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"Die Hügel kommen bei Stolpe"

Unterwegs auf dem Oder-Neiße-Radweg: Bei Lunow (Märkisch-Oderland) informiert sich Familie Brandt am Wegesrand an einer Hinweistafel über den Weg durch den Nationalpark Unteres Odertal. Das Ehepaar ist von Frankfurt nach Hiddensee unterwegs.
Unterwegs auf dem Oder-Neiße-Radweg: Bei Lunow (Märkisch-Oderland) informiert sich Familie Brandt am Wegesrand an einer Hinweistafel über den Weg durch den Nationalpark Unteres Odertal. Das Ehepaar ist von Frankfurt nach Hiddensee unterwegs. © Foto: Matthias Bruck
Dietmar Rietz / 01.08.2015, 06:55 Uhr
Schwedt (MOZ) Der Oder-Neiße-Radweg verbindet zwei Flüsse, drei Länder und jede Menge Landschaft. In einer Serie stellen wir vor allem jenen Teil des Weges vor, der durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung führt, verbunden mit Tipps für Tagesausflüge ans östliche Ufer in Polen. Heute: Von Hohensaaten nach Schwedt.

Heike und Uwe Brandt legen ihre erste Pause in Hohensaaten ein. Das Hallenser Ehepaar ist am Morgen im polnischen Cedynia aufgebrochen, wo es übernachtet hatte. Ihre Radtour auf dem Oder-Neiße-Radweg hatten sie am Vortag in Frankfurt begonnen, ihr Ziel ist die Ostsee, Hiddensee. "Da ist es ganz gut, dass wir mit dem Fahrrad fahren, mit dem Auto darf man ja ohnehin nicht nach Hiddensee", witzelt Uwe Brandt. Hier entlang des Oderstroms geht es auf gerader, ebener Strecke auch mit Pedalkraft gut vorwärts. "Die Hügel kommen später, wenn wir in Stolpe auf den Uckermark-Rundweg abbiegen, um dann bei Angermünde auf den Berlin-Usedom-Radweg zu wechseln", beschreibt er die geplante Tour.

Zunächst aber bestaunen die beiden die gewaltigen Hohensaatener Schleusenbauwerke. Hier stößt der Oder-Havelkanal auf die Oder. Gleichzeitig beginnt hier die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die parallel zur Stromoder verläuft und das Untere Odertal begrenzt, das hier beginnt.

Weiter geht's auf dem Deich, der nächste Stopp folgt nur drei Kilometer weiter: Lunow. Zeit für ein zweites Frühstück. Die beiden Radler überqueren die Kanalbrücke und erradeln sich den Ort. Hier gibt es einen guten Landfleischer, haben ihnen Einheimische auf dem Deich verraten. "Da müsst ihr hinfahren, der macht die Wurst und den Schinken noch nach alten Familienrezepturen", berichtet Heike Brandt und lässt sich das Brötchen mit dem saftigen Kochschinken schmecken.

"Der Radweg bringt uns viel Laufkundschaft", berichtet die Verkäuferin, die in der Lunower Landfleischerei hinter der Theke steht. Das Geschäft mit dem Imbiss, den der Fleischer anbietet, läuft gut.

Die Brandts machen noch kurz einen Abstecher zur Lunower Kirche, die aus dem 13.Jahrhundert stammt. "Eine schöne kleine Dorkirche", befindet Uwe Brandt, ehe er sich wieder auf das Rad schwingt. Dabei sind die Zeitläufe nicht spurlos an dem Lunower Gotteshaus vorbeigegangen. Im 30-jährigen Krieg wurde sie arg gebeutelt und im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, am Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Turm beschossen und schwer beschädigt, erst 2007 wurde die Turmspitze abgenommen und saniert.

In Stolpe verabschiedet sich Familie Brandt vom Oder-Neiße Radweg und biegt Richtung Angermünde ab, nicht allerdings ohne sich vorher den Grützpott anzuschauen. Der alte Bergfried aus dem 12. Jahrhundert thront ist weithin sichtbar auf einem Hügel über dem Ort. Mit seinen 18 Metern Außendurchmesser gilt er als einer der dicksten Burgtürme Deutschlands. Sein Name Grützpott geht auf eine Sage zurück: Bei der Verteidigung des Turmes sollen die Bewohner heiße Grütze auf die Angreifer geschüttet haben. Nach der Zerstörung der Burg war der Turm viele Jahrhunderte lang nicht zugänglich, erst nach seiner Sanierung vor acht Jahren wurde er im Frühjahr 2008 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Während Brandts sich den Turm anschauen, gibt eine Gruppe Jugendlicher aus Ebers-walde auf dem Radweg Richtung Schwedt Gas. Sie sind zu einer Gartenparty bei Schwedt eingeladen. Vorbei geht es an Stützkow, Criewen und Zützen.

In Criewen lassen sie die Schlossanlage links liegen. Ihnen ist nicht nach einer Pause im idyllischen Lenné-Park zumute. Auch das Nationalpark-Zentrum, das sich auf dem Schlossareal befindet, interessiert sie, zumindest für heute, nicht. Die Party ruft.

Die Radfahrer, die nach Schwedt kommen, erleben auf den ersten Blick eine Plattenbaustadt, in der kaum etwas an die reiche und wechselvolle Geschichte des 750 Jahre alten Ortes erinnert. Das Jubiläum feiert Schwedt am 26. und 27. September mit einem großen Stadtfest.

Doch der erste Eindruck täuscht. Der Berlischky-Pavillon zeugt von der Ansiedlung der Hugenotten nach dem 30-jährigen Krieg, die in diesem Gebäude ihre französisch reformierte Kirche einrichteten, Die Mikwe, das alte jüdische Ritualbad an der Stadtmauer, gibt Aufschluss über die einst große jüdische Gemeinde der Stadt. Das Parkschlösschen Monplaisir erinnert an die prachtvolle Lebensart, welche die in der Stadt heimischen Markgrafen einst pflegten.

In der Dienstagausgabe lesen Sie: Von Schwedt nach Chojna/Polen und ins Tal der Liebe (Teil 11). Auf der Strecke kann der Reiseführer "Oder & Neiße so gesehen" nützlich sein, den Absolventen der Europa-Uni in ihrem Unternehmen Scotty Scout herausgegeben haben (10,90 Euro); www.scottyscout.com

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