Irgendwo in Arizona, nahe dem Grenzzaun zu Mexiko, betreibt Jim seine Rinderfarm. Die Geschäfte laufen schlecht und Geld hat Jim auch keines mehr. Die Zwangsversteigerung droht - genügend persönliche Probleme also für den 70-jährigen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich auch noch mit einem mexikanischen Drogenkartel anzulegen. Nicht absichtlich. Aber einmal in die Sache reingeschliddert will der Ex-Marine eine Illegale und deren Sohn nicht einfach jenen Typen überlassen, die offensichtlich nichts Gutes im Schilde führen.

Von Arizona nach Illinois

Mutter und Kind hat Jim am Grenzzaun aufgelesen und die bedrohende Aufforderung der Männer, beide zurück zu schicken, nicht befolgt. Im Schusswechsel darauf tötet er einen der Angreifer, auch die Frau stirbt in der Folge. Sie kann aber den Farmer noch bitten, das Kind zu Verwandten nach Chicago zu bringen. Von Arizona nach Illinois ist es nicht gerade ein Katzensprung, aber Jim fühlt sich verpflichtet und ergreift ja auch irgendwie die Flucht vor der eigenen trostlosen Lage.
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Doch der Weg in den Norden ist weit und nicht jeder Landsmann so edlen Gemüts. Wie sich zeigt, reichen die Kraken des Kartells nicht nur in den us-amerikanischen Untergrund, sondern auch in so manche Amtsstube. Auf Hilfe von dort will der Witwer eher nicht vertrauen und so kommt es, wie es kommen muss. Der Junge, Jim und ein Jagdgewehr auf der einen und die dunklen Typen auf der anderen Seite beim großen Showdown.

Im Stile Clint Eastwoods

Zugegeben, wenn man es nicht weiß, sticht es nicht sofort ins Auge. Wem aber bekannt ist, dass Regisseur Robert Lorenz an so manchen Film von Clint Eastwood mitgewirkt hat, dem werden sofort die Parallelen zur Erzählweise und Figurenfindung des Altmeisters klar. Im Mittelpunkt der Veteran, nicht Irak oder Afghanistan, nein, Vietnam ist das Thema. Selbst bis über beide Ohren in Schwierigkeiten edel genug, sofort anderen zu helfen. Und das in einer unaufgeregten, mitunter grummeligen Art. Ja, der Jim wäre auch eine gute Rolle für Eastwood gewesen. So aber ist es Liam Neeson geworden. Eben noch hat er in „Made in Italy“ ein Haus in der Toskana verkauft, nun macht er einen nicht ganz ungefährlichen Roadtrip durch die USA.

Idealbild des selbstlosen Helden

Damit kehrt der Nordire zur Action zurück, in der er sich die vergangenen Produktionen über doch recht wohl gefühlt zu haben scheint. Hier allerdings darf man weder ausufernde Kämpfe noch Shootouts erwarten. Alles läuft eine Spur ruhiger, ja, geradezu oldschool ab - wieder lässt Eastwood grüßen. Die Geschichte ist die vom uneigennützigen Retter von nebenan, dem selbstlosen Helden, der das Wohl der Schwachen vor sein eigenes stellt, selbst wenn diese illegal über die Grenze gekommen sind. Lorenz scheint ein wenig das idealisierte Menschenbild seines Lehrmeister fortschreiben zu wollen. Das ist insgesamt sehenswert, auch in der Kombi Figur-Natur-Handlung, hat aber mitunter auch Längen und ist in gewissem Sinne natürlich vorhersehbar.

The Marksman

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 108 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Robert Lorenz; Liam Neeson, Katheryn Winnick, Teresa Ruiz; USA 2021