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Straße von Gozdowice nach Osinow Dolny in Polen bietet Alternative zum Radeln auf dem Deich

Kurvenreiche Strecke entlang der Oder

Auf dem Weg nach Norden: Ursula und Werner Schmidt aus Niedersachsen rasten vor einer Plastik, die an die Kämpfe 1945 erinnert. Das Ehepaar fährt auf dem polnischen Ufer der Oder von Küstrin in Richtung Schwedt.
Auf dem Weg nach Norden: Ursula und Werner Schmidt aus Niedersachsen rasten vor einer Plastik, die an die Kämpfe 1945 erinnert. Das Ehepaar fährt auf dem polnischen Ufer der Oder von Küstrin in Richtung Schwedt. © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 31.07.2015, 05:48 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Der Oder-Neiße-Radweg verbindet zwei Flüsse, drei Länder und jede Menge Landschaft. In einer Serie stellen wir vor allem jenen Teil des Weges vor, der durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung führt, verbunden mit Tipps für Tagesausflüge ans östliche Ufer in Polen. Heute: von Gozdowice (Güstebiese) nach Osinow Dolny (Niederwutzen).

Wer den Oder-Neiße-Radweg fährt und gelegentlich eine Abwechslung zum Radeln auf dem Deich sucht, dem ist die Strecke von Gozdowice nach Osinow Dolny zu empfehlen. Knapp 20 Kilometer schlängelt sich die Straße am Ufer der Oder entlang, das auf polnischer Seite vollkommen ursprünglich und dicht bewaldet ist.

Vom Oder-Neiße-Radweg führt eine Zubringerstraße zum Fähranleger in Güstebieser Loose. Mit der Fähre "Bez Granic", was "Ohne Grenzen" bedeutet, lässt es sich bequem übersetzen. Passagiere zahlen 0,75 Euro, pro Fahrrad 1,50 Euro. Seit 2007 verkehrt das Schiff zwischen Gozdowice und Güstebieser Loose. Die Fähre ist ein aus EU-Mitteln gefördertes deutsch-polnisches Gemeinschaftswerk. Betrieben wird sie von der Stadt Mieszkowice (Bärwalde). "Wir fahren heute, trotz der stürmischen Böen", sagte der Kapitän am Donnerstag. Unter den Passagieren seien viele Radfahrer. Bis zu 20 könnten bei einer Tour mitfahren.

Am polnischen Ufer angekommen geht es zuerst bergauf, aber bald kann man das Rad wieder rollen lassen. Es geht immer wieder leicht bergauf und bergab, die Straße ist kurvig. Zwischendurch lassen die Bäume den Blick frei auf feuchte Wiesen und Nebenarme der Oder, wo sich zahlreiche Vögel tummeln.

"Es fährt sich hier super, die Straße ist ganz ruhig, obwohl sie den Rang einer Bundesstraße hat", sagte Werner Schmidt. Mit seiner Frau Ursula fährt er den Oder-Neiße-Radweg in Richtung Norden. Von Küstrin bis in Höhe Schwedt will das Ehepaar aus Norddeutschland auf polnischer Seite fahren.

Begonnen haben die Norddeutschen ihre Tour im sächsischen Zittau. Sie übernachten in Pensionen und Gasthäusern. "Wir nehmen, was kommt", sagte Ursula Schmidt. Ihre erste Nacht auf polnischem Boden hatten sie in einem privaten Zimmer am Rande von Stare Lysogorki (Alt Lietzegöricke). "Die Leute waren sehr nett", sagte sie. 50 bis 60 Kilometer schaffen sie pro Tag.

Werner Schmidt interessiert sich für die Geschichte. Steinerne Zeugnisse wie Denkmäler und auch der Soldatenfriedhof bei Siekierki (Zäckerick) findet man an der Straße zuhauf. "Es ist sehr bedrückend, wie viele Menschen noch im April 1945 ihr Leben ließen", sagte Werner Schmidt und fügte nachdenklich hinzu: "Wir sind froh und dankbar, in Wohlstand und Frieden zu leben."

Verträumte Dörfer liegen an der Strecke. Stare Lysogorki ist etwas größer, es gibt Läden, um etwas einzukaufen. Alte und zum Teil liebevoll sanierte Fachwerkhäuser säumen die Hauptstraße. Gasthäuser und Pensionen laden zum Übernachten ein. Auch ein Familienvater aus Koszalin ist mit seinem halbwüchsigen Sohn per Rad unterwegs. Sie fahren von Küstrin nach Stettin und nutzten am Mittwoch die Fähre, um die Oder zu überqueren.

Wer etwas mehr Zeit hat, dem sei ein Abstecher nach Moryn empfohlen. Von Stare Lysogorki führt eine schmale Straße elf Kilometer mitten durch den Wald vorbei an Mooren. Von weitem ist die Feldsteinkirche zu sehen. Die Stadt ist von einer Stadtmauer umschlossen, nur die Torhäuser fehlen. Moryn liegt an einem See, der zum Baden einlädt.

Am Ziel in Osinow Dolny gibt es auf dem Markt viele Imbisse, um sich stärken. Wem der Trubel zu viel ist, kann über die Brücke fahren und in Hohenwutzen wieder auf den Oder-Neiße Radweg wechseln oder weiter fahren.

In der Wochenendausgabe lesen Sie: Vorbei an einem der dicksten Burgtürme Deutschlands - von Hohensaaten nach Schwedt.(Teil 10). Auf der Strecke kann der Reiseführer "Oder & Neiße so gesehen" nützlich sein, den Absolventen der Europa-Universität im Unternehmen Scotty Scout herausgegeben haben (10,90 Euro); www.scottyscout.com.

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Ursula Schmidt Verbreitungsgebiet Werner Schmidt Tagesausflug

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