Irgendwo inmitten der unwirtlichen Bergwelt des Hindukusch hatte die US-Army im Rahmen ihres Afghanistan-Einsatzes das Camp Keating errichtet. Ein Außenposten in einem kleinen Talkessel, umgeben von hohen Bergrücken. Rein und raus ging es nur per Hubschrauber bei Neumond. Denn bei Tage lag das Lager wie auf dem Präsentierteller für die Taliban der Umgebung.

Täglicher Beschuss

Und die zeigten auch jeden Tag per Beschuss, dass sie die knapp 50 Amerikaner - die hier auch afghanische Truppen ausbildeten und Hilfe in den umliegenden Dörfern leisteten - im Blick hatten. Meist harmlose Feuerüberfälle, derer man sich mit der mittlerweile bestens eingeschossenen Granatwerfer-Abteilung erwehrte. Allerdings gab es auch ernste Zwischenfälle mit Toten. Die Taliban hatten es dabei meist auf die Kommandeure abgesehen, von denen schon einige ihr Leben gaben.
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Die Planung katastrophal, die Unterhaltung kostspielig, der Nutzen gering - irgendwann dämmerte es der Militärführung, dass Keating auf Dauer nicht zu halten ist. Diese Info sickerte auch zu den Aufständischen durch, die darauf hin beschlossen, der sich in Auflösung befindlichen Truppe den Garaus zu machen. Wie schon monatelang erwartet, ergossen sich so eines Tages hunderte mittlerweile schwer bewaffnete Kämpfer über den Talkessel. Der Feind drückend überlegen hatten die GIs keine Rückzugsmöglichkeit, stiegen die Verluste an Toten und vor allem Verletzten dramatisch an. Und Hilfe war weit weg. Die Luftwaffe brauchte gut zwei Stunden, in denen es bei den Anwesenden nur noch ums nackte Überleben ging.

Blutigster Afghanistan-Einsatz

Der Kampf um Camp Keating ging als einer der schwersten und blutigsten in die Geschichte des US-Afghanistan-Einsatzes ein. Spätere Untersuchungen ergaben dann auch, dass die hohen Verluste einzig auf Versagen der zuständigen Militärführung zurückzuführen war. Welche Bedeutung schließlich dem zwölfstündigen Gemetzel beigemessen wurde zeigt, dass zwei US-Soldaten die „Medal of Honor“ verliehen bekamen. 50 Jahre lang war die höchste militärische Auszeichnung der Streitkräfte nicht mehr ausgereicht worden.

Helden ja, Glorifizierung nein

Rod Lurie hat das Kriegsdrama nach der Vorlage des CNN-Journalisten Jake Tapper in Szene gesetzt. Herausgekommen ist dabei in erster Linie ein Kriegs-Actioner, der dem Zuschauer die durchaus prekäre Lage der Amerikaner vor Augen führt. Dabei steht die Kritik an der Militärführung keineswegs im Focus, wird eher immer nur am Rande erwähnt. Lurie macht die GIs hier ganz klar zu Helden. Er zeigt vor allem auch, wie einzelne von ihnen sich im Camp und vor allem während des Kampfes verändern. Und, was die Erfahrung aus ihnen gemacht hat. Daher ist der Film weit weg von Glorifizierung, wenngleich ein wenig us-typisch Pathos mitspielt. Zurück hält sich der Regisseur bei der Beurteilung der Afghanen und Taliban. Er zeigt zwar das bestehende Misstrauen von Bewohnern zur ISAF-Truppe, macht aber die Angreifer nicht zu blutrünstigen Typen. Eher bleiben die Taliban in der Figurenzeichnung unberücksichtigt.

Mit Scott Eastwood und Orlando Bloom

Scott Eastwood und Orlando Bloom sind die bekanntesten Gesichter im Ensemble, wobei letzterer einen nur eher kurzen Auftritt hat. Im kriegerischen Setting ist dabei kein allzugroßes Schauspiel vonnöten. Wichtig ist nur der Durchhalte-Habitus und ein entschlossener Gesichtsausdruck. An beidem mangelt es Genannten nicht, andere kommen da deutlich zerbrechlicher ins Bild. Die Kampfhandlungen selbst sind kurzweilig und sicher authentisch choreografiert, so dass sich beim geneigten Zuschauer durchaus ein Gefühl von dabei, mit allen Vor- und Nachteilen einzustellen vermag.

The Outpost


Genre: Action; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 124 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Rod Lurie; Scott Eastwood, Orlando Bloom, Caleb Landry Jones; USA 2020