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Abstecher in Preußens Vergangenheit

Doris Steinkraus / 28.07.2015, 05:31 Uhr
Küstrin (MOZ) Der Oder-Neiße-Radweg verbindet zwei Flüsse, drei Länder und jede Menge Landschaft. In einer Serie stellen wir vor allem jenen Teil des Weges vor, der durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung führt, verbunden mit Tipps für Tagesausflüge ans östliche Ufer in Polen. Heute: Von Küstrin bis Groß Neuendorf.

Wincent, Malte, Simon und Emma sind voraus gestrampelt. Jetzt stehen sie, aus Richtung Frankfurt kommend, am Ende des Deichweges und überlegen, wo es lang gehen könnte. "Ein klassisches Manko", stellt Mutter Beate Gilbrich nüchtern fest. "Hier müsste ein Schild stehen, wo der Oder-Neiße-Radweg denn nun weiterführt." Doch das fehlt.

So mancher radelt gefühlsmäßig nach rechts weiter, um dann vor der Grenzbrücke wieder kehrt zu machen. Wenn man, wie die Gilbrichs und Rosinskis, nicht nach Polen will, sondern nach Kuhbrücke. Dort haben die Sachsen bei Fischer Schneider eine Übernachtung gebucht. Ihr Ziel ist die Ostsee. Gestartet sind die Dresdener in Görlitz. An diesem Morgen hat ihre Tagesetappe in Brieskow-Finkenherd begonnen. Von Kuhbrücke aus wollen sie es am nächsten Tag bis in den Nationalpark Unteres Odertal schaffen.

Es fahre sich prima, sagen sie. Nur mit der Ausschilderung habe es bis zur Neiße-Mündung deutlich besser geklappt. Es gäbe auch kaum Stationen, die zur Rast einladen, weil man bei solch großen Etappen nicht so gern auch noch Abstecher ins Landesinnere plant. Fischer Schneiders Rast- und Schlafplatz ist für die Gruppe nach mehr als 60 Kilometern ein guter Anlaufpunkt. Zu ihm kommen sie, wenn sie nach links kurz in den Ort hinein fahren und einen Tunnel unter der Bahn passieren.

Elisabeth und Reinhard Veerkamp, ein Ehepaar aus Mettingen (Nordrhein Westfalen), ist vom R 1 aus auf den Oder-Neiße-Radweg gekommen. Ein Stück verlaufen beide Radwege gemeinsam. Von Buckow aus erkundet das Ehepaar täglich die Umgebung. "Wir wollen das alte Küstrin sehen", sagen sie und fahren durch den Ort über die Insel über die Oderbrücke.

Auf der polnischen Seite grüßen Schilder von Hotels, Restaurants. Es gibt den großen Markt, Geschäfte und vor allem Geschichte.

Polen hat seit einigen Jahren sein Verhältnis zur preußischen Geschichte komplett verändert. Die im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombte Altstadt wurde freigelegt. Alte Straßenzüge sind erkennbar, markante Punkte wie Kirche oder Schloss mit Tafeln sichtbar gemacht. Im Berliner Tor gibts Informationen auch auf Deutsch. An den großen Tafeln kann sich jeder in die Geschichte der einstigen Festungs-Stadt einlesen. Die Festung entstand schon 1537-68 unter der Herrschaft des Johannes von Hohenzollern. Ein großer Granitstein erinnert an ihn, ein Bronze-Relief an Hans-Hermann von Katte. Der wurde in der Festung geköpft, weil er seinem Freund, dem Kronprinzen Friedrich, der als der Große und als Alter Fritz in die preußische Geschichte einging, zur Flucht verhelfen wollte.

"Es gibt aber auch viel auf Radtouren weiter ins Land zu entdecken", wirbt Julia Bork im Festungsmuseum. Man findet sie und ihre Kollegen sofort hinter der Grenze, in einem der früheren Abfertigungsgebäude. "Ein gut 40 Kilometer langer Radweg führt durch den Nationalpark Warthemündung", berichtet Julia Bork. Das Gebiet sei ein einzigartiger Aufenthaltsort für Wasservögel. Mehr als 250 Vogelarten leben dort. Dafür lohnt es sich, einen Tagesstopp einzulegen und zu übernachten. Möglichkeiten gibt es viele, auch auf deutscher Seite, wie in Fischer Schneiders Ferienparadies in Kuhbrücke, direkt an der Oder.

Wer sich von dort aus weiter Richtung Ostsee aufs Rad schwingt, erlebt eine abwechslungsreiche und leichte Strecke. Die meiste Zeit geht es direkt auf dem Deichradweg entlang. Nur auf wenigen Abschnitten muss der Radler runter auf die Deichstraße. Dort, wo besonders viele seltene Vögel leben - wie Roßfußfalke, Klappergrasmücke, Austernfischer und Kernbeißer - wurde der Radweg nicht auf der Deichkrone gebaut. Auf fast schnurgerader Strecke bestimmen weite Sichten die Landschaft.

Erst in Kienitz, gut 35 Kilometer von Küstrin entfernt, wird es wieder etwas lebendiger. Hier locken eine Radfahrkirche sowie der Gasthof am Deich. Nur zwei Kilometer weiter wirbt Groß Neuendorf als "Kulturhafen". Wo einst Getreide ver- und entladen wurde, gibts heute im Verladeturm eine noble Ferienunterkunft und ein Café. Im Maschinenhaus kann man mit Blick auf die Oder gemütlich speisen und auch Quartier beziehen. Eine Skateranlage, wie viele Städte sie sich wünschen, wartet das ganze Jahr auf sportlichen Nachwuchs. Der Ort hat auch einen der wenigen erhalten gebliebenen jüdischen Friedhöfe.

In der Donnerstagausgabe lesen Sie: Von Groß Neuendorf aus weiter nach Zollbrücke und Hohenwutzen (Teil 8). Auf der Strecke kann der Reiseführer "Oder & Neiße so gesehen" nützlich sein, den Absolventen der Frankfurter Europa-Uni in ihrem Unternehmen Scotty Scout herausgegeben haben. 10,90 Euro, www.scottyscout.com

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Reinhard Veerkamp Entladen Scotty Scout Abstecher Verbreitungsgebiet

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Benno Koch 28.07.2015 - 12:34:04

Bahn boykottieren und mit dem Fahrrad durchs Blatt holpern

Die Redaktion der Märkischen Oderzeitung "strampelt" sich also an einem früheren "Abfertigungsgebäude" "sofort hinter der Grenze" ab (davor liegt die Festung, das Berliner Tor und eine weitere Touristinfo im Museum ...) und kriegt nicht mal offizielle Bezeichnungen wie die "Radwegekirche" Kienitz, einen "Deichverteidigungsweg" oder "Nordrhein-Westfalen" fehlerfrei hin – ist das wirklich Journalismus? Der Text und die Grafik der MOZ zum Oder-Neiße-Radweg ist ein einziges Rumgeholper, wie ich es heute zum Thema Fahrradtourismus eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hatte. So wie auf der Übersichtskarte zur Serie, sind auch auf den Einzelkarten keinerlei Bahnhöfe eingezeichnet - im wahren, normalen Leben boykottiert die Märkische Oderzeitung ganz offensichtlich die Bahn. Und zeichnet stattdessen fett alle Bundesstraßen und Autobahnen ein, die zum Rad fahren vollkommen uninteressant sind. Um sich dann an anderer Stelle zum Retter des Abendlandes aufzuspielen, wenn bei der Bahn mal was schief geht. Auch die auf den Karten der Märkischen Oderzeitung eingezeichneten Streckenführungen des Oder-Neiße-Radweges sind außer fett, einfach nur falsch. In diesem Artikel von heute liegen unter den Bildern unter anderem auch die Einzelkarten - siehe http://www.moz.de/bild-ansicht/dg/0/3/1409265/1022682172/. Hier liegt der rote MOZ-Strich zum Beispiel von der eigentlichen Strecke durch Brieskow-Finkenheerd, Lossow und über den legendären Buschmühlenweg mehr als einen Kilometer weiter östlich. Auch wenn ein echter Oder-Radweg in diesem Abschnitt direkt an der Oder wünschenswert wäre. Zuletzt sind wir hier in diesem Frühjahr von besorgten Frankfurter Autofahrern zusammengehupt worden: http://fotos.benno-koch.de/v/Gefuehrte_Radtouren/Eintagesradtouren/Benno_Koch/Schlaubetal-Grunow-Eisenhuettenstadt-Frankfurt-Oder/P1110538.JPG.html Ich habe für die Strecke Eisenhüttenstadt - Frankfurt (Oder) mal die tatsächliche Linienführung des Oder-Neiße-Radweges eingezeichnet. So sehen Karten heute aus: https://www.komoot.de/tour/6008396

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