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Die Greenkeeper in Bad Saarow haben nicht nur während der Golf-EM der Mannschaften alle Hände voll zu tun

Golf-EM
Morgens um fünf ...

Kräftig zuschlagen: Die Grüns „abpeitschen“ gehört zum Aufgabengebiet der Greenkeeper. Mit einer langen Stange wird der abgemähte Rasen auf der Fläche verteilt, sodass der Ball frei rollen kann.
Kräftig zuschlagen: Die Grüns „abpeitschen“ gehört zum Aufgabengebiet der Greenkeeper. Mit einer langen Stange wird der abgemähte Rasen auf der Fläche verteilt, sodass der Ball frei rollen kann. © Foto: MOZ/Thomas Sabin
Thomas Sabin / 11.07.2018, 07:00 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Morgens um 5 Uhr klingelt sein Wecker. Sieben Tage in der Woche. Im Sommer wartet besonders viel Arbeit auf Jake McEwan. „Doch man gewöhnt sich an alles“, sagt der Schotte und blickt über rund 300 Hektar Land – seinen Arbeitsplatz. Mit 16 Jahren beschloss er seine Leidenschaft zum Beruf zu machen.

„Eigentlich wollte ich Golfprofi werden“, sagt McEwan. Das W klingt weich, und das R rollt ebenso sanft über die Zunge des fast zwei Meter großen 57-Jährigen. McEwan wurde in Glasgow geboren und merkte früh, dass er als Golfer nicht gut genug war, verrät er. „Ich entschied mich dann, Greenkeeper zu werden. So konnte ich nah am Golf bleiben.“

Auf dem Hügel am Loch 2 des Faldo-Kurses des Golfresorts A-Rosa Scharmützelsee in Bad Saarow zeigt er sein großes Reich. Die Ausmaße des Platzes sind kaum zu überblicken. „Die andere Hälfte des Kurses versteckt sich hinter den Bäumen dort hinten“, sagt er und schweigt kurz. Dann fügt er an: „Es ist wunderschön hier.“ Er lächelt. Die Greenkeeper des Golfresorts stellen hohe Anforderungen an sich selbst. „Alles soll möglichst perfekt sein“, gesteht McEwan. Die laufende Team-Europameisterschaft der Männer legt die Messlatte noch höher. Das 32-köpfige Team arbeite zurzeit täglich und in zwei Schichten. „Der Platz wird wie für ein Profiturnier aufbereitet – wie bei den British Open“, berichtet McEwan.

Aufregung und grün gepflegte Rasenflächen zeigten sich zur Eröffnung der Golf-EM am Montagabend im A-ROSA Hotel Bad Saarow. Bis zum 14. Juli laufen die Wettkämpfe für den Ausscheid um das beste Herrenteam.
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Die Grüns, Fairways (Areal zwischen dem Abschlag und dem Grün), Roughs (Areale auf einer Golfanlage, welche sich zwischen den einzelnen Bahnen befinden) und Semiroughs (Übergangsbereich zwischen Fairway und Rough) müssen auf ganz bestimmte Längen geschnitten werden. Neben dem Mähen gehört auch das Säen und Anpflanzen von Gräsern und Pflanzen zu den Aufgaben. Zudem müssen die Sandbunker mit Sand befüllt und deren Kanten akkurat geschnitten werden. Auch um die Wasserhindernisse und Teiche muss sich gekümmert werden. Die Greenkeeper stechen auch die Löcher und positionieren die Fahnen. Sie sorgen dafür, dass der Zustand des Platzes optisch und rund um die Uhr stimmt.

„Die Babys eines jeden Head-Greenkeepers sind aber die Grüns“, wirft Maik Kette ein, ein Kollege McEwans. Die Flächen, wo sich der Golfball dem Loch annähert und nach Möglichkeit mit so wenig Schlägen wie möglich versenkt werden soll, sehen aus wie ein grüner Teppich. McEwan wirft einen Golfball und zeigt stolz, wie er unbehindert Richtung Loch rollt. Perfekt. Die Grüns seien das Aushängeschild eines guten Golfplatzes, erklärt Kette. Für die Golfer seien sie wichtiger als alles andere. „Sie wollen, dass dort alles perfekt ist, und das versuchen wir zu erfüllen. Für das Turnier haben wir die Grüns auf drei Millimeter gemäht. Dafür gehen wir morgens drei- bis viermal mit dem Rasenmäher rüber.“

McEwan und sein Team arbeiten unter hohem Druck. Sie versuchen, stets vor den Golfern zu bleiben, um den Spielbetrieb nicht zu stören. Probleme treten  täglich auf, weiß der Chef aus Erfahrung. „Für uns gibt es immer etwas zu tun. Mit Landschaftsgärtnerei hat das alles hier wenig zu tun“, sagt er und widerspricht dem, was seiner Meinung nach noch viele glauben. Neben der körperlichen Anstrengung kommen die Temperaturschwankungen hinzu – die Hitze macht im Sommer besonders zu schaffen.

Große Sorgen bereitet auch die Personalsituation. „Einige Kollegen gehen bald in Rente. Es ist schwer, Nachwuchs zu finden. Dabei gibt keinen schöneren Job“, sagt er. In Amerika und England ist Greenkeeping bereits ein Ausbildungsberuf, in Deutschland noch nicht.

Mit dem Golfcaddy fährt McEwan zum höchsten Punkt des Platzes. Oben angekommen, erklärt er, wie wichtig das Areal ist. Ein gut gepflegter Golfplatz sei eine Oase für die Natur. Für die Flora und Fauna ist so ein Gelände sehr wichtig, sagt er. Und das Wichtigste: „Ein Golfplatz ist für jedermann. Viele denken, es wäre ein elitärer Sport. Doch eigentlich kann man mit jedem Einkommen spielen.“ Er wünscht sich, dass Golf wieder mehr zu einem Volkssport wird, denn „es ist ein Sport füralle“.

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