Kaum an der Front war für Michail Timofejewitsch Kalaschnikow der II. Weltkrieg auch schon wieder vorbei. Ein Volltreffer auf den Panzer, den er kommandierte, beendete alle Träume vom großen Heldendasein. Doch zurück im Altai legte der junge Mann die Hände nicht in den Schoß. Er hatte selbst erlebt und immer wieder auch gehört, wie sich Rotarmisten über die mangelnde Qualität ihrer Maschinenpistolen beschwerten.

Per Wettbewerb zur neuen Waffe

Und so bastelte der Eisenbahn-Techniker, der sich selbst als Konstrukteur bezeichnete, an einem Sturmgewehr, das später einmal den Globus erobern sollte. Doch der Weg zum Erfolg war lang, steinig und wenig planbar. Denn obwohl die Kriegswaffenproduktion der Sowjetunion auf Hochtouren lief, war die Entwicklung neuer Handfeuerwaffen eher dem Zufall unterworfen. So gab es verschiedene Konstrukteurswettbewerbe, an denen sich Kalaschnikow beteiligte.
Allerdings entschieden hier auch Beziehungen mit, so dass es einige Jahre dauerte, bis der Prototyp jenes Sturmgewehres, das einmal AK-47 heißen würde, die Auswahlkriterien erfüllte.

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Konstantin Buslov hat die Geburtswehen der berühmt-berüchtigsten Handfeuerwaffe der Neuzeit als Biopic in Szene gesetzt. Dabei sind die Eckdaten der Geschichte wohl authentisch. Sie geben nicht nur einen interessanten Einblick ins Leben des Konstrukteurs, sondern auch in die Zustände des sowjetischen Militärs während und nach Ende des II. Weltkrieges. Bei genauer Betrachtung ist die Entstehung des AK-47 von vielen Zufällen geprägt, von Beziehungen, von Wohlwollen und Ablehnung, von Engagement und Restriktion.
Das alles ist auch bildtechnisch sehenswert umgesetzt worden, mit reichlich authentischen Kulissen. Wieso allerdings ein junger Eisenbahn-Konstrukteur so einfach eine automatische Waffen entwickeln kann und den Prototypen in Heimarbeit herstellt, verrät der Streifen wiederum kaum. Hier wird auch ein wenig an der Legendenbildung gearbeitet.

Warschauer Pakt, Guerilla und Terroristen

Und auch den Teil nach dem Erfolg spart der Film komplett aus. Denn zur Wahrheit gehört ebenso, dass Kalaschnikow später durchaus erschrocken darüber war, was mit seiner Erfindung geschehen ist. Denn nicht nur die Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes griffen ja auf das AK-47 zurück, sondern von Guerillas bis hin zu Terroristen wurde es benutzt. Hier hält sich der Filmemacher offensichtlich bewusst unpolitisch von einer Wertung fern.
Abgesehen davon sollten geschichts- und waffeninteressierte Zuschauer durchaus einige interessante Informationen erhalten, die vielleicht ein wenig nüchtern aufgearbeitet, aber bei weitem nicht langweilig präsentiert werden.

AK-47 Kalaschnikow


Genre: Biopic; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 110 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Konstantin Buslov; Yuriy Borisov, Olga Lerman, Artur Smolyaninov; Ru 2020