie selbst hatte auch Vorbehalte. Golf sei langweilig und altmodisch. Jetzt weiß sie, dass es wie beim Fußball die Vips gibt und die echten Fans, von denen manche kein Geld für einen Trainer haben und sich stattdessen mit Hilfe von Youtube-Videos selbst trainieren. „Das kann funktionieren. Aber für die Basics ist ein Trainer schon wichtig“, schiebt sie hinterher.

Entscheidend ist ja, wie neue Leute den Weg auf den Platz finden. Saskia Zieschank hat da ein tolles Angebot: „Für 15 Euro kann man bei uns vier Stunden auf den Jedermann-Platz. Das Equipment ist inklusive. Es sind keine Vorkenntnisse nötig. Ohne Anmeldung einfach vorbeikommen.“ Besser geht es kaum. Wer hätte da nicht Lust, es mal mit Golf zu probieren. Aber auf der Homepage der Bad Saarower Anlage findet man das Angebot nicht. „Wir bekommen in Kürze eine neue Seite. Dann wird es übersichtlicher“, verspricht die Managerin.

Mit dieser Offenheit für Neueinsteiger liegt Bad Saarow ganz auf Linie mit den Verbänden in Deutschland. „Wir freuen uns über jeden, der anfängt“, sagt Roderich Wegener-Wenzel, der Geschäftsführer des Golfverbandes Berlin-Brandenburg. Er verweist darauf, dass Golf seit 2016 wieder olympisch und dementsprechend Breitensport sei. Aber man trage nach wie vor schwer am Image aus der Vergangenheit. „Es gibt keine Barrieren mehr. Golf ist ein Sport für viele“, beteuert Wegener-Wenzel. „Wir müssen die Leute einmal auf den Platz locken, damit sie das erkennen.“

In Brandenburg gibt es 15 Plätze, in Berlin drei. Die Clubs haben insgesamt 23 000 Mitglieder. Tendenz gleichbleibend. Geld sei überhaupt nicht das Problem, sagt der Verbandschef. „Golf ist günstiger als Tischtennis.“ Eine vielleicht etwas gewagte Aussage, aber auch sie zeigt den Anspruch der Branche: weg vom Elite-Denken. Die größte Herausforderung sei, dass die wenigsten Plätze mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen seien und die Menschen immer weniger Zeit hätten. „Fünf Stunden auf dem Platz stehen, das geht für viele nicht. Deshalb bieten wir kürzere Zeiten an, neun Löcher in zwei Stunden oder auch nur mal drei Löcher.“

Dennoch: Schaut man sich die Homepages Brandenburger Golfplätze an, ist die neue Offenheit dort noch nicht überall angekommen. Eine gezielte Ansprache von potenziellen Neueinsteigern fehlt meist. Roderich Wegener-Wenzel bittet um Geduld: „Wir appellieren an die Clubs, dass sie die Spielmöglichkeiten für Gäste gut darstellen.“

Offenbar ist das ein bundesweites Problem. „Wir haben in Deutschland 731 Golfplätze, auf immerhin 395 von ihnen kann man als Gast ohne Vereinsmitgliedschaft spielen. Ich fürchte, das wissen viele Leute gar nicht“, sagt Marcus Neumann, Vorstand beim Deutschen Golf Verband. Er schwärmt von der Geselligkeit beim Golf, vom Generationen übergreifenden Miteinander. Aber immer noch würden sich Menschen nicht in das Golf-Klubhaus trauen, weil sie glauben, das sei eine andere Welt, bedauert Neumann. „Irgendwie sind da doch noch Barrieren. Die müssen weg.“

Eine tolle Empfehlung in diese Richtung hat der Berlin-Brandenburger Verbandschef: Ganz neu – Golfen auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf. Profi-Trainer David Offermann lädt seit Anfang Juni zum Abschlag mitten in der Stadt. Eine Internetseite mit Infos gibt es nicht, soll aber kommen. Ein Angebot für alle sei es, erzählt David Offermann. Ohne Kleiderordnung, ohne Aufnahmegebühr, aber durchaus mit spielerischem Anspruch und mit Etiketten. „Beim Golf geht man nett miteinander um, quatscht zum Beispiel nicht dazwischen, wenn der andere schlägt. Das ist mir wichtig“, sagt Offermann.

Ein Erfolg der Nationalmannschaft in der kommenden Woche in Bad Saarow wäre indes sicher die beste Werbung für den Sport, noch dazu mit einem Teenager aus Märkisch-Oderland im Team. Falko Hanisch aus Petershagen-Eggersdorf gilt als großes Talent. „Eine Medaille zu holen, wäre ein Traum“, sagt er selbst. „Aber die Konkurrenz aus Ländern mit großer Golf-Tradition ist sehr stark.“

Fragt man ihn nach der Faszination Golf und den Schrauben, an denen man drehen müsste, um den Sport populärer zu machen, ist er kaum zu bremsen. „Wir brauchen kostenlose Golf-Programme an den Schulen und müssen uns von den Klischees lösen“, sagt der 18-Jährige. „Golf macht einfach extrem viel Spaß. Man kann viel kreativer sein als in anderen Ballsportarten. Es gibt unendlich viele unterschiedliche Schläge, die man machen kann. Das ist so cool.“

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Ralf Cornelius 09.07.2018 - 09:14:47

Märchenstunde

Grotesk, dass ausgerechnet am Beispiel von Bad Saarow der Weg des Golfspiels hin zum Volkssport festgemacht werden soll. Mal wieder hat sich die MOZ inhaltlich von den dort Verantwortlichen über den Tisch ziehen lassen. Denn gerade in Bad Saarow ist man dabei, das Rad der Geschichte wieder zurückzudrehen. In Gutsherrenmanier zwangsvereinigen die alpinen Besitzer der Anlagen die bestehnden Golfclubs, machen daraus eine Betreibergesellschaft ohne Mitspracherecht der Mitglieder, es ist dann kein Verein mehr, lösen bestehende Mitgliedschaften auf, schmeißen Kinder aus den selbigen und halten dann mit ordentlichem Zuschlag die Hand auf. Oder in Worten, 2200 Euro pro Mitglied und Jahr, zzgl. weiterer Kosten, das versteht man in Bad Saarow unter Volkssport und öffnen für die Massen. Wenn dann die MOZ kommt erzählt man gern von günstigen Einstiegspreisen von 50 Euro im Monat, was jedoch keine Mitgliedschaft ist und nichts mit dem Spielrecht auf den Anlagen zu tun hat. Wegener -Wenzel setzt dem Ganzen dann noch die Krone mit seinem schrägen Tischtennisvergleich auf und beweist, dass man auch im Landesverband keine Ahnung hat. Wir auch, ein hochrangiger A-Rosa-Vertreter ist hier mit im Vorstand und versteht den genauso zu desinformieren wie die Medien. Oder zu gut Neudeutsch: Fake News oder alternative Wirklichkeit, die uns hier dargeboten wird...

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