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"Man fängt an, Störche zu zählen"

Infografik zur Serie Grenzenlos radeln - Karte von Guben bis Gartz in der Uckermark
Infografik zur Serie Grenzenlos radeln - Karte von Guben bis Gartz in der Uckermark © Foto: MOZ/Jörn Sandner
Dietrich Schröder / 21.07.2015, 05:04 Uhr - Aktualisiert 22.07.2015, 11:45
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Oder-Neiße-Radweg verbindet zwei Flüsse, drei Länder und jede Menge Landschaft. In einer Serie stellen wir vor allem jenen Teil des Weges vor, der durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung führt, verbunden mit Tipps für Tagesausflüge ans östliche Ufer in Polen. Zum Auftakt gibt es einen kleinen Überblick über den gesamten Radweg.

Wer es gründlich machen will, der fängt natürlich am offiziellen Beginn des Radwegs in Tschechien an. Dort findet man im Isergebirge, östlich der Stadt Jablonec (Gablonz) in Nova Ves die Quelle der Neiße. Genau gesagt handelt es sich um die "Lausitzer Neiße", denn weiter östlich gibt es noch die Glatzer Neiße, die Kleine und die Wütende Neiße. Von hier bis nach Heringsdorf auf der Insel Usedom, wo der Radweg endet, sind es rund 630 Kilometer.

Aber keine Angst - nur die wenigsten Radler machen die ganze Tour am Stück. Wer jedoch bereits in Tschechien einsteigt, erlebt hier den hügeligsten Teil der Strecke. Man kommt durch kleine Dörfer mit den typischen Umgebindehäusern, die man auch im deutschen und polnischen Teil der Oberlausitz findet. Außerdem gibt es Städte mit imposanten, aber leider zerfallenden Industrieanlagen. Sie künden davon, dass frühere Generationen hier schon bessere wirtschaftliche Zeiten erlebten.

Von Niedergang ist in Zittau oder Görlitz - den ersten großen Stationen auf deutschem Gebiet - wenig zu spüren. Ganz im Gegenteil: Besonders das geteilte Görlitz ist eine architektonische Perle. Seit 1990 wurde ein Großteil der historischen Bauwerke zu neuem Glanz gebracht. "Von hier bis zur Ostsee ist es eigentlich auch egal, ob man in Richtung Norden oder Süden radelt", sagen Insider. Denn der Höhenunterschied des Radwegs beträgt gerade mal um die 150 Meter auf jeweils 100 Kilometern.

Zwischen Zittau und Görlitz entdeckt man in Marienthal das älteste ununterbrochen geführte Frauenkloster des Zisterzienserordens in ganz Deutschland. Es gehört schon seit dem 13. Jahrhundert zu dem Orden. Nach Voranmeldung kann man dort auch übernachten.

Eine Attraktion der Kleinstadt Ostritz ist der auf polnischem Territorium gelegene Bahnhof, der bis 1989 für die meisten Bewohner praktisch unerreichbar war. Unterwegs gibt es auch Badegelegenheiten für heiße Sommertage, zum Beispiel den Berzdorfer See, der - wie viele andere Gewässer der Region - aus einem ehemaligen Braunkohlentagebau entstand.

Nördlich von Görlitz geht es durch uralte Dörfer weiter, die der Krieg weitgehend verschont hatte. Man trifft auf sorbische Traditionen und zweisprachige Ortsschilder. Die Betreiber der "Kulturinsel Einsiedel" verkünden stolz, dass man sich am östlichsten Punkt Deutschlands befindet. Auch hier gibt es preiswerte Übernachtungen, wie man überhaupt entlang der gesamten Strecke die Erfahrung macht, dass es nicht schwierig ist, Doppelzimmer für 60 bis 70 Euro pro Nacht zu finden. Ein gutes Frühstück für den nächsten Abschnitt gehört meist dazu.

Kurz hinter dem Park von Bad Muskau, in dem es eine kleine Brücke in den polnischen Teil gibt, erreicht man Brandenburger Gebiet. Über die Höhepunkte und manchmal auch versteckten Attraktionen, die man von Guben bis zum Nationalpark Unteres Odertal findet, wollen wir Sie in den nächsten Tagen näher informieren.

Der Brandenburger Abschnitt des Radwegs ist 225 Kilometer lang und macht damit ein gutes Drittel der gesamten Strecke aus. Laut den "Radverkehrsanalysen" des Landes sind jährlich zwischen 65 000 und 70 000 Radler hier unterwegs. "Manche Leute trifft man mehrfach abends in den Pensionen wieder", berichten die Radler. Und auch, dass die meisten Menschen auf der Strecke bereits jenseits der 40, 50 oder auch 60 Jahre sind. "Wir suchen Ruhe, Landschaft und Bewegung", begründet ein Paar aus Berlin, weshalb es sich für die Tour entschieden hat. Denn nur am Strand zu liegen brächte im Urlaub auch keine Erholung.

Der Besuch von Frankfurt und Slubice, der alten Bischofsstadt Lebus, den Ruinen der Festung Küstrin oder eine Fahrt mit der Oder-Fähre bei Güstebieser Loose sind Abwechslungen auf dem weiteren Weg nach Norden.Die Landschaft wird dabei weiter und menschenleerer. "Man fängt automatisch an, die Störche zu zählen", berichtet jemand, der die Tour gemacht hat.

Im Nationalpark Unteres Odertal kann man zur Abwechslung auch mal Kanu fahren. Und wer zwischendurch Lust auf Großstadt bekommen sollte, kann einen Abstecher mit dem Regionalexpress von Tantow nach Stettin machen.

Südlich des Stettiner Haffs steht man vor der Frage, ob man sich weiter für den "offiziellen" Oder-Neiße-Radweg entscheidet, der westlich ums Haff führt, oder die Strecke auf der polnischen Seite wählt, die allerdings 70 Kilometer länger ist. In den kleinen polnischen Orten und zwischen weiten Feldern und Wäldern fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt. Der Strandkorb in Ahlbeck oder Swinemünde, aus dem man seine erschöpften Radler-Füße in die Ostsee strecken kann, ist für viele dann das Ziel der Reise.

In der Mittwochausgabe lesen Sie: Von Guben nach Ratzdorf (Teil 2)

Auf der Strecke kann der Reiseführer "Oder & Neiße so gesehen" nützlich sein, den Absolventen der Frankfurter Europa-Uni in ihrem Unternehmen Scotty Scout herausgegeben haben. Er kostet 10,90 Euro, passt in jede Gepäcktasche. Viele Tipps findet man im Internet: www.scottyscout.com

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Statistikleser 27.07.2015 - 15:24:06

@ Gerda Richter

Ach Frau Richter, also mich haben Zahlen schon immer interessiert und ehrlich, die MOZ nur als Werbezeitung ohne fachlichen Inhalt ist doch megalangweilig. Kleiner Tipp, lesen Sie doch Kommentare in Foren, die Sie nicht interessieren, einfach nicht mehr. Dann wäre Ihr Tag gleich viel ruhiger.

Gerda Richter 21.07.2015 - 18:52:39

@Benno Koch

Ihre Bemerkungen zu Durchschnittsalter, Anzahl von Bahnhöfen und "Radreiseanalyse" interessiert mich und die allermeisten MOZ-Leser überhaupt nicht. Die Märkische Oderzeitung ist keine Touristik-Marketing-Fachzeitschrift, sondern eine regionale Tageszeitung. Ihre Statistik-Bemerkungen sind überflüssig. Ich als potentielle Vielradlerin hole mir meine notwendigen Reise-Informationen aus dem Internet und aus regionalen Radler-Landkarten. Warum soll ich mich als Tageszeitungsleserin mit statistischen Angaben beschäftigen? Das interessiert vielleicht spezielle Fachleute (z.B. vom ADFC), aber nicht mich als normale Radfahrerin, die sich entlang von Oder und Neiße einfach nur erholen will. Mit Zahlen kann man Leute (Touristen) langweilen und abschrecken. Ihre Thematik und Ihre Diskussion gehört in Fachkonferenzen und Fachseminaren, aber nicht hierher ...

Benno Koch 21.07.2015 - 10:21:00

Mobilität für Anfänger

Wie wäre es, wenn die Redaktion der Märkischen Oderzeitung mal einen Grundkurs Mobilität macht? Und das ist leider ernst gemeint. Was soll eine Radwegkarte, auf der die dicksten Linien Autobahnen irgendwo 100 Kilometer vom Radweg entfernt sind und in den Augen weh tun? Dagegen werden die Bahnlinien und die Bahnhöfe direkt am Radweg verschwiegen. Fahrradtourismus hat auch für Autofahrer vor allem mit der Bahn zu tun. Falls Dietrich Schröder wirklich sein Auto an den Start der Radreise mitnehmen will, so muss er am Ende der Tour irgendwie wieder zum Auto zurückkommen. Mit der Bahn. Und die passt immer auch in eine Übersichtskarte rein. Allein am dargestellten Abschnitt Guben - Gartz (Oder) befinden sich direkt am Oder-Neiße-Radweg oder in sinnvoller Entfernung mindestens 17 Bahnhöfe auf deutscher und polnischer Seite der Oder. Diese Information ist so ziemlich die wichtigste, da Fahrradtourismus zu 95 Prozent Tagestourismus ist. Auch der Oder-Neiße-Radweg funktioniert nur, wenn er in sinnvolle Einzelabschnitte unterteilbar ist. Wie wäre es, wenn der Autor sich Grundkenntnisse wie die Radreiseanalyse aneignet? Die ist anders als die Mutmaßungen im Artikel repräsentativ und enthält Zahlen zur Nutzung von Rad und Bahn. Und: Gegen den Trend werden Fahrradurlauber jünger. Während 2007 das Durchschnittsalter noch bei 53 Jahren lag, waren es im Jahr 2014 nur noch 45 Jahre. Im Durchschnitt. Die Behauptung des Autors: "Und auch, dass die meisten Menschen auf der Strecke bereits jenseits der 40, 50 oder auch 60 Jahre sind" ist demnach falsch. Da das Durchschnittsalter der Brandenburger im Jahr 2014 genau 47,2 Jahre betrug, liegt das Durchschnittsalter der Fahrradtouristen auf dem Oder-Neiße-Radweg nicht nur in der zu erwartenden Normalverteilung, sondern ist sogar noch etwas geringer. Fahrradtourismus ist also kein Eingenerationenprojekt.

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