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Trotz Hitze herrscht Bewegung an den Ständen der Last-Minute-Lehrstellen-Börse am Donnerstag im Paul-Wunderlich-Haus von Eberswalde.

Stellenbörse
Firmen in der Bewerberrolle

Marco Marschall / 07.06.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 07.06.2019, 08:32
Eberswalde (MOZ) Aus Angermünde hat sich Alexander Bailleu auf den Weg zum Paul-Wunderlich-Haus gemacht. Mit Faltblättern verlässt er die diesjährige Last-Minute-Stellenbörse, organisiert von Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer. Für den 16-Jährigen war nichts dabei. "Ich suche etwas in Richtung IT-Elektronik", sagt er. Das sei nicht ganz so leicht, habe man ihm am IHK-Stand mitgeteilt. Die Branche bevorzuge Abitur. Alexander, der jetzt die zehnte Klasse beendet, will weiter am Berufswunsch festhalten. Daheim habe er schon oft Komponenten am PC ausgetauscht, hat einen Faible für die Technik.

Gegen Mittag ist die Ausbildungsbörse nicht überfüllt, aber es herrscht Betrieb. Das ist auch der Eindruck von Maja Teske, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit. "Wir hatten schon befürchtet, dass aufgrund des Wetters weniger kommen", sagt sie. Am Ende werden es 160 Besucher sein und laut Arbeitsagentur zufriedene Aussteller. 28 Ausbildungsbetriebe, die meisten aus dem Barnim aber auch viele aus Märkisch-Oderland, haben sich in diesem Jahr für die Messe eingefunden – so viele, wie noch nie zuvor. Für Maja Teske ein Zeichen dafür, dass der Termin etwas bringt.

Mehr als 800 freie Lehrstellen

1012 unversorgte potenzielle Bewerber auf die noch freien 833 betrieblichen Ausbildungsplätze zählt der Agenturbezirk Eberswalde, zu dem die Landkreise Barnim und Uckermark gehören. Und trotzdem werden am Ende wohl eher Lehrstellen übrig bleiben. Nicht jeder der über 1000 Kandidaten in der Statistik strebt an, einen Beruf zu erlernen. Viele liebäugeln mit einem Studienplatz im Herbst oder dem Sabbatjahr. "Die Studierneigung ist doch hoch", sagt Maja Teske. Ein Grund mehr für Arbeitgeber, auf die Jugendlichen ohne Abi zu setzen. Das sieht auch die Berufsberaterin ähnlich. Beide Seiten, sprich Betriebe und Bewerber, täten gut daran, davon wegzukommen, dass man in jedem Fall Abitur benötigt. Auch wer sich nach der Schule entschließt, die Fachoberschulreife zu erwerben, fehle letztlich auf dem Ausbildungsmarkt.

Viele Unternehmen sehen sich deshalb längst in der Bewerberrolle und nehmen Gelegenheiten, wie die Last-Minute-Stellenbörse am Donnerstag dankend an. Die Veranstaltung hilft durchaus. Das zeigt sich beispielsweise am Tisch des Schienenfahrzeugbaus Wittenberge, dem Betreiber des Bahnwerkes Eberswalde. "Mit fünf Leuten haben wir heute Gespräche geführt und mit dreien ein Praktikum vereinbart", berichtet Cornelia Schlischka von der Personalabteilung des Unternehmens.

Fünf Lehrstellen als Mechatroniker hat sie zu vergeben. Drei sind noch offen. Kommen alle drei zum Praktikum und finden Gefallen, ist der Betrieb in vergleichsweise komfortabler Lage. Entscheidend sei aber letztlich, wer am 1. September zum Start der Ausbildung da ist. Letztlich sind es doch die Jugendlichen, die die Wahlmöglichkeiten haben, nicht die Betriebe. Während beim Schienenfahrzeugbau vor Jahren noch um die 30 Bewerbungen eingingen, waren es im vergangenen Jahr nur noch zwölf.

Anforderungen reduziert

Definitiv in der Bewerberrolle sieht sich Katja Brückner vom Unternehmen Drei Schilde, das Azubis für den Beruf des Malers und Lackierers sowie Bodenlegers sucht. "Der Ansturm hält sich in Grenzen", bewertet sie die Ausbeute eine Stunde vor  Ende der Börse, die von 9 bis 13 Uhr stattfand. Immerhin: knapp zehn Gespräche wurden geführt. Bei Zweien sei sie guter Dinge. Der 50-Mitarbeiterbetrieb hat drei Lehrstellen zu vergeben. Anders als in den Vorjahren sind alle noch frei. Was den Abschluss betrifft, habe man die Anforderungen bereits heruntergeschraubt. Mittlere Reife sei wünschenswert, aber auch eine Bewerbung mit Hauptschulabschluss möglich.

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