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Bernd Kleist von den Meck Schweizern informierte im Arbeitsraum Oderbruch Möglichkeit zur Etablierung einer Regionalmarke

Vermarktung
Kurze Wege für regionale Produkte

Ulf Grieger / 19.02.2018, 07:00 Uhr
Letschin (MOZ) Landwirte, Imker, Touristiker und Interessierte habe sich am Sonnabend in der Alten Schule Letschin von den Meck-Schweizern erklären lassen, wie regionale Vermarktung möglich ist. Bernd Kleist aus Gessin war beim "Arbeitsraum Oderbruch" zu Gast.

Den Anschub hatte die Kirche gegeben. Die hatte 2014 die Idee, die Fastenzeit, die ja gerade wieder begonnen hat, einmal ganz bewusst regional zu gestalten. "Sieben Wochen mit Produkten aus der Region" hieß das Motto, das da in den Kirchen der Mecklenburgischen Schweiz, also der Region zwischen Bützow und Jarmen, ausgegeben wurde. Für Bernd Kleist, der mit seiner Frau Maria in dem 60-Seelen-Dorf Gessin einen Bioladen mit Tagescafé betreibt, war begeistert. "Doch als ich meine Produkte ausweisen wollte, die aus der Region kommen, war ich erstaunt. Ich hatte vorher 100 Aufkleber gestaltet. Aber nur 40 regionale Angebote", schildert er. "Und wir fragten uns: Was ist überhaupt regional?"

Da er ohnehin beobachtet hatte, wie sich die Einzelhändler aus den Dörfer zurückzieht und die Versorgung durch die großen Supermärkte erfolgt, war er auf der Suche nach Gleichgesinnten, um etwas dagegenzusetzen. Dass ein Dorfladen weitaus mehr ist als eine Versorgungsquelle, brauchte er den Teilnehmern der Runde in Letschin nicht groß zu erläutern. Der Letschiner Imker Ralf H. Janetschek, die Landwirte Hanna und Johannes Erz aus Rathstock, Sabine Brandenburg aus Basta, Rainer Drossel aus Letschin, Grit Körmer und Sabine Pohl aus der Märkischen Schweiz, Susanne Reid aus Zechin sowie Barbara Brunat vom Erklenhof und Mario Hofmann vom STIC MOL haben selbst schon Erfahrungen gesammelt und waren sehr an denen aus der Mecklenburgischen Schweiz interessiert.

Bernd Kleist machte deutlich, dass es von Beginn an nicht nur um Bioprodukte ging. Im Vordergrund stehe die Regionalität, also der Vertrieb von Produkten aus einem recht genau abgegrenzten Gebiet. Mit Gleichgesinnten, das waren Gastronomen, Landwirte, Bäcker, Fleischer, Touristiker, wurde zunächst ein Verein gegründet, der die Regionalmarke Meck Schweizer entwickeln sollte. Daus wurde bald eine Genossenschaft, die ihren Sitz in dem Gessiner Bioladen von Bernd Kleist hat. Um die Produkte aus der Region tatsächlich in der Region verbreiten zu können, musste eine eigene Logistik aufgebaut werden. Denn keines der angefragten Busunternehmen, Postverteilzentren oder Fahrdienste wollte das übernehmen. Dafür wurde eine GmbH gegründet.

Die in der Genossenschaft vereinten Anbieter, Händler und Gastronomen stellen ihre verfügbaren Produkte auf eine Internetplattform ein und damit für die andren Genossenschaftler zur Verfügung. "Das funktioniert wie ein Internet-Kaufhaus für einen eingegrenzten Nutzerstamm", so Kleist.

Lange Diskussionen habe es dazu gegeben, welche Produkte sich mit dem Logo schmücken können und wie diese Herkunft kontrolliert werden soll. Geeinigt habe man sich darauf, das unverarbeitete Lebensmittel zu 100 Prozent aus der Region kommen müssen, um unter dem Regionallabel verkauft zu werden. Bei weiterverarbeiteten Produkten soll diese Verarbeitung so nah als möglich erfolgen und die Zutaten sollen ebenso aus der Nähe kommen. Die Meck Schweizer haben das Problem, dass es in der Mecklenburgischen Schweiz keine Milchverarbeitung gibt. Aber die gibt es in Brandenburg ebensowenig wie es hierzulande keine Zuckerfabrik und ähnliches gibt. "Wir sind auf die Suche nach Partnern gegangen, um zum Beispiel Termine in Schlachthöfen zu bekommen", so Kleist. Er machte deutlich, dass man in Bayern bereits viel weiter sei und dort eine bessere Förderung solcher Initiative erfolge. In der Debatte wurde klar, dass es mit der Nähe zu Polen und Berlin hier noch mal ganze andere Möglichkeiten gibt.

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