Als hübsches Mädchen aus Iowa hatte es Jean Seberg schnell zu Ruhm in Hollywood gebracht. Auch die damit verbundene finanzielle Unabhängigkeit erlaubte es der jungen Frau, ihre politischen Ansichten offen zu äußern. Mit der Parteinahme für die schwarze Bürgerrechtsbewegung überschritt sie damit allerdings eine Grenze und geriet somit ins Visier des FBI.

FBI schlachtet Liebschaft mit Jamal aus

Auf Anordnung J. Edgar Hoovers wurde die Schauspielerin fortan komplett überwacht. So erfuhren die Ermittler auch von einer Liaison mit Hakim Jamal, einem Aktivisten der Black Power Bewegung. Diese Liebschaft nutze die Bundesbehörde immer wieder aus, um Seberg in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Als sie 1970 schwanger wurde, lancierten die Ermittler gar einen Brief an die Presse und behaupteten, Jamal sei der Vater des Kindes.
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Aber auch ohne die Einmischung des FBI sorgte die Affäre für Ärger, sowohl in der eigenen wie auch in Jamals-Familie. Zusammen mit dem Druck der Überwachung, von der Seberg mittlerweile wusste, litt sie unter psychischen Problemen und Paranoia. Selbstmordversuch und starke Stimmungsschwankungen waren die Folge. Das Bild, das Seberg in der Öffentlichkeit abgab, brachte schließlich gar einen der Ermittlungsbeamten dazu, ihr die Wahrheit zu gestehen und seinen Job in Frage zu stellen.

Unliebsame Zeitgenossin

Benedict Andrews stellt genau die Zeit der FBI-Ermittlungen in den Focus seines Biopics. Woher Jean kam und wie sie Karriere machte, spielt eine eher unbedeutende Rolle. Für den Regisseur ist vor allem wichtig, aufzuzeigen, wie staatliche Stellen seinerzeit alles daran setzten, politisch unliebsame Zeitgenossen entweder aus der Öffentlichkeit zu nehmen oder sie in derselben zu diskreditieren. In einer Szene wird gar darüber spekuliert, ob es nicht das Beste sei, die Schauspielerin zu eliminieren.
Andrews verkürzt bei seiner Darstellung allerdings stark die Figurenzeichnung. Weder werden die Hintergründe oder das blutige Ende von Jamal thematisiert, noch die letzten Jahre von Segerg, in denen sie offensichtlich unter Suchtproblemen und Depressionen litt. Insofern ist die These, dass der womögliche Selbstmord direkte Folge der FBI-Überwachung war, schon gewagt. In seiner politischen Aussage allerdings liegt der Film ganz sicher richtig.

Kristen Stewart mit blondem Pixie

Kristen Stewart mit blondem Pixie-Haarschnitt scheint perfekt für die Rolle der Sixites-Ikone. Der Auftritt zeigt zugleich, dass aus dem Teenie-Idol eine immer ernster zu nehmende Schauspielerin geworden ist. So geht sie durchaus auch mit vollem Körpereinsatz zur Sache. Eine weitere Überraschung ist Vince Vaughn als fieser FBI-Ermittler. Der sonst eher für lustige Rollen bekannte Schauspieler möchte sich offensichtlich für neue Aufgaben empfehlen. Überhaupt scheint Andrews ein glückliches Händchen mit seinem Cast gehabt zu haben. Allesamt kommen sie glaubwürdig rüber. Zusammen mit dem zudem gelungenen Setting der späten Sechziger ist der Streifen durchweg empfehlenswert.

Against all Enemies


Genre: Biopic; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 102 Minuten; Verleih: Prokino; Regie: Benedict Andrews; Kristen Stewart, Yvan Attal, Gabriel Sky; USA 2020