Hannah gehört zur ganz harten Truppe. Als Fire-Jumperin springt sie dort hin, von wo andere das Weite suchen. Waldbrände sind ihr Job, vor allem jene Stellen, die normale Feuerwehren nicht erreichen können. Seitdem sie aber mit ansehen musste, wie drei Teenager in den Flammen starben, ist die Brünette nicht mehr für den aktiven Dienst zugelassen.

Kind auf der Flucht vor den Killern

Ein Feuerwachturm mitten in den unendlichen Wäldern Montanas ist ihr neuer Job-Mittelpunkt. Ruhiger wird es trotzdem nicht. Denn Hannah hat ihren neuen Dienst noch gar nicht richtig angetreten, da läuft ihr ein blutüberströmter Junge über den Weg. Der traumatisierte Zwölfjährige ist ganz offensichtlich auf der Flucht vor einem Killerkommando, das gerade dessen Vater getötet hat. Auch das Kind steht auf der Abschussliste, verfügt es doch über Informationen, die bis in hohe Regierungskreise hinein ordentlich für Wirbel sorgen können.
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So richtig kann sich Hannah keinen Reim auf die Geschichte machen. Fakt ist jedenfalls, dass sie und der Junge das Weite suchen müssen. Mitten in einem Gewittersturm, die Häscher im Nacken und im Angesicht eines Feuers, das diese gelegt haben. So groß die Gefahr auch sein mag, die Fire-Jumperin ist nun in ihrem Element, kennt sich aus mitten in der Apokalypse und scheint genau die Richtige zu sein, dem Kind und dessen Wissen das Überleben zu sichern.

Jolie zurück bei der Action

Sieh an, Angelina Jolie gibt sich mal wieder die Ehre. Das letzte Mal nennenswert stand sie für „Maleficent - Mächte der Finsternis“ vor der Kamera. So richtig viele Filme hat die Ex-Lara-Croft also in der vergangenen Dekade ja nicht abgedreht. Und schon gar nicht im Action-Genre. Hier aber fühlt sich die mittlerweile 46-jährige offensichtlich wohl, wie diese Mischung aus Action, Crime und Katastrophe beweist. Vor allem wohl auch, weil sich Jolie als taffe Frau unter lauter Männern unangepasst und draufgängerisch zeigen darf. Zugleich lässt sie ihren Mutter- und Beschützerinstinkt aufblitzen, Kleinigkeit als Vielfach-Mama.

Geschichte ohne Hintergrund

Mit Angelina also hat Taylor Sheridan ein erstes heißes Besetzungseisen im Feuer. Kann aber auch in den weiteren Rollen durchaus mit bekannten Gesichtern glänzen. Jon Bernthal in einer sympathischen und mutigen Rolle, Nicholas Hoult und Aidan Gillen als überzeugende Fieslinge. Das passt alles. Darüber hinaus ist für den Regisseur vor allem der Weg das Ziel. Denn welche brisanten Informationen hier einige Leben kosten und für die ein halber Bundesstaat abgefackelt wird, erfährt der Zuschauer nicht. Es gibt lediglich wage Andeutungen auf regierungsnahe Kreise. Insofern transportiert der Film ein Stück Paranoia-Kino aus den 70-ern in die Neuzeit, siehe beispielsweise „Das Domino Komplott“.

Spektakuläre Feuer

Mit dem Verzicht auf eine erklärende Geschichte läuft Sheridan auch nicht Gefahr, sich im Logik-Netz zu verzetteln. Die Killer wollen den Jungen und tun fast alles dafür, ihn zu bekommen. Und Hannah ist jedes Mittel recht, dies zu verhindern. Klare, einfache Fronten. Die Action dazwischen ist gut, kurzweilig und ordentlich im Tempo abgestimmt. Dazu gibt es teils spektakuläre (digitale) Effekte, vor allem in Sachen Waldbrand. Insgesamt ein spannender und unterhaltsamer Action-Thriller. Einzig die Altersfreigabe von Zwölf scheint angesichts der mitunter doch recht rabiaten Vorgehensweise vielleicht etwas niedrig angesetzt.

They want me dead

Genre: Action; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 100 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Taylor Sheridan; Angelina Jolie, Nicholas Hoult, Finn Little; Ca/USA 2021