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Die Bergetappe der Tour

Auf der Spitze des Berges: Diese Teilnehmer eines deutsch-polnischen Feriencamps genießen die tolle Aussicht auf die Oderlandschaft, hinüber nach Polen und im Hintergrund bis nach Frankfurt von der neuen Terrasse der Europäischen Naturerlebnisstätte "Oder
Auf der Spitze des Berges: Diese Teilnehmer eines deutsch-polnischen Feriencamps genießen die tolle Aussicht auf die Oderlandschaft, hinüber nach Polen und im Hintergrund bis nach Frankfurt von der neuen Terrasse der Europäischen Naturerlebnisstätte "Oder © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 27.07.2015, 06:53 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 10:52
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Oder-Neiße-Radweg verbindet zwei Flüsse, drei Länder und jede Menge Landschaft. In einer Serie stellen wir vor allem jenen Teil des Weges vor, der durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung führt, verbunden mit Tipps für Tagesausflüge ans östliche Ufer in Polen. Heute: von Frankfurt nach Küstrin.

Man muss sich entscheiden: Übernachten in Frankfurt oder bei der nur zehn Kilometer entfernten kleinen Schwester, in der alten Bischofsstadt Lebus? In beiden Städten gibt es einiges zu sehen. Die Universitätsstadt Frankfurt hat Lebus wirtschaftlich und politisch bereits im 13. Jahrhundert den Rang abgelaufen. Damals verlagerte sich der Schwerpunkt des Handels an die große Furt in der Oder. Lebus verlor bald darauf auch den Bischofssitz - an Fürstenwalde.

Im Museum Viadrina erfährt der Besucher alles Wichtige zur wechselvollen Geschichte der Hansestadt Frankfurt. Kunstliebhaber sollten neben dem Kleist-Museum das Museum Junge Kunst im Rathaus nicht versäumen, dessen Sammlung zeitgenössischer Werke einen exzellenten Ruf genießt.

An der Oder-Promenade entlang geht es in Frankfurt, unter der Grenzbrücke hindurch, an der Konzerthalle und am Winterhafen mit der neuen Marina vorbei. Dann verlässt der Radweg die Oder. Er führt steil bergan durch den Ragoser Talgrund an die Bundesstraße 112.

Mancher Radler versucht wohl auf eigene Faust, weiter am Fluss entlang nach Lebus zu gelangen. Doch davon rät Dorothea Janz vom Infopunkt im Lebuser Kulturhaus dringend ab. "Wir haben den Weg aus gutem Grund nicht ausgeschildert. Bei höherem Wasserstand oder nach Regen ist durch die Oderwiesen kein Durchkommen. Uns erreichen auch immer wieder Hilferufe von Gestrandeten, die plötzlich, von Wasser umgeben, auf der Landzunge in der Oder stehen und nicht weiter wissen", berichtet die Frau aus der Lebuser Touristinformation.

Auf der offiziellen Route neben der Straße beginnt die "Bergetappe" des Brandenburger Abschnitts des Radweges. Kurz vor Lebus hat man die Wahl: Geradeaus weiter, an der Straße entlang, direkt zum Supermarkt am Stadtrand oder nach rechts, in den Wald. Empfohlen wird letzteres: Neben dem renaturierten Mühlenfließ radelt man durch herrlichen Mischwald. Wo der Radweg nach links abbiegt und bergauf, in Richtung Lebus führt, empfiehlt sich ein Abstecher: Nach einem kurzen unbefestigten Stück Fahrweg beginnt an einem Rastplatz, erstmals wieder mit Blick auf den Fluss, die Pflasterstraße auf die höchste Erhebung hinauf, zur Europäischen Naturerlebnisstätte "Oderberge Lebus". Ein Verein, die Kindervereinigung Seelow, hat die einstige Landeslehrstätte für Naturschutz im vorigen Jahr übernommen. Seit dem Frühjahr bieten die neuen Herren auf dem Berg auch für Radtouristen und ganze Gruppen Übernachtungen an - grandiose Aussicht inklusive. Geöffnet ist das Camp täglich, das neue Café erwartet von April bis Oktober freitags bis sonntags, jeweils von 10 bis 18 Uhr, hungrige und durstige Gäste.

Apropos Hunger und Durst: Wer Lebus auf dem Radweg verlässt, der sollte vorher Lebensmittel "getankt" haben. Denn auf den nächsten 25 Kilometern bis nach Küstrin-Kietz gibt es direkt am Weg weder einen Gasthof noch einen Kiosk oder Imbisswagen!

Doch niemand sollte Lebus den Rücken kehren, ohne zuvor auf dem Schlossberg gewesen zu sein. Seit dem vorigen Jahr kann man dort die Nachbildung der mittelalterlichen Burg sehen - als 70 Zentimeter hohes Relief aus Cortenstahl, mit Brücke über den Burggraben und Burgfried.

An der Gaststätte "Anglerheim" vorbei, verlassen die Radfahrer die Lebuser Altstadt. Von hier geht es wieder an der Oder entlang. Nach etwa neun Kilometern lockt am Abzweig nach Reitwein nicht nur die Aussicht auf eine Einkehr - in die Gaststätte "Am Reitweiner Sporn" oder am Wochenende ins Gasthaus "Zum Heiratsmarkt, sondern auch ein Ausflug in den Wald: Vom Berg, dem Sporn aus, hat Marschall Shukow im Frühjahr 1945 den Angriff auf die Seelower Höhen und damit den Beginn der letzten großen Offensive des Zweiten Weltkrieges, den Sturm auf Berlin, befehligt. Reste der damaligen Stellungen sind noch zu sehen.

Nach dem acht Kilometer langen Abstecher an der Oder zurück, gelangt man auf dem Deich-Radweg direkt nach Küstrin-Kietz.

Auf der Strecke kann der Reiseführer "Oder & Neiße so gesehen" nützlich sein, den Absolventen der Frankfurter Europa-Uni in ihrem Unternehmen Scotty Scout herausgegeben haben. 10,90 Euro, www.scotty-scout.com. Die nächste Etappe von "Grenzenlos radeln" auf dem Oder-Neiße-Radweg führt von Küstrin nach Groß Neuendorf (Teil 7). Die Tour-Beschreibung finden Sie in der Dienstagsausgabe.

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TT 01.08.2015 - 07:26:55

Radsport

Als langjähriger MOZ-Abonnent muss ich mal etwas los werden. Ich stelle fest, dass ich in letzter Zeit nur noch Artikel zum Radeln in der MOZ lese, Tendenz steigend. Also wenn ich Radsportfan bin abonniere ich eine Radsportzeitung, dafür habe ich die MOZ nicht bestellt. Sie füllen nunmehr bereits ganze Seiten mit Ihren Radsportthemen, da überlegt man sich doch, inwieweit die MOZ noch die richtige Tageszeitung für einen sich über regionale Themen informierenden Bürger ist.

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