1880 sieht es so aus, als könnte Thomas Alva Edison die Früchte seiner Arbeit ernten. Der geniale Erfinder präsentierte nicht nur eine praxistaugliche Glühbirne, sondern begann auch damit, Licht in die US-Städte zu bringen. Weil seine Gleichstrom-Erzeuger den Strom aber nur über eine kurze Entfernung transportieren konnten, musste auch ein Netz von Generatoren aufgebaut werden.

Mit Tesla gegen Westinghouse

Das war mühsam und teuer. Doch viele Gemeinden waren bereit, für den Fortschritt tief in die Tasche zu greifen. Allerdings agierte Edison nicht allein am Markt. Auch George Westinghouse wollte ein Stück vom Kuchen abhaben. Der war zwar nur Unternehmer und hatte die Edison-Birne gekonnt kopieren lassen, setzte aber beim Netz auf Wechselstrom. Der ließ sich über längere Distanzen verbreiten und war so am Ende billiger.

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Selbst der junge und talentierte Erfinder Nikola Tesla konnte Edison nicht wirklich aus dem Dilemma helfen. Als sein Boss dann vor allem darauf setzte, Wechselstrom als absolut tödlich zu brandmarken, um so den Einfluss von Westinghouse zurück zu drängen, trennten sich die Wege der genialen Köpfe. Schließlich verlor Edison auch die Ausschreibung zur Elektrifizierung der Weltausstellung in Chicago und wandte sich anderen Erfindungen zu. Den Phonografen beispielsweise.

Erfinder des Swimmingpools

„Ich habe mich nicht geirrt, sondern 1000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert“ - kann man in der Edison & Ford Winter Estates in Fort Myers, Florida, im Laboratorium von Thomas Alva Edison nachlesen. Diese gewissermaßen sture Grundhaltung ist es auch, die Alfonso Gomez-Rejon in seinem Biopic über den Erfinder immer wieder herausstellt und die Benedict Cumberbatch so wunderbar in dieser Rolle lebt. Tatsächlich ist es der Charakterzug, nicht richtig gewürdigt und anerkannt zu werden, der sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Dabei werden die knapp zwei Stunden keineswegs der Leistung von Edison gerecht, der ja beispielsweise auch den Swimming Pool erfunden hat und viele, viele andere Dinge.

Stromkrieg, General Electric und der Elektrische Stuhl

Das Drehbuch konzentriert sich durchaus gekonnt auf den sogenannten Stromkrieg zwischen Gleich- und Wechselstrom, zwischen Edison und Westinghouse, an dessen Ende mit General Electric ein noch heute tätiger Global Player entstand. Namen, Daten, Fakten - all das ist beeindruckend und akribisch zusammengestellt worden. Allerdings wird etwas zu reißerisch die Beteiligung Edisons an der Erfindung des Elektrischen Stuhls hervorgehoben. Wohl nicht der Meister selbst, wie dargestellt, sondern eine seiner Firmen war beteiligt und auch nicht zu sehr, um ausschließlich Westinghouse zu schaden, gleichwohl jemand gewestinghoused wurde, wenn er durch Stromstöße ums Leben kam.

Tolle Zeitreise

Inhaltlich wird der Film dieser Aufbruchszeit mit allen ihren Entwicklungen und Figuren schon spannend gerecht. Gomez-Rejon lässt es dann aber in Sachen Inszenierung und vor allem Bild so richtig krachen. Wilde Kamerafahrten, spektakuläre Bilder, ungewöhnliche Perspektiven verstärken alle Handlungen nocheinmal. Aus dem Biopic wird tatsächlich ein Abenteuerfilm, der auch in Sachen Kulissen vollends überzeugt und das Publikum für knapp zwei Stunden gekonnt in eine andere Zeit entführt.

Edison - Ein Leben voller Licht


Genre: Biopic; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 108 Minuten; Verleih: Concorde HE; Regie: Alfonso Gomez-Rejon; Benedict Cumberbatch, Oliver Powell, Sophia Ally; USA 2017